Schon 100.000 Euro wegen Verspätungen erstattet

Ihre App lässt RMV-Kunden jubeln 

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Michael Zierlein (rechts) und Sebastian Hennig haben die App entwickelt und stehen jetzt in Gesprächen mit dem Rhein-Main Verkehrsverbund. 

Wer wegen Verspätungen mehr als zehn Minuten auf die Öffentlichen wartet, erhält einen Teil des Fahrpreises erstattet. Aber erst nach einem aufwendigen Antragsverfahren. Zwei Tüftler aus Frankfurt haben deshalb eine App entwickelt, die mittlerweile durch die Decke geht.

Region Rhein-Main – Wer in Rhein-Main die Öffentlichen nutzt, ist Warten gewohnt. Vor über einem Jahr hat der Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV) deshalb die 10-Minuten-Garantie eingeführt. Wer wegen Verspätung länger warten muss, bekommt einen Teil der Fahrtkosten erstattet. Hört sich gut an, ist in der Praxis aber ein ziemlich umständliches Online-Antragsverfahren. So umständlich, dass offenbar viele Fahrgäste sich gar nicht erst um eine Rückerstattung kümmerten. Böse Zungen hatten dem RMV deshalb unterstellt, dass er das Verfahren absichtlich kompliziert gestaltet hat, um möglichst wenig auszahlen zu müssen.

Doch was auch immer der Beweggrund war: Zwei Tüftler aus Frankfurt haben jetzt das Feld aufgemischt– mit einer kostenlosen App mit dem Namen „Late Back“.

Dieses kleine Mini-Programm vereinfacht und automatisiert das RMV-Antragsverfahren, sodass der Fahrgast am Ende nur ein paar Klicks machen muss, um im Falle einer Verspätung an seine Fahrpreis-Erstattung zu kommen. Seit Ende 2018 steht die App kostenlos zum Download im Playstore oder in Apples App-Store bereit – und bricht seitdem Rekorde. Mittlerweile nutzen schon mehr als 10.000 RMV-Kunden die Late-Back-App. Die 15.000 sind in Sicht. Allein bis zu 1000 Anträge bekommt der RMV auf diese Weise geschickt – pro Werktag!

Die Bedienung der App ist kinderleicht. Wer auf dem Bahnsteig steht und von einer Verspätung betroffen ist, wählt einfach in der App die betroffene Verbindung aus. Diese reicht den Antrag dann automatisch beim RMV ein. Wurde der Antrag dort bearbeitet, meldet sich die App und man kann sich seine Erstattung am nächsten Ticketschalter abholen.

Michael Zierlein und sein Kompagnon Sebastian Hennig, der für die App-Entwicklung zuständig ist, sind über das rasante Wachstum stolz. „Offenbar haben wir da einen Nerv getroffen“, sagt Zierlein. „Insgesamt haben unsere Nutzer schon 100.000 Euro vom RMV zurückerhalten. Und die Nutzerzahlen wachsen immer weiter in einer unglaublichen Geschwindigkeit.“

Zierlein ist sicher: „Gegen Ende des Jahres werden 50 Prozent aller Erstattungsanträge über unsere App laufen.“

Doch trotz des raketengleichen App-Starts ist das Startup von Zierlein und Hennig bisher alles andere als rentabel. „Die App ist komplett kostenlos“, sagt Zierlein. „Und das soll auch so bleiben.“ Stattdessen stehen die beiden in Gesprächen mit dem RMV. „Wir würden gerne mit den Verbünden direkt zusammenarbeiten und kooperieren. Und wenn man das Ganze dann nochmal weiterdenkt, ließe sich unsere App auch deutschlandweit einsetzen.“

RMV-Pressesprecherin Vanessa Rehermann bestätigt unterdessen das Interesse des Verkehrsverbunds an „Late Back“. Man stehe in ergebnisoffenen Verhandlungen mit den Gründern.

Von Christian Reinartz

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