Start-up will Menschen in Frankfurt zusammenbringen

Lokale Konkurrenz für Tinder: Per App zum Dinner

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Lukas Reinhardt aus Kronberg zeigt seine selbst entwickelte App „Go Crush“, mit der er und seine Partner Menschen zusammen führen möchte.

Frankfurt –Frustriert von Tinder und Co gründen der Kronberger Lukas Reinhardt und seine Partner aus Bad Homburg und Frankfurt die App „Go Crush“. Darüber können Nutzer aus dem Rhein-Main-Gebiet mit einem Klick Gruppentreffs in einem Frankfurter Restaurant ausmachen. Von Janine Drusche

Menschen aus der Umgebung kennenzulernen, geht heute am Leichtesten über das Internet. Plattformen wie Tinder, Parship oder Lovoo ermöglichen es, Bekanntschaften zu machen, ohne das Haus zu verlassen. „Aber diese Apps haben viele Haken“, sagt Lukas Reinhardt. Selbst frustriert davon, wie selten es dabei zu einem echten Treffen kommt, tut sich Reinhardt mit Joao Feirreira aus Frankfurt und Kai Burghardt aus Bad Homburg zusammen. Gemeinsam kreieren sie die kostenlose App „Go Crush“, bei der die Nutzer Vierer- oder Sechsertische eröffnen, bei denen sich weitere Personen digital dazu setzen können. „Ist ein Tisch voll, wird automatisch eine Reservierung für eins der 20 Frankfurter Partner-Restaurants gebucht. Die Teilnehmer haben innerhalb von zehn Tagen ein Date.“

Man trifft sich verbindlich 

Was Lukas Reinhardt und seinen Partnern an bisherigen Vermittlungs-Apps stinkt, ist die Ungewissheit, wer hinter dem Profil steckt oder, ob es überhaupt je zu einem Treffen kommt. „Dann verschwendet man Zeit mit Chatten und meistens sieht man sich nie, weil es im Sande verläuft“, sagt Reinhardt: „Oder man schreibt ewig, um bei einem sehr viel späteren Treffen zu merken, dass man sich nicht mag.“ Das wollen die Unternehmer ändern: Mit „Go Crush“ soll sich die Chance erhöhen, Menschen aus der Umgebung zu treffen.

„Ganz neu haben wir eingeführt, dass die Nutzer ihren Tischen einen Titel geben können, sodass die anderen wissen, um was es bei dem künftigen Treffen geht“, freut sich Reinhardt.

Wer nicht auftaucht, kassiert eine gelbe Karte

Bisher sind Männer und Frauen immer in ausgeglichener Anzahl dabei: „Es geht uns hier nicht vorrangig um den Dating-Charakter, sondern darum, dass sich Leute in ungezwungener Atmosphäre unter mehreren kennenlernen können. Aber wenn sich so auch Paare zusammenfinden, ist das doch toll.“ In Zukunft soll es auch reine Männer- und Frauentische geben.

Wer sich beim Treffen nicht getraut hat, nach einer Nummer zu fragen, kann über das Profil, das Foto, Beruf, Namen und drei Stichworte zum Nutzer beinhaltet, auch eine Kontaktmöglichkeit erhalten. Außerdem kann jeder Teilnehmer das Gruppentreffen mit einem Smiley bewerten. Wer ohne Grund nicht auftaucht, bekommt eine gelbe Karte. Beim zweiten Mal wird er einen Monat lang für die App gesperrt. „Es gibt keine Option zum Absagen, denn wir wollen das etwas verbindlicher machen. Drei Termine für das Essen werden vorgegeben. Man kann zwischen 19, 20 und 21 Uhr wählen“, sagt der 24-Jährige.

Täglich bis zu 250 Mitglieder aktiv

Und das Konzept scheint aufzugehen: Im April kommt der erste Prototyp von „Go Crush“ in Frankfurt – der Hauptstadt der Singles – raus, im Mai veröffentlichen die Unternehmer ihre App auf Facebook, haben direkt 200 Nutzer. „Mittlerweile sind es insgesamt 1400 in Frankfurt. Seit zwei Wochen ist auch Darmstadt dabei. Dort haben wir jetzt sieben Restaurants und 130 Nutzer“, jubelt Reinhardt. Derzeit finden pro Woche vier bis sieben „Go Crush“-Treffen in Frankfurt statt. Durch die Provision der Restaurants wird die App mitfinanziert.

„Es geht gut los und es passiert viel, sagt der Kronberger im Restaurant Sen, in dem sich am Nebentisch gerade die ersten eines Sechsertisches zusammenfinden. „Täglich nutzen rund 250 Leute die App, im Schnitt verbringen sie zwölf Minuten am Tag dort.“ So auch Erik und Fabio aus Frankfurt, die sich gerade gesetzt haben. Beide haben keine großen Erwartungen, sind für alles offen an diesem Abend, wie sie sagen. „Vielleicht ist ja jemand Nettes dabei“, hofft Erik.

Damit das Start-up weiterhin auf Erfolgskurs fährt und Menschen zusammenbringt, sollen die Treffen in zwei Wochen auch bei Konzerten oder Escape-Rooms stattfinden. Dann wollen die Jungs ganz Rhein-Main vernetzen.

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Immer mehr Leute lernen sich über das Internet kennen: Über Plattformen wie Facebook, Chat-Gemeinden oder Vermittlungs-Portale wie Parship, über Flirt-Apps auf dem Smartphone oder sogar die gute alte Kontaktanzeige. Jeder, der mitmacht, weiß: Hier sind die anderen auch auf der Suche nach neuen Kontakten oder der Liebe ihres Lebens. Aber wo bleibt bei dieser Einfachheit die menschliche Nähe? Und verlernen wir nicht, selbst soziale Kontakte zu knüpfen, aus uns herauszugehen und Personen im unmittelbaren Umfeld anzusprechen? Sportkurse, Theater, die Kneipe um die Ecke: Früher konnte man auch dort Menschen kennenlernen. Oder hat uns das Internet jegliche Eigenständigkeit bei der Gesellschaftsbildung genommen und das reale Miteinander schon zerstört? Die EXTRA TIPP-Redaktion interessiert sich für Ihre Meinung: 

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