Jörn Theissig läuft in 19 Tagen 640 Kilometer auf dem Eis

Extremsport: Frankfurter überquert gefrorenen Baikalsee

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Jörn Theissig (rechts) mit Wolfgang Kulow und Einheimischen.

Region Rhein-Main – 2016 hat er den Yukon-Arctic-Ultra-Marathon bewältigt. Jetzt hat der Frankfurter Extremsportler Jörn Theissig ein weiteres Abenteuer erlebt: Er ist über den Baikalsee im eisigen Sibirien gewandert, um Kindern in Nepal zu sauberem Trinkwasser zu verhelfen. Von Janine Drusche

Er muss immer an seine Grenzen gehen: Kriminal-Beamter Jörn Theissig aus Sachsenhausen liebt den Extremsport. Vergangenes Jahr schaffte er im dritten Anlauf fast 500 Kilometer durch die kanadische Eiswüste in sieben Tagen – und das bei bis zu minus 30 Grad. Doch nicht nur sportlich hat der 45-Jährige sich mit dem Yukon-Arctic-Ultra-Marathon einen Traum erfüllt. Mit seinem Lauf hat er mehr als 70.000 Euro Spendengeld für die psychologische Betreuung von Krebspatienten an der Uniklinik gesammelt.

Im Februar hat der Sportler nun ein neues Projekt gestartet: Innerhalb von 19 Tagen hat er mit seinem 67-jährigen Freund Wolfgang Kulow den sibirischen, zugefrorenen Baikalsee zu Fuß und auf Kufen überquert. Der 1640 Meter tiefe und damit tiefste Süßwassersee der Welt ist rund 25 Millionen Jahre alt und somit der älteste See der Erde. „Er gilt als das weltgrößte Trinkwasserreservoir. Wir haben uns gedacht, es passt, mit unserem Weg auf die Trinkwasserknappheit in Entwicklungsländern aufmerksam zu machen“, sagt Jörn Theissig.

Auf zum Nordpol - Reisen mit dem Atomeisbrecher

Endlich am Ziel: Mit dem Erreichen des Nordpols erfüllen sich die Touristen einen Traum - für den Eisbrecher ist es ein weiterer Sieg gegen die Natur. Foto: Ulf Mauder
Endlich am Ziel: Mit dem Erreichen des Nordpols erfüllen sich die Touristen einen Traum - für den Eisbrecher ist es ein weiterer Sieg gegen die Natur. © Ulf Mauder
Der Eisbrecher "50 Let Pobedy" hat sich am Nordpol in seine Parklücke geschoben. Die zwei Anker wiegen jeweils acht Tonnen. Foto: Ulf mauder
Der Eisbrecher "50 Let Pobedy" hat sich am Nordpol in seine Parklücke geschoben. Die zwei Anker wiegen jeweils acht Tonnen. © Ulf Mauder
Die tschechische Familie Patera (l-r: Frantisek Patera, seine Frau Irena und ihr Sohn Tomas) freut sich an Deck des Eisbrechers über das ersteigerte Originalkunstwerk der Seekarte von der Reise zum Nordpol. Foto: Ulf Mauder
Die tschechische Familie Patera (l-r: Frantisek Patera, seine Frau Irena und ihr Sohn Tomas) freut sich an Deck des Eisbrechers über das ersteigerte Originalkunstwerk der Seekarte von der Reise zum Nordpol. © Ulf Mauder
Zu den größten Abenteuern und Mutproben der Nordpolreise gehört ein Bad im eiskalten Arktischen Ozean. Foto: Ulf Mauder
Zu den größten Abenteuern und Mutproben der Nordpolreise gehört ein Bad im eiskalten Arktischen Ozean. © Ulf Mauder
Der Eisbrecher bahnt sich seinen Weg durch die arktische See. Wenn das Eis zwei oder drei Meter dick ist, kommt das Schiff nur noch langsam voran. Foto: Ulf Mauder
Der Eisbrecher bahnt sich seinen Weg durch die arktische See. Wenn das Eis zwei oder drei Meter dick ist, kommt das Schiff nur noch langsam voran. © Ulf Mauder
Ein Helikopter fliegt voraus und sucht für das Schiff den besten Weg durchs Eis - das ermöglicht imposante Aufnahmen aus der Luft. Foto: Ulf Mauder
Ein Helikopter fliegt voraus und sucht für das Schiff den besten Weg durchs Eis - das ermöglicht imposante Aufnahmen aus der Luft. © Ulf Mauder
Die deutsche Passagierin Anke Wodarg ist fasziniert von der Weite des arktischen Ozeans. Foto: Ulf Mauder
Die deutsche Passagierin Anke Wodarg ist fasziniert von der Weite des arktischen Ozeans. © Ulf Mauder
Ein Eisbär nähert sich dem heranfahrenden Eisbrecher, von wo aus die Passagiere das größte Landraubtier der Erde beobachten können. FOto: Ulf Mauder
Ein Eisbär nähert sich dem heranfahrenden Eisbrecher, von wo aus die Passagiere das größte Landraubtier der Erde beobachten können. © Ulf Mauder
Angestellte der russischen Atomflotte (Rosatomflot) beobachten die Arbeiten des privaten Expeditionsteams. Foto: Ulf Mauder
Angestellte der russischen Atomflotte (Rosatomflot) beobachten die Arbeiten des privaten Expeditionsteams. © Ulf Mauder
Stolzer Kapitän: Dmitri Lobusow nach der Ankunft des Eisbrechers am Nordpol vor seinem Schiff - ein weiterer Sieg für die "Pobedy". Foto: Ulf Mauder
Stolzer Kapitän: Dmitri Lobusow nach der Ankunft des Eisbrechers am Nordpol vor seinem Schiff - ein weiterer Sieg für die "Pobedy". © Ulf Mauder
Das Rot des Eisbrechers strahlt im Sonnenlicht. Viele Farben gibt es in der arktischen Wildnis sonst nicht zu sehen - nur das Blau des Himmels. Foto: Ulf Mauder
Das Rot des Eisbrechers strahlt im Sonnenlicht. Viele Farben gibt es in der arktischen Wildnis sonst nicht zu sehen - nur das Blau des Himmels. © Ulf Mauder
Nicht von dieser Welt: Die Fahrt zum Nordpol durch meterdickes Eis ist für die meisten Touristen die Reise ihres Lebens. Foto: Ulf Mauder
Nicht von dieser Welt: Die Fahrt zum Nordpol durch meterdickes Eis ist für die meisten Touristen die Reise ihres Lebens. © Ulf Mauder
Der russische Parlamentsabgeordnete und frühere Judo-Olympiasportler Dmitri Nossow schwärmt bei einem Gesellschaftsabend an Bord des Eisbrechers von der Schönheit Russlands. Er trägt zu Ehren von Kremlchef Wladimir Putin ein T-Shirt mit der Aufschrift "Russlands Armee". Foto: Ulf Mauder
Der russische Parlamentsabgeordnete und frühere Judo-Olympiasportler Dmitri Nossow schwärmt bei einem Gesellschaftsabend an Bord des Eisbrechers von der Schönheit Russlands. Er trägt zu Ehren von Kremlchef Wladimir Putin ein T-Shirt mit der Aufschrift "Russlands Armee". © Ulf Mauder
Eisbär voraus! Viele Gäste auf dem Eisbrecher fahren in die Arktis, um die Tiere einmal in ihrem natürlichen Lebensraum erleben zu können. Foto: Ulf Mauder
Eisbär voraus! Viele Gäste auf dem Eisbrecher fahren in die Arktis, um die Tiere einmal in ihrem natürlichen Lebensraum erleben zu können. © Ulf Mauder
Walrösser haben es sich auf einer Eisscholle bequem gemacht - und die Touristen auf dem Schiff holen die Kameras hervor, trotz Kälte. Foto: Ulf Mauder
Walrösser haben es sich auf einer Eisscholle bequem gemacht - und die Touristen auf dem Schiff holen die Kameras hervor, trotz Kälte. © Ulf Mauder
Von Murmansk, der größten Stadt nördlich des Polarkreises, geht es mit dem Eisbrecher "50 Let Pobedy" zum Polarkreis. Foto: dpa-infografik
Von Murmansk, der größten Stadt nördlich des Polarkreises, geht es mit dem Eisbrecher "50 Let Pobedy" zum Polarkreis. © dpa-infografik

 Deshalb sammeln die Extremsportler – zusammen mit der Hilfsorganisation Viva con Agua de Sankt Pauli – mit ihrer 640-Kilometer-Tour durch eisige Temperaturen bis minus 40 Grad Spenden für Kinder in Nepal. „Wir wollen das Projekt in Chitwan, südwestlich der Hauptstadt Kathmandu, unterstützen. Nach dem Erdbeben 2015 fehlt es an sauberem Wasser. Wir wollen die sanitäre Grundversorgung, beispielsweise an Schulen, für mindestens 200 Kinder gewährleisten.“ 3200 Euro im Netz zusammenzukriegen: Das war das Ziel der Sportler. Bisher sind aber schon mehr als 5000 Euro gespendet worden, also haben die Läufer das Ziel höher gesteckt. „Die Aktion läuft ja noch bis Ende April“, sagt Theissig: „Und Gutes zu fördern ist ja nie verkehrt.“

Magische Momente auf dem Eis

Doch nicht nur für nepalesische Kinder hat die Route etwas gebracht. Kulow und Theissig sind begeistert von der Eislandschaft Sibiriens und dem Unesco-Weltkulturerbe, dem nicht ganz ungefährlichen Baikalsee. „Ich weiß nicht, wo ich zu schwärmen anfangen soll“, sagt Theissig: „Da gibt es so unterschiedliche Facetten. Es gab viele magische Momente. Wenn man morgens Richtung aufgehende Sonne läuft, das Gebirge aus den Augenwinkeln verliert und nur noch das blanke Eis und den Horizont sieht. Wenn man nichts als das Klacken der Kufen auf dem Eis hört, fühlt man sich wie ein Astronaut, der über dem Eis schwebt. Das habe ich in mich aufgesogen“, sagt der Extremsportler.

Reise ins ewige Eis: Expeditionskreuzfahrten im Trend

Spektakuläre Natur: Die Antarktis ist ein Traum für viele Kreuzfahrer. Hier fährt die "MS Fram" durch den Lemaire Kanal. Foto: Hurtigruten
Spektakuläre Natur: Die Antarktis ist ein Traum für viele Kreuzfahrer. Hier fährt die "MS Fram" durch den Lemaire Kanal. © Hurtigruten
Vom Schiff aufs Zodiac: Passagiere der "Sea Spirit" kommen ganz nah an die Naturschönheiten heran. Foto: Poseidon Expeditions
Vom Schiff aufs Zodiac: Passagiere der "Sea Spirit" kommen ganz nah an die Naturschönheiten heran. © Poseidon Expeditions
Ganz nah am Wal: Mit Zodiacs gehen die Passagiere von Expeditionskreuzfahrten wie hier bei Ponant auf Erkundungstouren. Foto: Ponant Yachtkreuzfahrten
Ganz nah am Wal: Mit Zodiacs gehen die Passagiere von Expeditionskreuzfahrten wie hier bei Ponant auf Erkundungstouren. © Ponant Yachtkreuzfahrten
Zu Besuch bei den Pinguinen: Die "Fram" fährt unter anderem in die Antarktis. Foto: Hurtigruten
Zu Besuch bei den Pinguinen: Die "Fram" fährt unter anderem in die Antarktis. © Hurtigruten
Begegnung mit anderen Kulturen: Expeditionskreuzfahrten bieten besondere Einblicke. Foto: Ponant Yachtkreuzfahrten
Begegnung mit anderen Kulturen: Expeditionskreuzfahrten bieten besondere Einblicke. © Ponant Yachtkreuzfahrten
Landgang auf Spitzbergen: Wo Expeditionskreuzfahrtschiffe Halt machen, gibt es meist keinen Hafen. Foto: Hurtigruten
Landgang auf Spitzbergen: Wo Expeditionskreuzfahrtschiffe Halt machen, gibt es meist keinen Hafen. © Hurtigruten
Besonderes Merkmal von Expeditionskreuzfahrten: An Bord sind meist erfahrene Lektoren und Experten - wie hier bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Foto: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
Besonderes Merkmal von Expeditionskreuzfahrten: An Bord sind meist erfahrene Lektoren und Experten - wie hier bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. © Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
Auge in Auge mit dem Eisbären: Solche besonderen Begegnungen ermöglicht eine Expeditionskreuzfahrt. Foto: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
Auge in Auge mit dem Eisbären: Solche besonderen Begegnungen ermöglicht eine Expeditionskreuzfahrt. © Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
Umgeben von Eis: Expeditionskreuzfahrtschiffe wie die Hanseatic sind häufig für den Einsatz in polaren Regionen ausgerüstet. Foto: Hapag-Lloyd Cruises
Umgeben von Eis: Expeditionskreuzfahrtschiffe wie die Hanseatic sind häufig für den Einsatz in polaren Regionen ausgerüstet. © Hapag-Lloyd Cruises
Nicht nur in kalten Gefilden: Expeditionsschiffe wie die "Bremen" sind zum Beispiel auch in Peru unterwegs. Foto: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
Nicht nur in kalten Gefilden: Expeditionsschiffe wie die "Bremen" sind zum Beispiel auch in Peru unterwegs. © Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
Mitten im Eis: Die "Bremen" ist eines von zwei Expeditionsschiffen von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Foto: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
Mitten im Eis: Die "Bremen" ist eines von zwei Expeditionsschiffen von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. © Hapag-Lloyd Kreuzfahrten

Auch die Begegnungen mit den Bewohnern haben dem Sportler viel gegeben: „Die Ärmsten der Region haben uns ihre Fischerhütte zur Verfügung gestellt, das war für sie selbstverständlich und hat mich echt umgehauen!“ Mit 30-Kilo-Ausrüstung auf dem Schlitten ziehen die beiden Männer, die als erste Deutsche den See zu Fuß überquert haben, über die einen Meter dicke Eisschicht. Vom Süden in die Nordspitze hangeln sich die Läufer am westlichen Ufer entlang, passieren Wasserspalten, queren Eisschollen, robben mit dem Bauch über Hindernisse. Pro Tag etwa 40 Kilometer. Jeden Moment kann das Eis brechen. 

„Bei Angst lieber zuhause bleiben!"

Doch Theissig sieht das gelassen: „Ich habe mich ein halbes Jahr vorbereitet, die Risiken mit Ausstattung und Wissen reduziert.“ Wer mit Angst los geht, sollte lieber zuhause bleiben, sagt der Weltenbummler, der sich bereits neue Ziele gesetzt hat: „Der arktische Kiefer hat mich jetzt in den Hintern gebissen. 2018 oder 19 werde ich vielleicht Grönland durchqueren oder eine Polarexpedition machen.“ Denn: Die Füße im Urlaub hochzulegen ist nichts für den 45-Jährigen. „Bewegung ist meine Erholung!“

Und so hat der Frankfurter im vergangenen Jahr den Yukon-Arctic-Ultralau geschafft: Jörn Theissig bezwingt die kanadische Eiswüste ganz cool.

Biathlon-WM: Goldener Abschluss dank Dahlmeier und Schempp

Simon Schempp krönte sich in Hochfilzen zum Weltmeister im Massenstart. Foto: Martin Schutt
Simon Schempp krönte sich in Hochfilzen zum Weltmeister im Massenstart. Foto: Martin Schutt © Martin Schutt
Simon Schempp wird von seinen Teamkollegen auf den Schultern getragen. Foto: Martin Schutt
Simon Schempp wird von seinen Teamkollegen auf den Schultern getragen. Foto: Martin Schutt © Martin Schutt
Laura Dahlmeier jubelt im Ziel über ihr fünftes Gold bei dieser WM. Foto: Barbara Gindl
Laura Dahlmeier jubelt im Ziel über ihr fünftes Gold bei dieser WM. Foto: Barbara Gindl © Barbara Gindl
Laura Dahlmeier hatte bei der Blumen-Zeremonie allen Grund zum Jubeln. Foto: Martin Schutt
Laura Dahlmeier hatte bei der Blumen-Zeremonie allen Grund zum Jubeln. Foto: Martin Schutt © Martin Schutt
Dahlmeier verdeutlicht es noch einmal: Das war mein fünftes WM-Gold in Hochfilzen. Foto: Martin Schutt
Dahlmeier verdeutlicht es noch einmal: Das war mein fünftes WM-Gold in Hochfilzen. Foto: Martin Schutt © Martin Schutt
Wo Laura Dahlmeier ist, ist meistens vorne... Foto: Martin Schutt
Wo Laura Dahlmeier ist, ist meistens vorne... Foto: Martin Schutt © Martin Schutt
Medaillengewinnerinnen: Laura Dahlmeier (Gold) zwischen Susan Dunklee (l, Silber) und Kaisa Mäkäräinen (Bronze). Foto: Martin Schutt
Medaillengewinnerinnen: Laura Dahlmeier (Gold) zwischen Susan Dunklee (l, Silber) und Kaisa Mäkäräinen (Bronze). Foto: Martin Schutt © Martin Schutt

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