Erstsemester ziehen an Stadtrand, nach Offenbach und in den Taunus

Frankfurter Mieten vertreiben Studenten

+
Gregor Heisterkamp hält nichts vom Umbau des Philosophicums zu wenigen Studentenbuden und vielen teuren Appartements. 

Frankfurt – Für Frankfurt als Studentenstadt geht es bergab. Weil die Mieten in der Innenstadt so ansteigen, zieht es Studierende aus der Innenstadt weg: An den Stadtrand, nach Offenbach und zum Taunus. Von Janine Drusche

Lesen Sie dazu auch:
Eigene Wohnung: So organisiert man den Umzug

WGs mit Senioren und Studenten

„Viele Studenten ziehen nach Höchst, raus aus der Stadt, in die Peripherie, weil sie sich die Mieten in der Innenstadt nicht leisten können“, sagt Gregor Heisterkamp, stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschuss’ (Asta) Frankfurt. Viele aus der Region blieben auch in der Umgebung bei ihren Eltern wohnen und pendeln bis zu eineinhalb Stunden pro Strecke. „Oder sie ziehen nach Offenbach. Das ist im studentischen Milieu ja schon ein Stadtteil von Frankfurt geworden“, sagt Heisterkamp. Richtig studieren im klassischen Sinne könnten Studenten so nicht, denn sie bekommen kaum etwas vom kulturellen Campus-Leben mit.

Zentral wohnen mit Kulturleben und Möglichkeiten zum Ausgehen, das wünschen sich die meisten Studenten in Frankfurt. Aber die Möglichkeiten sind extrem begrenzt. Der angespannte Wohnungsmarkt in Frankfurt wirkt sich auf die Mieten aus. Nach einer Studie des Moses Mendelssohn Instituts mit dem Internetportal WG-gesucht zahlen Studenten in der Stadt durchschnittlich 460 Euro im Monat für ein WG-Zimmer. 

Fotos: Campus inklusive Wohnungsnot wächst

Nur München ist deutschlandweit teurer. „Vor ein paar Jahren lag der Durchschnittspreis an Miete für einen Studenten bei etwa 330 bis 340 Euro, dieser ist schnell sehr stark angestiegen“, sagt der stellvertretende Asta-Vorsitzende. Trotzdem kommen nicht weniger Studenten nach Frankfurt: „Wir haben einen neuen Studentenrekord von rund 47.000 Studierenden, was wohl konstant so bleiben wird, aber die Mieten steigen sicherlich weiter“, sagt Heisterkamp. Dabei spiele auch der Brexit eine Rolle.

Lange Warteliste für Wohnheim-Plätze 

„Derzeit stehen 2800 Studenten auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz“, sagt der Student, der in Höchst wohnt. Das seien so viele Wartende wie nie, trotz 27 Wohnheimen in Frankfurt mit drei- bis viertausend Plätzen. Wer neu nach Frankfurt kommt, habe kaum Chancen, bezahlbaren Wohnraum in der Innenstadt zu finden. Weil zu Beginn des Studiums so viele Erstsemester keine Bleibe haben, bietet der Asta die Möglichkeit, übergangsweise für eine Woche im Studierendenhaus unterzukommen. 

Für Studenten: Luxus-Appartementhäuser boomen

„Es waren gerade 30 bis 40 Leute bei uns“, sagt Heisterkamp, der wie viele Studenten Hoffnung in den Umbau des Bockenheimer Philosophicums zu „The Flag“ gelegt hat. 2014 hatte Privat-Investor Rudolf Muhr von Mieten bis 500 Euro gesprochen. Heisterkamp: „Ein paar Zimmer kosten rund 350 Euro, der Großteil aber wird teuer sein: 670 Euro für ein 26-Quadratmeter-Zimmer.“ Die meisten Studenten könnten sich das nicht leisten. „Es gibt zu viele Privatinvestoren, die auf Profit aus sind“, sagt Heisterkamp. 

Regelstudienzeit einzuhalten wird schwer

„Wenn die Mieten weiter steigen, müssen Studenten nebenher mehr arbeiten und können nur schwer die Regelstudienzeit einhalten“. Felix Wiegand, Mitglied der Kampagne „Eine Stadt für alle – Wem gehört die AGB?“, sieht schwarz für die Zukunft Frankfurts als Unistadt: „Studenten mit niedrigem Einkommen wohnen oft außerhalb, weit über den Taunus hinaus. 

Fotos: Mikro-Wohnungen auf der Offenbacher Hafeninsel

Sie müssen lange Wege pendeln.“ Die Mieten in „The Flag“ könnten am Ende nur wohlhabende Studierende und Berufspendler zahlen: „Das ist eine verschenkte Möglichkeit, günstigen Wohnraum zu schaffen. Aber das war wohl politisch und aus Profitgründen so gewollt.“

Das könnte Sie auch interessieren: BFH urteilt: Kosten für Studium trotz Stipendium absetzbar?

Diese 5 Studenten-Wohnheime kann sich nicht jeder leisten

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare