Hinweise verdichten sich: Dampfen macht doch krank!

Jetzt kann es keiner mehr wegreden: E-Zigaretten sind gefährlich! Neue Studien belegen ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall und schlechte Spermienqualität. Dazu kommen krebserregende Stoffe im Dampf. Biologin Dr. Von Christian Reinartz

Katrin Schaller: „Wir haben Hinweise, dass die E-Zigaretten nicht so harmlos sind, wie es die E-Raucher-Gemeinde gerne hätte. “.

Region Rhein-Main – Auf den Straßen im Rhein-Main-Gebiet dampft es wieder häufiger. Nachdem die Zahl der Tabakraucher im Lauf der Jahre immer weiter zurückgegangen ist und die Zigarette immer seltener in der Öffentlichkeit anzutreffen ist, erfährt nun eine andere Form des Rauchens einen regelrechten Hype: Das Elektro-Dampfen. Geht es nach den Fans dieses Genusses, sind die Nebenwirkungen dieses Nikotinkonsums zu vernachlässigen, während Krebs-Experten auch in dieser Form des Rauchens eine ernsthafte Gefahr sehen.

Nun liefern Kardiologen der California University in Los Angeles den Beweis. Ihrer Studie zufolge kommt es beim regelmäßigen Konsum von E-Zigaretten offenbar zu körperlichen Veränderungen, die das Risiko für Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen können. Dazu die schlimme Nachricht für männliche E-Raucher: Der regelmäßige Konsum von Nikotin und die einhergehenden Potenzstörungen bei Tabakrauchern ließen sich, laut Experten, auch auf die Dampfer übertragen.

Dr. Katrin Schaller ist Biologin am Deutschen Krebsforschungszentrum und Spezialistin für E-Zigaretten. Sie stellt klar: „Im E-Zigaretten-Aerosol sind weniger krebserregenden Stoffe als im Zigarettenrauch. Aber es sind welche enthalten.“ Da es keinen Grenzwert gebe, unterhalb dessen diese Stoffe ungefährlich wären, könne niemand das Risiko wirklich abschätzen. Dazu kommt: Das im E-Dampf enthaltene Propylenglykol kann die Atemwege reizen. Doch das wollen die Elektro-Raucher offenbar nicht wahr haben. Kaum wird das Dampfen kritisch hinterfragt, sehen die E-Zigaretten-Fans rot, schreiben im Netz einen Hasskommentar nach dem anderen.

Schaller kennt diese Anfeindungen der Szene nur zu gut. „Besonders engagiert sind meist diejenigen, die Raucher waren und auf die E-Zigarette umgestiegen sind. Diese Leute sind wirklich glücklich und identifizieren sich damit“, erklärt Schaller. „Wenn wir dann kommen und ihnen erklären, dass da auch Gefahren drin lauern, ist es so, als wenn man einem Kind sein Spielzeug wegnehmen will. Da wird mittlerweile eine regelrechtes Feindbild aufgebaut.“ Dabei würden sich Schaller und ihre Kollegen einen sachlichere Diskussion auf Basis der Datenlage wünschen. „Die hören uns aber einfach nicht zu“ Stattdessen würden immer wieder Beweisführungen angetreten, die wissenschaftlich nicht fundiert seien.

Dac Sprengel vom Verband des E-Zigarettenhandels sieht die Sache naturgemäß anders. „Die E-Zigarette wird viel schlimmer dargestellt, als sie wirklich ist.“ Keiner behaupte ja, dass das Dampfen, nicht schädlich sei. „Aber es ist viel weniger schädlich, als es eine herkömmliche Zigarette ist. Das muss man betonen“, argumentiert Sprengel. Seiner Ansicht nach hätten die Warnungen vor E-Zigaretten dazu geführt, dass rund 80 Prozent der Menschen wirklich glauben, dass E-Zigaretten genauso schädlich wie die Tabakzigarette oder sogar gefährlicher seien. „Das geht aber an der Realität vorbei.“

Dr. Katrin Schaller warnt dennoch: „Mann muss klar sagen: Wir wissen einfach nicht, was passiert, wenn man diese Substanzmischungen zweihundert Mal am Tag inhaliert. Es hat ja noch keiner wirklich getestet, welche Folgen nach jahrelangem Konsum eintreten. Die neuen Studienergebnisse wecken da Bedenken.“

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