Ein Fall für die Psychatrie?

Gießen: Mann macht Menschen-Experimente - Details schockieren

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Besonders entsetzen die Details der grausamen Experimente des IT-Fachmanns.

Ein 30-Jähriger leitete übers Internet über 100 junge Frauen zu einem abartigen Experiment an. Damen aus Gießen und Fürstenfeldbruck klagen nun gegen den falschen Wissenschaftler.

Gießen - Kleinen Kindern lehrt man schon früh auf, auf keinen Fall in die Steckdose zu fassen. Schließlich können die 230 Volt aus dem deutschen Stromnetz tödlich sein. Eben diese allseits bekannte Gefahr soll ein Mann diversen Frauen, unter anderem aus Gießen verkauft haben. Als Forschungsexperiment an einer Universität. 

Vor eineinhalb Jahren wurden die Behörden auf den Fake-Wissenschaftler aufmerksam. Damals wurde eine 16-jährige Schülerin auf ein kurioses Angebot hin, stutzig. Das Mädchen aus Fürstenfeldbruck bei München suchte im Internet nach einem Nebenjob. Darauf soll sich ein 30-Jähriger bei der Schülerin gemeldet haben, wie auch bei einer Dame aus Gießen. Er behauptete demnach, an einer nahegelegenen Universität zu forschen. Auch eine Bezahlung soll der Mann der 16-Jährigen in Aussicht, wenn sie an dem Forschungsexperiment mit Strom teilnehmen würde. 

Frau aus Gießen klagt gegen vermeintlich falschen Wissenschaftler

Die Teenagerin war bei weitem nicht die einzige, die der Mann für das dubiose Projekt gewinnen wollte. Etwa 120 weitere Frauen u.a. aus Gießen, die online einen Job suchten, soll der mutmaßliche Täter angeschrieben haben. „Der Mann hat gezielt nach jungen Damen gesucht“, sagte Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. 

Nachdem der Mann das Interesse der jungen Frauen geweckt habe, wies er sie übers Internet dazu an, sich eine Apparatur zu bauen. Damit sollten sich die Teilnehmerinnen, die teilweise aus Gießen und Bayern kamen, dann selbst Stromstöße versetzen. Einige der Frauen merkten vermutlich, dass es sich nicht um ein seriöses Forschungsprojekt handele. „Manche haben sich sicher aus Schamgründen nicht getraut“, so der Polizeisprecher. 

Gießen: Mann führt Experimente an jungen Frauen durch

Nach der Teilnahme an dem lebensgefährlichen Experiment erstattete die 16-Jährige aus Bayern, wie später auch eine Gießenerin, Anzeige. Erst aufgrund ihres Hinweises konnte die Kripo Fürstenfeldbruck mit den Ermittlungen beginnen. Kurz darauf fand die Polizei den falschen Arzt, als er gerade Kontakt zu einem weiteren Opfer suchte. Im Februar 2018 nahmen die Beamten den damals 28-jährigen Tatverdächtigen in seinem Wohnort in Würzburg fest. 

Daraufhin erließ die Staatsanwaltschaft München einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen den verdächtigen IT-Fachmann, wie die Welt berichtet. Nun befindet sich der Mann in Untersuchungshaft. Er soll ein Teilgeständnis abgelegt haben. Zur Verhaftung trugen die Frauen aus Fürstenfeldbruck und Gießen maßgeblich bei.

Auch Frau aus Gießen fällt "Experiment" zum Opfer

Besonders entsetzen die Details der grausamen Experimente des IT-Fachmanns. Bei der Auswertung der sichergestellten Datenträger fanden die Ermittler über 200 Videoaufzeichnungen, die der Festgenommene von seinen Teilnehmerinnen, nicht nur aus Bayern und Gießen, aufgenommen hatte. Im vergangenen Jahr versuchte man die geschädigten Frauen in den Videos zu identifizieren. 

Zu einem späteren Zeitpunkt schloss sich noch eine weitere Frau aus Gießen der Schülerin aus Fürstenfeldbruck an. Die Frau möchte laut ihrem Anwalt an der Aufklärung der taten mithelfen. Die Gießenerin ist eine der wenigen, die sich traute gegen den 30-Jährigen auszusagen. Als Nebenklägerin steht der Frau aus Gießen, anders als einer Zeugin, das Recht zu über ihren Anwalt Akten einzusehen, wie die Gießener Allgemeine schreibt.

Nun soll in dem Gerichtsprozess mit den Frauen aus Gießen und Bayern geklärt werden, ob der 30-Jährige zur Tatzeit vermindert schuldfähig war. Zudem entscheidet der Prozess, ob der IT-Fachmann bei einer Verurteilung in ein reguläres Gefängnis oder in einer psychiatrischen Einrichtung muss. 

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