Frankfurt

Trauer um Papageien – Familie macht Tierärzte für Tod verantwortlich

Die beiden Gelbbrust-Aras Skyla und Savoy.
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Die beiden Gelbbrust-Aras Skyla und Savoy.

Die Papageien Skyla und Savoy sind nach einer Infektion an einer Blutvergiftung gestorben. Ihre Besitzer vermuten: Die Tierärzte haben sie falsch behandelt.

Frankfurt – Ob Hund, Katze oder Vogel: Für Haustierbesitzer bedeutet der Tod des eigenen Tieres wohl den schlimmsten Albtraum überhaupt. Doch genau dieser Albtraum ist für Beate Bollmann und ihre Familie aus Frankfurt* wahr geworden. Innerhalb kürzester Zeit mussten sie mit ihren Gelbbrust-Aras Skyla und Savoy zum Tierarzt und anschließend in eine Vogelklinik, wo beide schließlich starben.

Frankfurt: Familie kritisiert Tierärzte

„Die beiden hatten Kolibakterien, was eigentlich ganz normal ist. Durch ihr junges Alter war ihr Immunsystem allerdings noch nicht vollständig ausgebildet, weshalb die Bakterien dann überhandgenommen haben“, erklärt Beate Bollmann. Das gefiederte Geschwisterpaar erlitt in der Folge eine schwere Blutvergiftung.

Skyla hing bis zum Schluss am Beatmungsgerät, verlor den Kampf jedoch nach zwei Tagen. Sein Bruder Savoy hielt eine Woche durch, ehe sich die Infektion bis in sein Gehirn fraß und die Ärzte dazu zwang den Vogel einzuschläfern. Das hätte verhindert werden können, ist Bollmann überzeugt: „Es gibt viele Tierärzte, die sich vogelkundig schimpfen, aber dann doch keine Ahnung von Vögeln haben.“

Vögel verlieren plötzlich Gewicht – Familie wendet sich an Frankfurter Tierarzt

Wie kam es zu der Tragödie? Nachdem die Jungvögel wenige Tagen vorher die Nahrungsaufnahme verweigerten und rapide an Gewicht verloren, wandten sich die Bollmanns an einen angeblich vogelkundigen Tierarzt in Frankfurt. Dieser behandelte die Papageien allerdings nicht richtig, ist sich die Familie sicher. „Mittlerweile wissen wir, dass es Standardverfahren gibt, die immer gemacht werden sollten. Es wurden zum Beispiel keine Blutuntersuchungen gemacht, obwohl das gerade bei Aras immer überprüft werden sollte“, erklärt die 52-jährige. Auch das vom Tierarzt verschriebene Antibiotika sei laut der Frankfurterin eher schädlich gewesen und hätte den Zustand der Vögel verschlechtert. Die Bollmanns warteten zudem verzweifelt auf die Ergebnisse der Abstriche und erhielten auch nach mehrmaligem Anrufen in der Praxis keine Informationen, wie es mit ihren Tieren weitergeht.

Dann geschah das Drama: Skyla brach zu Hause nach einer Woche ausgemergelt zusammen, weshalb sich Familie Bollmann dazu entschloss, von Frankfurt in die 50 Minuten entfernte Vogelklinik Gießen zu fahren. Auf Anraten der Ärzte brachten sie kurz darauf auch Savoy in die Klinik. Doch für die beiden Tiere war es zu spät – sie verendeten an den Folgen ihrer Blutvergiftung. Die 52-Jährige ist sicher: Mit der richtigen Behandlung und dem nötigen Wissen hätten ihre Lieblinge gerettet werden können. „Das Schlimmste ist, dass man sich auch selbst Vorwürfe macht. Wir hatten zwar ein Bauchgefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, aber haben dem Tierarzt trotzdem vertraut.“

Doch der Albtraum war für Familie Bollmann nicht zu Ende. Kurz vor Neujahr mussten sie erneut zum Tierarzt. Diesmal wegen des acht Wochen alten Nymphensittichs Rouge. Doch auch dieser Tierarzt behandelte den Vogel offenbar falsch. Mit Rouge fuhren die Bollmanns allerdings gleich darauf in die Gießener Klinik, wo eine andere Diagnose gestellt und der Vogel erfolgreich behandelt wurde. „Das ist wirklich eine Top-Klinik. Es gibt noch weitere, diese sind allerdings sehr weit entfernt“, erklärt die Frankfurterin. Mit ihren Erlebnissen steht die Familie nicht alleine da. Im Netz berichten laut Angaben der Bollmanns zahlreiche Vogelbesitzer von ähnlichen Fällen mit ihren Tieren. Tatsächlich müssen immer mehr Kliniken ihren Notdienst einschränken.

Behandlung von Vögeln noch nicht so gut wie bei Hunden

Michael Lierz, Leiter der Klinik für Vögel an der Uni Gießen, relativiert die Einschätzung zumindest für Tierärzte in Großstädten: „Die Situation ist heute schon viel besser als vor zehn bis 15 Jahren. Dadurch, dass die Vogelmedizin mittlerweile fester Bestandteil der Ausbildung an den Unis ist, findet man eigentlich in jeder größeren Stadt einen passenden Arzt. Auf dem Dorf sieht das natürlich anders aus, man muss also schon ein bisschen weiter fahren. Aber heutzutage wird an Vögeln alles gemacht, was bei Hund und Katze auch zum Standard gehört.“

Beate Bollmann möchte mit ihrer Geschichte dennoch andere Besitzer vor einem solchen Schicksal bewahren: „Am besten lässt man immer einen Abstrich machen und bei Papageien sollte man immer auf eine Blutuntersuchung bestehen.“ Ein Tierarzt in Villmar gibt Erste Hilfe Kurse für Hunde*. (Jan Lucas Frenger) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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