Der RMV weigert sich, die benötigten Fahrplandaten für die Region herauszugeben

Google-Navigation per Bus und Bahn ist in Rhein-Main nicht möglich!

Keine Chance bei den großen Navi-Anbietern: ÖPNV-Routen sind nicht verfügbar! Foto: rz

Während andere Metropolen längst ihre Fahrpläne der Öffentlichen in die Kartendienste der Navigationsriesen Google und Apple eingespeist haben, weigert sich der RMV beharrlich. Die Kunden und der Fahrgastverband Pro Bahn sind deshalb genervt. Von Christian Reinartz

Region Rhein-Main – Wer in Google-Maps versucht, mit den Öffentlichen durch Rhein-Main zu navigieren, scheitert. Denn alles, was nicht S-Bahn ist, findet dort nicht statt. In der Praxis sieht das so aus: Wer von der Konstablerwache mit den Öffentlichen nach Bornheim will, dem zeigt der größte Kartendienst der Welt einen 37-minütigen Fußmarsch an.

Verantwortlich dafür sind aber nicht etwa Google oder Apple, sondern der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Der weigert sich nämlich, die geforderten Fahrplandaten an die beiden Navigationsriesen zu liefern, weil er befürchtet, das könnte Kunden verwirren. RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann sagt: „Der RMV stellt seine Fahrplandaten inklusive Echtzeitinformationen über eine API-Schnittstelle zur Verfügung. Die Schnittstelle des RMV wird bereits von mehr als 500 Unternehmen und Einzelpersonen genutzt, um auf eigenen Plattformen Fahrplanauskünfte zu ermöglichen. Beide Unternehmen bestanden jedoch darauf, Daten im GTFS-Format zu erhalten. Im GTFS-Format liegen die Daten allerdings in Rohform vor, ohne Verknüpfung der einzelnen Fahrtangebote.“ Im Klartext heißt das: Der RMV will, dass Apple und Google Echtzeitdaten einbindet, anstatt nur die Fahrpläne.

Warum der RMV andere Maßstäbe in Rhein-Main anlegt als andere große Verkehrsgesellschaften in Deutschland, beantwortet Rehermann so: Man könne sich nicht zum Vorgehen anderer Verkehrsunternehmen äußern. „Zudem stellen auch wir unsere Daten selbstverständlich auch Apple und Google bei Interesse über die bereits beschriebene Schnittstelle zur Verfügung.“ Kunden sind von dieser Haltung genervt. Monatskartenbesitzer David Schempski bringt den Groll vieler Fahrgäste auf den Punkt: „Wir sind hier der Mittelpunkt Europas. Aber der RMV versperrt sich hier der Realität und macht uns in Sachen Navigation zum Entwicklungsland.“ Verwirrt zeigt sich etwa eine Touristengruppe aus Südamerika. Sie versucht in der B-Ebene der Hauptwache vergangenen Dienstag eine passende Verbindung per Smartphone zu finden, scheitert aber. Schließlich hilft den Touristen ein anderer Fahrgast und erklärt, dass sie auf der Homepage des RMV schauen müssen.

Für Thomas Kraft vom Fahrgastverband Pro Bahn ist die Haltung des RMV unverständlich: „Der Fahrgastverband Pro Bahn kann es nicht nachvollziehen, warum der RMV keine Fahrplandaten den potenziellen Anbietern von Navigations-Apps zur Verfügung stellt. Diese Verwunderung kommt zum Ausdruck, weil gerade die Verkehrsverbünde der anderen Regionen Deutschlands diese Fahrplandaten zur Verfügung stellen. Aus Sicht des Pro-Bahn-Landesverbandes Hessen würden dem RMV keine Nachteile entstehen. Nein, es würde sich sogar für den RMV lohnen, wenn sich durch die Bereitstellung von Infos mehr Fahrgäste entschließen, den ÖPNV zu nutzen.“

Dass der RMV eine eigene App mit Echtzeitdaten als Alternative anbietet, lässt Kraft nicht gelten. „Die Apps der einzelnen Verkehrsverbünde mögen ihre Berechtigungen haben, jedoch ist der unbedarfte Fahrgast nicht daran interessiert, ein Vielfaches an Apps auf sein Smartphone zu laden, wenn man in eine andere Stadt fährt. Heute braucht man das Fahrgast-Abitur, um die Übersicht zu behalten.“

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