Frist endet

Hessen bunkern Waffen lieber, als sie straffrei abzugeben

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Die Möglichkeit, illegale Waffen und Munition straffrei abzugeben, nutzten in Hessen deutlich weniger Menschen als 2009.

Am 1. Juli endet die Waffenamnestie. In Hessen nutzten allerdings nur wenige die Chance, illegale Waffen und Munition straffrei abzugeben. Auch in Rhein-Main fällt die Bilanz kurz vor Fristende gemischt aus. 

Rhein-Main – Noch knapp eine Woche können Bürger illegale Waffen und Munition bei der Polizei oder der zuständigen Waffenbehörde abgeben. Straffrei und unbürokratisch. Doch schon vor Ablauf der einjährigen Waffenamnestie steht fest: In Hessen nutzten deutlich weniger Bürger die Chance, ihre geerbten, gefundenen oder selbst angeschafften illegalen Waffen loszuwerden, als während der Amnestie 2009. Damals registrierte das Hessische Landeskriminalamt 2600 illegale Waffen, bis 31. Mai waren es lediglich 910.

Waffenamnestie: Sogar eine Handgranate abgegeben

Ein Trend, der sich auch in Rhein-Main bestätigt. Beim Ordnungsamt der Stadt Frankfurt wurden bis Mitte Juni gerade mal eine Handvoll erlaubnispflichtige Waffen abgegeben, darunter ein Repetiergewehr, eine Doppelflinte, fünf Pistolen, drei Revolver sowie 200 Schuss Munition. Auch acht Luftgewehre sowie 16 Gas- und Schreckschusswaffen landeten beim Ordnungsamt – obwohl diese sind gar nicht erlaubnispflichtig sind und damit auch nicht unter die Amnestie fallen. Das gleiche Bild auch bei den anderen Waffenbehörden: Die Kreisverwaltung Offenbach zählte im gleichen Zeitraum 35 illegale Schusswaffen, die Behörde des Hochtaunuskreises 31, im Main-Taunus-Kreis waren es 115. Bei der Waffenbehörde des Main-Kinzig-Kreises wurden seit Beginn der Frist 328 Schusswaffen abgegeben, 49 waren nicht registriert. „Viele dieser Waffen waren bereits vor 1970 im Besitz. Oder es sind Waffen, die aus einem Urlaubsland mitgebracht worden sind, wo diese frei zu kaufen waren“, sagt John K. Mewes, Sprecher des Main-Kinzig-Kreises.

Auch bei der Polizei blieb der große Ansturm aus. In Frankfurt wurden insgesamt 123 illegale Waffen, darunter Gewehre, Pistolen, Revolver, Wildererwaffen, Hieb- und Stoßwaffen sowie Schießkugelschreiber abgegeben. Dabei gab es auch einige gefährliche Situationen: „Bei einem Revier wurde eine funktionsfähige Handgranate mit verbotenem Kampfstoff abgegeben. In einem anderen Fall wurde eine geladene Schusswaffe sowie eine nicht handhabungssichere Munition in loser Schüttung abgegeben“, sagt Chantal Emch, Sprecherin des Polizeipräsidiums Frankfurt. Glücklicherweise sei die Übergabe glimpflich verlaufen.

Waffen werden anschließend vernichtet

Beim Polizeipräsidium Südosthessen wurden im Rahmen der Amnestie bislang 27 illegale Waffen abgegeben, darunter auch zwei durch den Besitzer unbrauchbar gemachte Maschinenpistolen. Beim Polizeipräsidium Westhessen, zu dem auch die Polizei im Hoch- und Main-Taunus-Kreis gehört, zählte man insgesamt 75 Kurz- und 33 Langwaffen. „Bei den meisten handelt es sich um Erbstücke des Opas, die irgendwann mal beim Aufräumen gefunden wurden und Jahrzehnte im Schrank lagen“, sagt Sprecher Volker Hammann, Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen. Darunter seien auch seltene Schmuckstücke, die beispielsweise nur in geringer Stückzahl hergestellt wurden und in Sammlerkreisen hohe Preise erzielen. Doch auch wenn so manchem Liebhaber das Herz blutet: Nachdem Experten des Landeskriminalamtes überprüft haben, ob mit den Waffen Straftaten begangen wurden, werden sie vernichtet.

Schätzungen, wie viele Illegale Waffen überhaupt in hessischen Haushalten schlummern, existieren laut Michael Schaich, Sprecher des Hessischen Innenministeriums, nicht. Dennoch sei man mit der Bilanz der aktuellen Waffenamnestie – trotz des geringen Rücklaufs – zufrieden. „Mit abgegebenen Waffen können keine Straftaten mehr begangen werden, deshalb kann mit der Aktion auch mehr Sicherheit erreicht werden.“

Kristina Bräutigam

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