So gefährlich ist Streusalz für Tiere, Pflanzen und Autos

Derzeit ein vertrautes Bild: Eine Maschine streut auf dem Bürgersteig Salz. Foto: Buurserstraat38/ Panthermedia.com

Wenn das Thermometer unter null Grad anzeigt, wird fleißig gestreut. Egal ob große Straßen oder Bürgersteige: Überall rieselt das Salz. Doch für Tiere, Pflanzen und Autos ist das nicht ungefährlich. Von Oliver Haas

Region Rhein–Main – Die Auswirkungen von Streusalz sind vielfältig. Bernd Langenhorst, Sprecher des Naturschutzbundes Hessen (Nabu), erklärt: „Das Salz gelangt über den Boden in die Pflanzen und verändert deren Nährstoffhaushalt. Die Folgen zeigen sich oft erst im Frühjahr und Sommer, wenn salzgeschädigte Bäume am Straßenrand trotz ausreichender Niederschläge allmählich vertrocknen.“ Der Nabu rät Privathaushalten deshalb, salzfreie Streumittel wie Granulate, Split, Sand oder Kies zu verwenden. Im Handel gebe es zudem vom Umweltbundesamt (UBA) getestete Produkte, die ökologisch unbedenklich sind. Zu erkennen sind sie am Umweltzeichen „Blauer Engel – weil salzfrei“.

Aber nicht nur Pflanzen leiden unter dem Salz. Vor allem Tiere, wie etwa Hunde, sind die Leidtragenden. Der Frankfurter Tierarzt Dr. Leandro Lizcano sagt warum: „Beim Gassi-Gehen steht der Hund mit seinen Pfoten oft in hoch konzentrierter Salzlauge. Diese dringt auch in die Zwischenräume der Pfotenzehen ein. Die Hornhaut am Zehenballen kann dann durch Rollsplitt oder Eisklumpen aufgerissen werden, mit der Folge von kleinen Wunden und Entzündungen.“ Durch regelmäßige Spaziergänge werde eine Heilung erschwert. „Dies kann sehr schmerzhaft für den Hund sein“, warnt Lizcano. Auch die warmen Wohnungen sind ein Problem: „Das Salz an der Haut trocknet, entzieht ihr Feuchtigkeit und führt zu Juckreiz. Der Hund leckt und knabbert an den Pfoten. Die Haut ist gerötet, spröde und brennt“, sagt Lizcano. „Manche Tiere erleiden stumm die Schmerzen, andere verweigern jeden Schritt und legen sich hin, weil sie auf den wunden Pfoten nicht stehen können.“ Daher empfiehlt der Veterinär, regelmäßig die Pfoten auf Verletzungen und Reizungen zu untersuchen. „Außerdem sollten die Pfoten vor der Tour mit Melkfett eingerieben und gut abgetupft werden. Bei sehr empfindlichen oder schon gereizten Pfoten sollten Hundeschuhe verwendet werden. Diese sollten beschichtet, wasserfest sein und eine rutschfeste Sohle haben, vor allem aber auch gut passen.“ Auch Autofahrer kann der Wintersalzeinsatz teuer zu stehen kommen. Waschstraßenbetreiber Frank Büttner aus Dietzenbach warnt: „Die Salzgemischsubstanz von heute ist eine völlig andere als früher.“ Die Straßenmeistereien mischen dem Streusalz seit einigen Jahren Bindemittel bei. Dadurch haftet das Auftaumittel besser auf dem Fahrbahnbelag. Auf der einen Seite sei das eine gute Sache, da die Straßen so deutlich schneller eisfrei werden und auch nicht so schnell nachgestreut werden muss. Auf der anderen Seite lagern sich die Substanzen aber am Unterboden, an den unteren Bereichen der Fahrzeugseitenflächen und im Heckbereich ab und trocknen an. „Wenn das immer wieder geschieht, schichtet sich das Salz-Schmutz-Gemisch auf. Ich rate deshalb dazu, das Auto mindestens einmal pro Woche waschen zu lassen“, sagt Büttner. Durch den Salzdreck am Auto würde das Fahrzeug im Verkehr außerdem ein paar Sekunden später erkannt, was ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte.

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