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Hessen Unwetter: Sturm war kein Tornado - sondern dieses Wetter-Phänomen

Die Gewitterwolkenformation von Langstadt aus gesehen. Foto: DWD, Montage rz

Der Sturm, der am vergangenen Sonntag durch Rhein-Main gepflügt ist, war kein Tornado, sondern ein Macroburst. EXTRA TIPP-Meteorologe Martin Gudd erklärt, was dahinter steckt, und warum gerade der Kreis Offenbach oft so schwer von Gewitterstürmen getroffen wird. Von Christian Reinartz

Region Rhein-Main – Kaum war der Sturm am vergangenen Sonntag vorüber, ging’s in den sozialen Netzwerken los. Zahlreiche Menschen aus Rhein-Main schworen Stein und Bein, dass der Sturm ein Tornado war. Manch einer postete Fotos, die entfernt an eine Windhose erinnerten. Doch einen Beweis brachte niemand. „Das ist auch völliger Quatsch“, sagt EXTRA TIPP-Meteorologe Martin Gudd. „Das waren gefühlte Fakten, die nichts mit der Realität zu tun hatten.“ Gudd: „Es gab keine Windhose, dieser Sturm war ein Macroburst.“ Das bezeichnet einen Gewittersturm, der sich über ein großes Gebiet ausbreitet und bei dem große Mengen kalter Luft auf die Erde herunterfallen und dort zur Seite weggeleitet werden. „Dabei entstehen durch die Fallgeschwindigkeit und die Geschwindigkeit der ziehenden Gewitterwolke unheimlich starke Böen, die im aktuellen Fall bis zu 150 Stundenkilometer betrugen.“ Das sei so, als wenn man einen Eimer Wasser aus großer Höhe auf den Boden schütte, sagt Gudd.

Dazu kommt die außerordentliche Größe und Dauer des Gewittersturms von vergangener Woche. „Es handelte sich um eine sehr große Zelle, die um die acht Stunden aktiv war und in etwa vier Kilometern Breite südlich von Mainz bis in den Spessart zog“, sagt Gudd. „Letzte Spuren waren sogar noch in Dresden zu spüren.“

Auch interessant: Ein solcher Macroburst kommt in der Region häufiger vor. „Der Kreis Offenbach ist prädestiniert für diese Form des Sturms und liegt genau in der Zugschneise, durch die immer wieder solche Gewitter ziehen“, erklärt Gudd. Vor allem die Anordnung der Mittelgebirge spielten dabei eine ganze wichtige Rolle. In diesem Falle das Rheintal. „Die Gewitterwolken ziehen von Südwesten herauf und bekommen dann aus dem Rheintal bodennahen Wind aus Süden ab“, sagt Gudd. „Das verleiht den Wolken einen solchen Drall, dass daraus besonders schwere Gewitterstürme entstehen.“

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