EXTRA TIPP leitet Leser-Problem direkt an die richtige Stelle weiter

Nahverkehr: Bus und Bahn sind weg, der Ärger ist da

Wenn die S-Bahn Verspätung hatte, hilft auch oft kein Rennen mehr, um den Anschluss-Bus zu erwischen.
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Wenn die S-Bahn Verspätung hatte, hilft auch oft kein Rennen mehr, um den Anschluss-Bus zu erwischen. 
  • Axel Grysczyk
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Region Rhein-Main  Immer wieder melden sich Leser beim EXTRA TIPP und beschweren sich über Bus und Bahn: Sie fluchen, sie fühlen sich machtlos und beklagen schlechten Service. Wir stellen zwei Schicksale vor und bieten unseren Lesern einen direkten Beschwerde-Draht. Von Axel Grysczyk

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S-Bahnen sollen bald durchgehen fahren

Sabine Arendt ist’s wieder passiert. Um 6.23 Uhr ist sie in Dietzenbach-Steinberg mit der S2 zur Arbeit losgefahren. In Offenbach steigt sie dann in die S8 oder S9, um wie jeden Morgen seit acht Jahren um sieben Uhr ihren Job in der Auftragsannahme zu beginnen. Doch an diesem Morgen fährt die Bahn ohne sie ab. „Das Ärgerliche ist, dass der Fahrer mich und die Fahrgäste sieht. Wir kommen angehetzt, und er fährt einfach ab“, sagt die 51-Jährige. Das sei nicht das erste Mal so passiert. Die Dietzenbacherin kommt zur spät zur Arbeit. Das hat Folgen. Arendt: „Ich habe eine Abmahnung bekommen. Das ist extrem ärgerlich, weil ich ja nichts falsch gemacht habe.“ Arendt fährt nun meist eine Bahn früher. Auch habe sie nun immer 50 Euro dabei, damit sie sich im Notfall ein Taxi leisten kann.

Ehemann Michael Arendt hat das Schreiben des RMV nach der Beschwerde seiner Frau gespeichert. „Warme Worte, zusammengesetzt aus Textbausteinen mit dem üblichen Es-tut-uns-leid, mehr kam da nicht. Und das alles für 135 Euro fürs Monatsticket“, sagt er.

Das läuft alles falsch

So oder ähnlich wie den Arendts geht vielen Lesern des EXTRA TIPPs. Immer wieder rufen die Betroffenen in unserer Redaktion an. Sie schildern Missstände durch Verspätungen, ärgern sich über Zustände im Bus oder der Bahn und erklären stets, dass sie sich hilflos fühlen.

So geht es auch Jürgen Gottwald. Meist ist er mit der Buslinie 653 von Neu-Isenburg zum Frankfurter Südbahnhof unterwegs, um zur Arbeit in einem Haushaltswarengeschäft zu kommen. Der 57-Jährige ist mächtig sauer. Der Bus kommt oft zu spät, die Heizung ist mal an und dann wieder aus oder der Busfahrer fährt viel zu schnell. Gottwald moniert, dass die Fahrer im Bus Pause machen, dort essen und im Anschluss eine rauchen. Die Hygiene bleibe dabei auf der Strecke. Gottwald: „Jeder Busfahrer verhält sich anders. Es gibt anscheinend keine verbindlichen Regeln oder es hält sich niemand dran.“ Das gelte erst recht, wenn es darum geht, welcher Radfahrer noch mitfahren darf. Gottwald ist auf Bus und Bahn angewiesen, ein Auto besitzt er nicht. 

Das Ärgerlichste sei die Informationspolitik. „Die Buslinie ist an BRH Via Bus GmbH vergeben. Da ruft man zig Telefonnummern an, bis man überhaupt jemanden dran hat. Dann heißt es: ,Wir arbeiten dran.’ Aber es passiert nichts.“ Und er fügt hinzu: „Jedes Jahr ist bei uns das Straßen-Musik-Festival Open Doors. Aber wo der Bus dann lang fährt, weiß jedes Jahr aufs Neue wieder niemand.“

RMV bezieht Stellung

Der Pressesprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, Sven Hirschler, zeigt Verständnis. „Jede einzelne Verspätung ist ärgerlich. Wir arbeiten daran, die Qualität ständig zu verbessern.“ Es sei aber eine Herausforderung, das Angebot bei 14.000 Buslinien und dem S-Bahn-Linien ohne Verspätungen anzubieten. Man sei stolz darauf, ein 24-Stunden-Beschwerdetelefon geschaltet zu haben. Kein Call-Center, sondern geschulte Mitarbeiter, die versuchen weiterzuhelfen. In Stoßzeiten arbeiten an diesem Service-Telefon bis zu 14 Mitarbeiter. Dazu komme der Kundendialog über Facebook. Darüber sei auch sehr schnell ablesbar, ob es irgendwo auf einer Linie häufiger ein Problem gäbe. 

Allein am Kundentelefon habe man 500.000 bis 600.000 Kundenkontakte pro Jahr. Hirschler: „Jede Beschwerde wird individuell beantwortet. Aber natürlich verwenden wir Textbausteine, ansonsten kämen wir bei der hohen Zahl der Anfragen unserer Kunden gar nicht nach.“

Hirschler stellt klar, dass schlechte Leistungen Geld kosten. Wenn Linien, die von anderen Busanbietern betrieben werden, schlechte Ergebnisse erzielen, wir Geld abgezogen. Das sei vertraglich festgelegt. Bei der BRH Via Bus GmbH sei dies der Fall gewesen.

RMV will EXTRA TIPP-Lesern helfen

Als der EXTRA TIPP versucht, Kontakt zu dem Unternehmen aufzunehmen, ist sowohl am Hauptsitz in Speyer als auch beim Servicetelefon in Mainhausen niemand zu erreichen. Hirschler will helfen. „Den EXTRA TIPP-Lesern bieten wir einen besonderen Service: Jeder darf sein Problem schildern, und wir schauen ganz konkret und zeitnah, dass wir da Abhilfe leisten können“, sagt er. Also: Einfach formlos das eigene RMV-Problem schildern und dem EXTRA TIPP schicken. Dann wird’s ernst genommen!

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