Theologie-Professor Medard Kehl im Interview

„Die Auferstehung ist für den Glauben eine Zumutung“

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Die Grabeskirche in Jerusalem

Region Rhein-Main - Ostern ist vertraut und dennoch irgendwie fremd. Denn anders als die Weihnachtsgeschichte ist die Auferstehung nur schwer zu begreifen. Der EXTRA TIPP hat deshalb mit Professor Medard Kehl von der Frankfurter Hochschule Sankt Georgen gesprochen. Von Christian Reinartz 

Pater Professor Medard Kehl ist Auferstehungs-Experte.

Im Interview erklärt er das Geheimnis von Ostern.
Die Frage, die alle beschäftigt: Wie muss man sich so eine Auferstehung vorstellen? Ist Jesus wirklich lebendig aus dem Grab marschiert?
Wir wissen es einfach nicht. Darüber wird in den Texten nichts berichtet. Das Grab wird leer vorgefunden und Jesus später erkannt. Das sind alle Informationen, die wir haben. Dennoch sollte man sich dabei keine Wiederbelebung eines Leichnams vorstellen, der plötzlich wieder zum Leben erwacht. Es geht bei der Auferstehung von Jesus um eine Verwandlung.
Eine Verwandlung in was?
Jesus zeigt sich in einer anderen Gestalt lebendig. Zum Beispiel als Wanderprediger. Dieser trägt zwar die Wundmale von Jesus, aber irgendwie ist er ganz verändert. Erst als er das Brot bricht und den Menschen so ein Zeichen gibt, erkennen sie den auferstandenen Jesus.

Und die Theorie vom wieder lebenden Toten ist hinfällig?

Unter seriösen Theologen gibt es diese Ansicht kaum noch. Und letztendlich ist es ja auch egal. Für mich bedeutet es zum Beispiel gar nichts, ob das Grab leer war oder nicht. Selbst wenn der tote Körper von Jesus noch darin gelegen haben sollte, sein Geist, sein Wesen, seine Person ist von Gott mit Leib und Seele auferweckt und hat sich mit anderem Gesicht den Menschen gezeigt.

Ist doch aber ganz schön schwer zu glauben...

Und wie. Es ist eine echte Zumutung! Sogar für mich als Jesuitenpater ist es manchmal schwer zu glauben. Aber es gibt eben auch gute Hinweise, die zeigen, dass Glaube berechtigt ist. Für mich ist es zum Beispiel die Tatsache, dass dieser auferstandene Jesus es schafft, die am Boden zerstörten Jünger umzudrehen und ihnen wieder Mut zu geben. Die sind wirklich überzeugt, dass er auferstanden ist. Und ich halte diese Zeugen für glaubwürdig, denn diese Leute haben ihr ganzes Leben dafür hingegeben.

Warum ist es denn überhaupt so wichtig, dass Jesus erst stirbt? Er hätte doch der Welt auch anders zeigen können, dass er quasi ein Superheld ist.

Ich erkläre es mir so: Wenn er wirklich die menschliche Gestalt Gottes ist, zeigt Gott uns so, dass er alle unsere Höhen und Tiefen bereit ist zu teilen. Dass alles dazu gehört. Und eben auch das Leid, das Scheitern, der Verrat und auch der Tod. Dass Jesus das durchleidet, ist für mich das größte Zeichen der Solidarität von Gott mit den Menschen. Dadurch wurde sichtbar, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Die Auferstehung ist kein privates Privileg von Jesus. Ostern zeigt uns, dass nach dem Tod nicht alles zu Ende ist.

Das hilft einem aber nur bedingt, wenn man gerade einen Schicksalsschlag verkraften muss.

Ich kenne Leute, die erst durch solche Erfahrungen auf diese Sichtweise gestoßen werden. Dass es einen Sinn gibt hinter dem Ganzen. Aber ich bin auch ganz ehrlich: So manche Ereignisse im Leben lassen einen auch den Glauben verlieren. Als Theologe versuche ich deshalb zu zeigen und vorzuleben, dass es zumindest nicht unvernünftig ist zu glauben. Und Ostern mit der Auferstehung steht bei der Glaubensfrage immer im Mittelpunkt.

Aber warum kennt dann keiner Osterlieder, während jeder gleich eine Handvoll Weihnachtslieder singen kann?

Das Osterfest ist viel älter und theologisch viel entscheidender, aber auch komplexer als Weihnachten. Weihnachten ist ein Familienfest, wenn man so will sogar ein Volksfest geworden. Jeder singt Weihnachtslieder, auch außerhalb der Kirche. Wir sind da quasi ein bisschen enteignet worden. Es gibt sie jedoch, die Osterlieder, aber sie sind eben keine melodischen Ohrwürmer.

Pence besucht Klagemauer in Jerusalem

US-Vizepräsident Mike Pence besucht zum Abschluss seines Israels-Besuchs die Klagemauer in Jerusalem. Foto: Ilia Yefimovich
US-Vizepräsident Mike Pence besucht zum Abschluss seines Israels-Besuchs die Klagemauer in Jerusalem. Foto: Ilia Yefimovich © Ilia Yefimovich
US-Vizepräsident Pence trägt sich an der Klagemauer in Jerusalem ins Gästebuch ein. Foto: Ilia Yefimovich
US-Vizepräsident Pence trägt sich an der Klagemauer in Jerusalem ins Gästebuch ein. Foto: Ilia Yefimovich © Ilia Yefimovich
US-Vizepräsident Mike Pence trifft Israels Staatspäsident Reuven Rivlin in dessen Residenz in Jerusalem. Foto: Ronen Zvulun
US-Vizepräsident Mike Pence trifft Israels Staatspäsident Reuven Rivlin in dessen Residenz in Jerusalem. Foto: Ronen Zvulun © Ronen Zvulun
Zwei Männer wärmen sich an einem Feuer in der sonst leeren Straße eines Marktes in Nablus. Mit einem landesweiten Streik protestieren Palästinenser gegen den Besuch von US-Vizepräsident Pence in Jerusalem. Foto: Ayman Nobani
Zwei Männer wärmen sich an einem Feuer in der sonst leeren Straße eines Marktes in Nablus. Mit einem landesweiten Streik protestieren Palästinenser gegen den Besuch von US-Vizepräsident Pence in Jerusalem. Foto: Ayman Nobani © Ayman Nobani
Mike Pence wurde von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in seiner Residenz in Jerusalem empfangen. Foto: Ilia Yefimovich
Mike Pence wurde von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in seiner Residenz in Jerusalem empfangen. Foto: Ilia Yefimovich © Ilia Yefimovich
US-Vizepräsident Mike Pence (M), seine Frau Karen (2.v.l) besuchen gemeinsam mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara die Halle der Namen in der Yad Vashem Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem. Foto: Ronen Zvulun
US-Vizepräsident Mike Pence (M), seine Frau Karen (2.v.l) besuchen gemeinsam mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara die Halle der Namen in der Yad Vashem Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem. Foto: Ronen Zvulun © Ronen Zvulun
US-Vizepräsident Mike Pence spricht im israelischen Parlament in Jerusalem. Foto: Ariel Schalit
US-Vizepräsident Mike Pence spricht im israelischen Parlament in Jerusalem. Foto: Ariel Schalit © Ariel Schalit

Was hat es theologisch eigentlich mit dem Ostermontag auf sich?

Den gibt es als Feiertag nur im deutschsprachigen Raum. Den haben wir einfach so als zusätzlichen freien Tag geschenkt bekommen. Eine besondere Bedeutung hat er nicht. Ganz im Gegensatz zum Karsamstag, dem Tag der Grabesruhe Jesu, an dem auch tagsüber nirgendwo Gottesdienste gefeiert werden. Der Karsamstag hängt irgendwie immer dazwischen, und nur die wenigsten wissen damit etwas anzufangen.

Im Gegensatz zu Eiern und Osterhasen. Kann damit denn ein Theologie-Professor etwas anfangen?

Das sehe ich ganz entspannt. Die Kirche war schon immer gut, heidnische Bräuche zu übernehmen. Und manchmal passiert so etwas ja auch rückwärts. Gerade kann man das schön am Beispiel Allerheiligen sehen, das sich in der Gesellschaft immer mehr zurück zum heidnischen Halloween entwickelt. Ich selbst finde diesen Brauch mit Hase und Eiersuche einfach schön und habe diesen auch mit meinen Messdienern nach dem Ostergottesdienst immer gepflegt. Da ist nichts Schlechtes dran.

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