Drama am FKK-Bereich

Frau geht im Rodgausee unter - bleibt ihr Schicksal für immer ungeklärt?

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Das Strandbad in Nieder-Roden: Im FKK-Bereich wurde die Vermisste am 3. August 2017 zuletzt gesehen.

Mitte Juni will das Strandbad Rodgau endlich öffnen. Ein mulmiges Gefühl aber bleibt: Denn von der Schwimmerin, die seit August 2017 als vermisst gilt, fehlt bis heute jede Spur. 

Rodgau – Die letzten Lebenszeichen sind ein paar Kleidungsstücke und eine Saisonkarte. Der Bademeister des Strandbads Rodgau entdeckt die Sachen am Abend des 3. August 2017 am Strand des FKK-Bereichs. Sie gehören einer 64-Jährigen aus Rodgau. Doch von der Frau fehlt auch heute, zehn Monate später, jede Spur. Alles spricht dafür, dass die Frau, die als geübte Schwimmerin galt, im Rodgausee ertrunken ist. Doch trotz groß angelegter Suche mit Hubschraubern, Tauchern und Spürhunden wurde die Leiche bis heute nicht gefunden. „Für die Mitarbeiter und unsere Badegäste ist das natürlich keine leichte Situation“, sagt Thomas Dursun, der bei der Stadt Rodgau für das Strandbad verantwortlich ist.

Gerüchteküche brodelt: Wo ist die vermisste Schwimmerin?

Auch wenn die Leiche der Frau möglicherweise noch am Grund des bis zu 35 Meter tiefen Kiessees liegt: Voraussichtlich Mitte Juni, wenn die Renovierungsarbeiten nach dem Brand abgeschlossen sind, will das Bad eröffnen. „Wir können den See nicht geschlossen lassen, bis die Leiche gefunden ist“, sagt Sabine Hooke, Sprecherin der Stadt Rodgau. Direkt nach dem Verschwinden hatten die Verantwortlichen den Badebetrieb zunächst eingestellt – vor allem aus Respekt vor den Gefühlen der Angehörigen. Weil viele Besucher sich beschwert hatten, wurde das Bad schließlich nach sechs Tagen wieder geöffnet. „Es ist und bleibt eine Gratwanderung“, sagt Sabine Hooke. Dass einige Badegäste mit mulmigem Gefühl schwimmen gehen, kann die Sprecherin verstehen. „Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er ins Wasser geht oder nicht.“ So lange es keine Gewissheit gibt, kocht auch die Gerüchteküche weiter. So wurde im Ort erzählt, die Vermisste sei beim Einkaufen gesehen gesehen worden. Oder es hieß, sie sei in Indien aufgetaucht.

Suizid und freiwilliges Verschwinden werden ausgeschlossen

Alles Unsinn, sagt die Polizei. „Die Ermittlungen im privaten Umfeld der Vermissten haben keine Hinweise darauf ergeben, dass die Frau freiwillig verschwunden ist. Auch für einen geplanten Suizid gab es keine Anhaltspunkte“, sagt Andrea Ackermann, Sprecherin des Polizeipräsidiums Südosthessen. Die Suche sei eingestellt, bis es neue Hinweise gibt.

"Ich gehe davon aus, dass in unseren Badeseen viele Fettwachsleichen liegen."

Doch ist es überhaupt möglich, dass die Wasserleiche seit zehn Monaten am Grund des Sees liegt? „Es gibt bestimmte Konstellationen, in denen eine Leiche erst sehr spät oder gar nicht auftaucht“, sagt Marcel A. Verhoff, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin in Frankfurt. Normalerweise sorgen Fäulnisgase dafür, dass die Leiche nach oben getrieben wird. In großer Tiefe, wo das Wasser sehr kalt ist, könne dieser Prozess allerdings verzögert werden. „Liegt die Leiche wirklich in einer Tiefe von 30 Metern, herrscht dort möglicherweise eine Temperatur von etwa vier Grad. Dadurch kann es sein, dass der Fäulnisprozess sehr verlangsamt wurde“, sagt Verhoff. Dass Raubfische den Körper der Frau angefressen und skelettiert haben, hält der renommierte Rechtsmediziner für unwahrscheinlich. Er vermutet, dass die Umwandlung des Körpers in eine Fettwachsleiche begonnen hat. „Das Körperfett verflüssigt sich und durchdringt das andere Gewebe, dann verestern die Fettsäuren. Dadurch entsteht eine wachsartige Masse, die sehr stabil, hart und kompakt ist und die Leiche quasi konserviert.“ Sollte der Körper der Schwimmerin in diesem Sommer nicht auftauchen, werde er wohl für immer in den Tiefen des Sees liegen bleiben, sagt Verhoff. Eine gruselige Vorstellung, mit der nach Ansicht des Rechtsmediziner nicht nur die Besucher des Strandbads Rodgau leben müssen: „Ich gehe davon aus, dass in unseren Badeseen viele Fettwachsleichen liegen.“

Kristina Bräutigam

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