Gymnasiast Adrien Jathe hat eine perfekte Sonnenbrille entwickelt / Fachwelt ist begeistert

Frankfurter „Daniel Düsentrieb“ findet Lösung gegen fiese Strahlen

Er hat den Durchblick: Adrien Jathe erfand ein spezielle Sonnen-Brille, die vielleicht sogar Piloten vor Laserpointer-Attacken schützen könnte. Foto: oh

Das Problem kennen alle Autofahrer. Die Sonne steht tief und plötzlich blendet sie so stark, dass die teuerste Sonnenbrille keinen Schutz mehr bietet. Der 18-jährige Adrien Jathe hat die Lösung gefunden. Die brachte ihn sogar zur Nobelpreisverleihung nach Schweden. Von Oliver Haas

Frankfurt – Bei Disney ist es Daniel Düsentrieb, der für alles eine Antwort hat. Der Frankfurter Adrien Jathe braucht sich in Sachen Erfindergeist nicht hinter der Comic-Figur verstecken. Der 18-Jährige fand die Lösung für ein Problem, das viele Autofahrer gut kennen. Seine Idee wurde vor drei Jahren geboren: „Ich war mit meinem Vater auf der Autobahn unterwegs und die Sonne stand extrem tief. Außerdem hatte es vorher geregnet. Das heißt, die Sonne hat sich auf allen Oberflächen reflektiert“, sagt Adrien. Sein Vater hatte nun das Problem Hunderter Autofahrer: Die Sonnenstrahlen blendeten ihn. „Ich sah die unglaublich große Gefahr, die ich lösen wollte, weil normale Sonnenbrillen da nichts bringen. Die Sonne strahlt in diesem Fall viel zu hell“, sagt der Gymnasiast von der Frankfurter Metropolitan School.

Sein Warum war also da, fehlte nur noch das Wie. „Jeder hat natürlich eine andere Vorgehensweise. Ich bin jemand, der sehr schnell in die praktische Umsetzung geht, weil mir das viel Spaß macht. Also bin ich ohne große Forschung rein“, erinnert er sich. Es sei ein Schritt-für-Schritt-Prozess gewesen. „Man sieht immer kleine Probleme, versucht diese zu verbessern und baut das dann nacheinander auf“, sagt der Jungforscher. Seine erste Brille habe er aus Strohhalmen gebastelt. Im Laufe der Zeit habe er immer wieder neue Komponenten entwickelt für seine Vision der intelligenten Sonnenbrille. Er schrieb über 40 Unternehmen an, damit sie ihn bei seinen Forschungen unterstützen. Fünf bis sechs hätten angebissen. Und nach unzähligen Stunden des Testens, Scheiterns und wieder Testens hatte Adrien Jathe es geschafft. Seine Brille funktioniert. Stark vereinfacht erklärt, besteht ihre Oberfläche aus tausenden Sechseckwaben, einer transparenten Solarzelle und Flüssigkristallflächen. Wenn jetzt der grelle Sonnenstrahl oder auch Strahl eines Laserpointers auf die Brille trifft, geschieht Folgendes: Auf den Sechseckwaben, wo der Strahl auftrifft, produzieren die Solarzellen eine elektrische Spannung. Diese bewirkt, dass die Flüssigkristallflächen genau diesen Bereich auf der Brille abdunkeln. Heißt: Der Kontrast zwischen hell und dunkel im Bild wird ausgeglichen und der Brillenträger hat bei fast gleichmäßiger Helligkeit blendungsfreie Sicht. Die Fachwelt hat Adrien Jathe mit seiner Erfindung schon lange beeindruckt. Er gewann bei „Jugend forscht“ alle regionalen Landeswettbewerbe in Hessen. Bundesweit erreichte er den vierten Platz. Und im Mai 2019 siegte er bei der Intel International Science and Engineering Fair in Phoenix, Arizona in den USA den Intel ISEF Best of Category Award. Außerdem wurde er dort mit dem Dudley R. Herschbach SIYSS Award ausgezeichnet. Damit durfte er unter anderem Ende 2019 als Besucher zur Nobelpreisverleihung nach Stockholm reisen. „Das war ein beeindruckendes Erlebnis“, schwärmt Adrien.

Seine Brille möchte er nun so schnell wie möglich als privates Startup-Unternehmen mit Familienmitgliedern auf den Markt bringen. In einem halben bis einem Jahr soll es soweit sein. „Wir streben einen Verkaufspreis von 500 Euro an. Wenn wir dann in den Massenmarkt gehen wollen, dann wird sie natürlich wesentlich günstiger. Aber das ist und war ja bisher bei allen Erfindungen so.“

In diesem Jahr macht der Frankfurter erst mal sein Internationales Abitur und strebt wenig überraschend ein Ingenieurstudium an. Und er sagt: „Es gibt noch einige Ideen, die ich habe und Probleme, die ich lösen will.“

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