Zahlen rasant gestiegen

Hessen rüsten auf: Mehr Waffenscheine und Pistolen

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Symbolfoto

Hessen - Das Sicherheitsbedürfnis der Hessen scheint größer zu werden. Deshalb wird privat aufgerüstet. Die Nachfrage nach kleinen Waffenscheinen und Schreckschusspistolen steigt rasant. 

Überfälle, Angriffe, Terrorgefahr - viele Menschen wollen solchen Meldungen scheinbar nicht länger hilflos gegenüber stehen. Wie aus dem Nationalen Waffenregister (NWR) hervorgeht, besaßen im vergangenen Jahr 36.682 Hessen den kleinen Waffenschein. Ein Jahr zuvor waren es nur 23.552 gewesen. Diese Zahlen veröffentlichte das hessische Innenministerium auf dpa-Nachfrage. 

Gleichzeitig zeigte man sich besorgt über die zunehmende Aufrüstung im privaten Bereich. „Die hessische Polizei nimmt die Sorgen und Ängste der Bevölkerung sehr ernst, steht aber der Verbreitung von Waffen kritisch gegenüber“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Der Schutz der Bürger sei weiterhin die alleinige Aufgabe des Staates. Die Polizei wahre die öffentliche Sicherheit. 

Was ist mit dem kleinen Waffenschein erlaubt?

Der kleine Waffenschein berechtigt seinen Inhaber zum Führen von Signal-, Reizstoff- und Signalwaffen. Diese müssen allerdings auch über ein Siegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) verfügen. Reizstoffsprays dürfen übrigens auch ohne Waffenschein gekauft werden, wenn sie laut Bezeichnung zur Tierabwehrabwehr dienen. 

Die gestiegene Nachfrage macht sich auch beim Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VBD) bemerkbar. Vor allem Schreckschusswaffen, aber auch Reizgase seien 2016 häufiger verkauft worden. Auch Schrillalarme und Blend-Taschenlampen hätten großen Absatz gefunden. „Was wir gemerkt haben war ein Auf und Ab im Verkauf solcher freien Abwehrmittel“, sagte VBD-Geschäftsführer Ingo Meinhard. Auffällig war, dass die Nachfrage direkt nach den Silvester-Übergriffen in Köln stark gestiegen sei und bis nach der Faschingszeit angehalten habe. Danach lag der Absatz auf einem durchschnittlichen Niveau. 

Nachfrage nach dem Anschlag von Berlin nicht mehr gestiegen

„Dann kam Nizza, dann kam München und wir haben wieder einen Anstieg gemerkt.“ Der Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt habe allerdings kein deutliches Umsatzplus mehr nach sich gezogen. Der VBD-Geschäftsführer geht davon aus, dass sich alle besorgten Menschen bereits zuvor mit entsprechenden Produkten eingedeckt hätten. Konkrete Absatzzahlen konnte Ingo Meinhard allerdings nicht nennen. Entsprechende Daten würden gerade erst erfasst. 

Dass die Waffen aber nicht immer zweckmäßig eingesetzt werden, zeigte sich beispielsweise erst vor einer Woche. Ein 31-Jähriger hatte in Frankfurt eine ganze Kindergartengruppe am Niddaufer in Angst und Schrecken versetzt. skk/dpa/lhe

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Unerwünschter Körperkontakt: Die Entscheidung, wie man sich in einer bedrohlichen Situation verhält, muss häufig innerhalb von Sekunden fallen. Foto: Florian Schuh
Unerwünschter Körperkontakt: Die Entscheidung, wie man sich in einer bedrohlichen Situation verhält, muss häufig innerhalb von Sekunden fallen. Foto: Florian Schuh © Florian Schuh
Freundlich bleiben und die brenzlige Situation souverän verlassen - Betroffene sollten sich keinesfalls auf das Drehbuch des Täters einlassen. Foto: Florian Schuh
Freundlich bleiben und die brenzlige Situation souverän verlassen - Betroffene sollten sich keinesfalls auf das Drehbuch des Täters einlassen. Foto: Florian Schuh © Florian Schuh
Christian Zorn leitet das Anti-Gewalt-Training in Berlin. Bei ihm lernen Interessierte, wie sich brenzlige Situationen entschärfen lassen. Foto: Florian Schuh
Christian Zorn leitet das Anti-Gewalt-Training in Berlin. Bei ihm lernen Interessierte, wie sich brenzlige Situationen entschärfen lassen. Foto: Florian Schuh © Florian Schuh
Provokatives Rempeln: In seinem Anti-Gewalt-Kurs spielt Christian Zorn ein praktisches Beispiel durch. Foto: Florian Schuh
Provokatives Rempeln: In seinem Anti-Gewalt-Kurs spielt Christian Zorn ein praktisches Beispiel durch. Foto: Florian Schuh © Florian Schuh
Was tun in brenzligen Situationen? Ganz wichtig: Den Täter nicht provozieren und Abstand halten. Foto: Florian Schuh
Was tun in brenzligen Situationen? Ganz wichtig: Den Täter nicht provozieren und Abstand halten. Foto: Florian Schuh © Florian Schuh
Christian Zorn ist Leiter des Anti-Gewalt-Projekts des Landeskriminalamts Berlin. Foto: Florian Schuh
Christian Zorn ist Leiter des Anti-Gewalt-Projekts des Landeskriminalamts Berlin. Foto: Florian Schuh © Florian Schuh

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