Gerd Habermann aus dem Main-Kinzig-Kreis ist Europas einziger Dragster-Profi

Hessischer Traum: Von Null auf 700 km/h in drei Sekunden

Gerd Habermann will als Jugendlicher in den 70er Jahren bloß Cola trinken und Burger bei den Amis verdrücken. Deshalb besucht er damals die verrückten Dragster-Wettkämpfe der stationierten Soldaten. Das Rennfieber steckt ihn an. Heute ist er der beste Europäer. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Die Zahlen klingen unglaublich. Gerd Habermann aus Erlensee (Main-Kinzig-Kreis) jagt mit einem Auto einen Geschwindigkeitsrekord aus dem Jahr 1978. Sammy Miller beschleunigte damals in 3,58 Sekunden auf 621 Stundenkilometer. Habermann will mit einem selbst gebauten Dragster-Rennwagen in drei Sekunden von null auf 700 km/h kommen. Wenn er das Auto pünktlich zusammengeschraubt hat, ist es diesen August wohl auf dem Hockenheimring soweit. Der Wagen wird dann umgerechnet rund 50.000 PS stark sein. Ein Raketenantrieb mit Wasserstoffperoxid soll die Geschwindigkeit bringen. „Das Auto wird dann nicht durch die Räder angetrieben, sondern durch den Schub der Explosion“, erläutert Habermann.

Der 58-Jährige, der in der Szene „King of Fire“ genannt wird, sahnte nur im Jahr 2019 sieben Titel ab. Seit er volljährig ist, fährt er hobbymäßig Rennen. Vor 15 Jahren wurde es sein Beruf. Er gab seine Kfz-Werkstatt auf, wurde der einzige Dragster-Profi in Europa. Ein Dragster-Wettkampf ist ein Hochbeschleunigungsrennen, bei dem zwei Fahrer gegeneinander antreten. Die klassische Renndistanz beträgt dabei eine viertel Meile, was 402,34 Metern entspricht. „Die Strecke ist so lang, weil die Ampeln in den Städten der USA in den 50er Jahren immer alle Viertelmeile aufgestellt wurden. Damals sind die Fahrer bei illegalen Privatrennen auf der Straße immer von Ampel zu Ampel gerast. Das hat man dann auf die offizielle Strecke übertragen“, weiß Habermann.

Seine Dragster-Leidenschaft begann als 15-Jähriger in den 70er Jahren am Fliegerhorst in Erlensee: „Ich bin damals mit meinem Mofa zu den stationierten Amerikanern gefahren. Aber nicht, um die Dragster-Rennen zu sehen, sondern um Hamburger zu essen und Cola zu trinken. Für einen Dollar. Das war für mich wie das Paradies“, erinnert sich Habermann.

Doch nicht nur Burger und Soft-Getränke hatten es ihm angetan, sondern bald auch die Rennen mit den superschnellen Wagen. Der Rest ist Geschichte. Sein erster Renndragster war ein frisierter Opel Manta A mit 90 PS. „Der schaffte die Viertelmeile in 17 Sekunden“, sagt er.

Heute hat er 14 Dragster und drei Motorräder in seiner Halle in Erlensee. Er besitzt damit den größten und erfolgreichsten Dragster- und Jetdragster-Rennstall außerhalb der USA. Auch eine erfolgreiche Nachwuchsfahrerin hat er unter seinen Fittichen. Für den Erlenseer verursacht dabei nicht in erster Linie die Geschwindigkeit den Kick bei seinem Rennsport. „Für mich ist es die Beschleunigung. Ich sehe auf die Ampel und weniger als eine halbe Sekunde beschleunige ich von null auf hundert. In diesem Moment atme ich nicht, bin voller Konzentration.“ Dieses Gefühl sei unbeschreiblich. Im Straßenverkehr lässt es Habermann aber viel gemütlicher und langsamer angehen. „Wenn ich mal geblitzt werde, dann nur aus Unachtsamkeit“, sagt er lachend.

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