In Frankfurt pauken Grundschüler Glück

Für Eltern die Idealvorstellung: Kinder verlassen freudig die Schule. In Frankfurt wird jetzt „Glück“ gelernt. Fotos: Anatols/ Panthermedia.com

Es klingt skurril und vielleicht sogar ein bisschen traurig. An zwei Frankfurter Grundschulen lernen die Kinder jetzt, wie sie glücklicher werden. Eigens dafür ausgebildete Lehrer unterrichten „Glück“. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Weltweit gibt es die verrücktesten Schulfächer und Unterrichtsinhalte. In Florida lernen Schüler im Neopren-Anzug im Fach Meeresforschung „Tauchen“, australische Schüler werden in „Outdoor Education“ unterrichtet“, wie sie in der Wildnis überleben und eine deutsche Gesamtschule in Zell an der Mosel hat das Projekt „Erwachsen werden“ wie selbstverständlich im Lehrplan stehen. Können hessische Schüler bald das Fach „Glück“ zwischen Mathe, Deutsch und Physik auf den Stundenplan schreiben?

Denn als Pilotprojekt wird jetzt in zwei Frankfurter Grundschulen im Unterricht dieser ungewöhnliche Lehrinhalt seit Anfang des Schulhalbjahres gelehrt. Kinder werden an der Engelbert-Humperdinck-Schule sowie an der Riedhofschule ganz offiziell von dafür ausgebildeten Pädagogen unterrichtet, wie sie glücklicher werden oder es bleiben. Erfunden wurde das Konzept „Glück im Schulunterricht“ im Fritz-Schubert-Institut 2009 in Heidelberg. Auch Grundschullehrerin Angela Wanke von der Engelbert-Humperdinck-Schule wurde dort ausgebildet. Die Klassenlehrerin hat „Glück“ als Unterrichtsteil in ihren Sach- und Religionsunterricht integriert. Sie erklärt, wie eine solche Glücksunterrichts-Stunde gestaltet ist: „Es geht darum, dass Kindern gezeigt wird, wie sie ihre Stärken finden. Das ist in einer Gesellschaft, die von einer Fehlerkultur geprägt ist, natürlich ungewöhnlich. Die Schüler sollen sehen, was sie können und was sie damit im Leben erreichen wollen.“ Es gehe darum, dass das Selbstbewusstsein der Schüler gestärkt werde. „Leider vergessen Kinder nur zu oft, was sie wirklich können. Aber gerade das ist wichtig, damit auch bestimmte Visionen entstehen können. Das klingt natürlich sehr abgehoben, aber da geht es auch um Dinge wie ,mal vom Fünfer im Freibad springen´ oder ,am bellenden Hund vorbei zu laufen´. Die Kinder lernen, wie sie in Ängsten eher Herausforderungen sehen.“

Ganz praktisch werden dann im Klassenzimmer auch mal Meditationen oder Traumreisen mit Grundschülern gemacht. „Oder wir erzählen uns Geschichten und achten dabei bewusst auf die Atmung“, schildert Wanke.

Ein weiteres Thema innerhalb des Faches Glück ist Dankbarkeit: „Zahlreiche Studien haben mittlerweile belegt, dass Menschen, die dankbarer sind, viel zufriedener sind und ein größeres Wohlbefinden haben. Deshalb wird natürlich auch das in diesen Stunden behandelt. Aber natürlich auch die Gegenposition, nämlich wie gut es uns Menschen tut, wenn wir geben“, sagt Wanke. Sich auf das Positive im Leben fokussieren, auf eigene Stärken besinnen, bewusst dankbar sein und selbstbewusst durchs Leben gehen. All das soll die Kinder laut Wanke letztlich glücklicher machen.

Stefan Löwer, Pressesprecher des hessischen Kultusministeriums, stellt allerdings klar, dass es das Fach „Glück“ als solches wohl nie den offiziellen Stundenplan an den hessischen Schulen schaffen wird. Das heißt „Glück“ gibt’s als Inhalt, aber nicht als eigenständiges Fach. „Wir begrüßen es natürlich, wenn Schulen in Hessen im Rahmen eines Projektes oder in den einzelnen Fächern derartige Inhalte vermitteln“, sagt Löwer. Aus Zeit- und Platzgründen werde man aber vergeblich nach einem Fach namens „Glück“ zwischen Mathe, Deutsch und Physik suchen.

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