Frankfurter Verein Nala kämpft gegen die weibliche Genitalverstümmelung

Grausamkeit aus reiner Liebe

Der Vorstand von Nala: Gaëlle Lallement, Ute Both, Mathilda Legitimus-Schleicher, Karin Siegmann, Mandy Bopp und Fadumo Korn (von links). Foto: nh
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An ein Verbrechen, das weltweit Millionen junger Frauen angetan wird, erinnert am Donnerstag, 6. Februar, der internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Auch ein Verein aus Frankfurt kämpft gegen diese Grausamkeit. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Das Leid, das jährlich Millionen Frauen bei einer rituellen Beschneidung ertragen müssen, können Worte kaum beschreiben. Bei einer „pharaonischen Beschneidung“, der extremsten Form der Genitalverstümmelung, werden bei Mädchen die Klitoris und die kleinen Schamlippen entfernt, die großen Schamlippen werden ausgeschabt. Und die Wunde wird zur Heilung mit Dornen zusammengesteckt. Nur ein streichholzgroßes Loch bleibt der Frau zum Urinieren und für das Menstruationsblut. Beschnittene Frauen müssen lebenslange Schmerzen ertragen. Insgesamt sind 140 Millionen betroffen. Allein in Deutschland 30.000.

Auch Fadumo Korn ist eine davon. Sie wurde als Siebenjährige „pharaonisch“ beschnitten. Während der Prozedur wäre sie fast gestorben. Gesundheitlich leidet sie noch heute darunter. Aber sie hat ihr Schicksal auch dazu genutzt, um anderen gleiches Leid zu ersparen und Betroffenen zu helfen. 2012 gründet sie mit fünf weiteren Frauen und zwei Männern in Frankfurt den Verein Nala.

Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich

Mittlerweile leitet Fadumo Korn mit sechs weiteren Vorstandsfrauen den Frankfurter Verein von München aus. Dort sitzt außerdem die Nala-Mädchengruppe des Vereins, die aus jungen betroffenen Mädchen aus verschiedensten Ländern Afrikas besteht. Auch in Frankfurt sind die Mädchen mittlerweile bekannt. So hat der SGE-Fanclub „Die Adler“ nicht nur gespendet, sondern ermöglichte den Mädchen auch eine Führung durch das Eintracht-Museum und das Stadion.

Alle Mitglieder von Nala leisten ehrenamtlich Aufklärungsarbeit über Genitalverstümmelung und helfen Betroffenen in vielen Lebenslagen. Dabei geht es nicht nur um diejenigen, die bereits verletzt wurden. Denn: Allein in Deutschland sind laut Verein etwa 9300 gefährdet. Bei ihnen besteht die Gefahr, dass Familienmitglieder sie verfolgen und ins Heimatland zurückzerren, um sie beschneiden zu lassen. Nala-Sprecherin Mandy Bopp: „Wir haben eine Notrufnummer, wo sich Betroffene oder Menschen, wie etwa Ärzte, die einen Verdacht haben, melden können.“ Immer wieder komme es auch in Rhein-Main vor, dass derartige Verdachtsfälle auftreten.

Aber was bewegt Menschen dazu, anderen diese Grausamkeit anzutun? Bopp erklärt: „Einer der Gründe ist: Die Männer erwarten ein ,sauberes’ Mädchen – eine Jungfrau. Und man glaubt, wenn man sie beschneidet, garantiert es die Jungfräulichkeit.“ Das Perfide sei, dass die Mütter nur das Beste für ihre Töchter wollten. Letztlich aus Liebe handeln. Denn sie befürchten, dass kein Mann ihr Kind ohne diesen Eingriff heiraten will und sie somit keine Zukunft hat.

Schauspielerin Katja Riemann unterstützt den Verein

Das große Ziel des Vereins ist, diesen Irrsinn weltweit abzuschaffen. So engagiert er sich seit Beginn für ein Ausbildungszentrum in Burkina Faso, um direkt vor Ort die Menschen davon zu überzeugen, das menschenverachtende Ritual nicht mehr zu praktizieren und den betroffenen Frauen und Mädchen zu helfen. Und in Deutschland will Nala dieses Verbrechen mehr ins Bewusstsein der Menschen bringen. So leitet Mandy Bopp einmal im Jahr einen Workshop an der Humboldt-Schule in Bad Homburg. Schüler der neunten Klasse erstellen dann etwa Plakate und diskutieren über Genitalverstümmelung. „Ich würde mir wünschen, dass auch die Politik dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenkt“, sagt Bopp. Gerade die Menschen außerhalb der betroffenen Länder sollten sich mehr für das Thema öffnen, nicht wegschauen, sondern die Arbeit der Vereine unterstützen, sagt Bopp. Als Schirmherrin konnte der Verein vor zwei Jahren die Schauspielerin und Unicef-Botschafterin Katja Riemann gewinnen. Auch Grit Boettcher gehört zu den prominenten Unterstützern.

Wie wichtig die Arbeit des Vereins ist und wie die Zukunft betroffener Mädchen durch dessen Hilfe positiv verändert werden kann, zeigt eindrucksvoll die Geschichte von Fadumo Korn. Sie wohnt bereits seit 40 Jahren in Deutschland. Ihren Mann hat sie hier 1982 kennengelernt. Und sie sind stolze Eltern von einem mittlerweile erwachsenen Sohn, der sich ebenfalls im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung engagiert.

Weitere Informationen zum Verein unter

www.nala-fgm.de Spendenkonto: EKK-Bank IBAN: DE55520604100004005503 BIC: GENODEF1EK1

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