100 Beamte noch bis Herbst jeden Tag im Einsatz

Bahnhofsviertel soll auch nach Polizeiaktion im Fokus bleiben

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Polizisten bei einer Razzia im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Frankfurt - Im Kampf gegen die Drogenkriminalität im Frankfurter Bahnhofsviertel sieht die Polizei die „Trendumkehr geschafft“. Die Beamten haben konkrete Zahlen der vergangenen sechs Monate veröffentlicht. Und auch Hessens Innenminister Peter Beuth will den Druck erhöhen.  

Sechs Monate nach der Kampfansage der Polizei hat sich die Drogenszene am Hauptbahnhof demnach stark zurückgezogen.„"Es gibt nicht mehr den offenen Handel in der Form von großen und aggressiven Dealergruppen auf der Straße“, berichtete die Polizei am Dienstag. Auch die Zahl von Diebstählen sei in den vergangenen sechs Monaten um rund 50 Prozent zurückgegangen, Fälle von gefährlicher Körperverletzung um 23 Prozent.

Die Polizei absolvierte insgesamt 130.000 Einsatzstunden. Im Durchschnitt wurden täglich 210 Personen im Bahnhofsgebiet kontrolliert. Dabei wurden insgesamt mehr als 14 Kilogramm Rauschgift sichergestellt, größtenteils Marihuana. Gegen jede neunte kontrollierte Person, also 24 am Tag, wurde Anzeige erstattet. Außerdem will die Polizei den Druck auf Drogendealer auch durch eine mobile Kamera weiter erhöhen

Aktuelle Zahlen

Zusammengenommen hat die Frankfurter Polizei knapp 100.000, mit der Bereitschaftspolizei 130.000 Einsatzstunden geleistet. Während dieser Zeit haben die  Beamten durch die großangelegten Kontrollen und die verdeckt geführten Ermittlungen 4.300 Anzeigen gefertigt und insgesamt über 14 Kilo Rauschgift sichergestellt. Datu zählten 240 Gramm Crack, 520 Gramm Kokain, 700 Gramm Heroin, 7,7 Kilo Marihuana, 1,7 Kilo Haschisch und 3,2 Kilo Amphetamin).

Darüber hinaus meldet die Polizei Erfolge bei der Straßen- und Allgemeinkriminalität. Die Fälle von Diebstahl aus Gaststätten und Hotels ging um 49 Prozent zurück, Taschendiebstahl um 44 Prozent, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 43 Prozent, gefährliche Körperverletzungen um 23 Prozent und der Widerstände gegen Vollzugsbeamte sank um 35 Prozent.

Auch weniger Beschwerden

„Die Ansammlungen von Dealern werden kleiner und ihr Verhalten hat sich verändert“, sagte Polizei-Vizepräsident Walter Seubert. Auch Polizeipräsident Gerhard Bereswill zog ein positives Fazit: „Die Beschwerdelage ist sehr stark zurückgegangen.“ Der Einsatz von mehr als 100 uniformierten und zivilen Polizisten zusätzlich pro Tag wird aber noch über den Sommer hinaus bis in den Herbst fortgeführt.

So soll das berüchtigte Viertel nicht nur sicherer bleiben, sondern auch kriminelle Strukturen aufgehellt und Hintermänner ausgemacht werden. Die Zusammenarbeit mit der Justiz sei sehr gut, die Ermittlungen würden bei kleinen Drogenmengen nicht mehr eingestellt.

Frankfurter Hauptbahnhof soll Polizei-Schwerpunkt bleiben

Der Kampf gegen die Drogenkriminalität im Bahnhofsviertel soll auch nach dem Abschluss der großangelegten Polizeiaktion fortgesetzt werden. Hessens Innenminister Peter Beuth kündigte an, den Druck aufrechterhalten zu wollen. Dafür werde eine neue Einheit im Polizeipräsidium geschaffen, „weil die Erfolge jetzt nicht gefährdet werden dürfen“, sagte Beuth in einem Interview. 

Außerdem sollen Bundes- und Stadtpolizei sowie die Deutsche Bahn sich stärker im Bahnhofsgebiet engagieren, sagte Beuth. Das Innenministerium berät sich einem Sprecher zufolge in den nächsten Wochen mit den beteiligten Behörden und Partnern, wie die neue Polizeieinheit ausgestattet werden solle und wie eine Zusammenarbeit aussehen könne.

So sah die Bilanz nach vier Monaten aus

Die Polizei war seit Gründung der sogenannten Besonderen Aufbauorganisation (BAO) Bahnhofsviertel vor rund vier Monaten etwa 91.100 Stunden zusätzlich im Einsatz. Die Beamten kontrollierten ungefähr 29.000 Menschen, knapp 14.500 von ihnen durchsuchten sie auch. 422 Verdächtige wurden festgenommen, 137 kamen in Untersuchungshaft. Es gab 174 Haftbefehle und Aufenthaltsermittlungen sowie 3.150 Anzeigen, davon 1.680 wegen Betäubungsmitteldelikten. Die Polizisten stellten mehr als drei Kilogramm Marihuana, 1,6 Kilo Haschisch, 225 Gramm Heroin und 165 Gramm Crack sicher.  Zudem wurden 32 Aufenthaltsverbote verfügt.

Es gebe weniger Beschwerden, die Alltagskriminalität sei zurückgegangen und die Dealer verhielten sich weniger aggressiv, bilanzierte Seubert. Als Reaktion auf die Kontrollen kleideten sich die Dealer besser und zögen sich in Hinterhöfe und Spielcasinos zurück. Insgesamt seien mehr als 100 Dealer unterwegs. Genau lasse sich dies wegen der Fluktuation nicht sagen.

Streetworker Tom Holz kennt das Bahnhofsviertel genau. Ende des vergangenen Jahres sprach er im großen EXTRA TIPP-Interview über die Veränderung der Drogenszene, aggressive Dealer und die Verlagerung in den Hauptbahnhof. dpa/lhe

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