Himmelsspektakel Höhepunkt bei vielen Festen

Feuerwerk: Sinnlose Böllerei oder schöne Tradition?

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Auch beim Museumsuferfest in Frankfurt gibt es jedes Jahr ein traditionelles Feuerwerk. 

Silvester ohne Feuerwerk ist für viele undenkbar. Auch bei den meisten Festen in Rhein-Main gehört das Himmelsspektakel zu den Höhepunkten. Doch ist die Böllerei angesichts der Diskussionen um Müll und Feinstaub überhaupt noch zeitgemäß? Der EXTRA TIPP hat bei Städten und Vereinen nachgefragt.

Region Rhein-Main – Tausende Besucher feierten am Pfingstwochenende bei der Haaner Kerb in Dreieichenhain. Der absolute Höhepunkt für die meisten Besucher: Das traditionelle Höhenfeuerwerk mit Burgbeleuchtung. Einem EXTRA TIPP-Leser stinkt das jedoch gewaltig. „Ich finde es völlig unverständlich, wie in der heutigen Zeit ein teures wie umweltschädigendes Spektakel von der Stadt toleriert wird.“ Auch in der Facebook-Gruppe „Hallo Langen“ entbrennt vor ein paar Tagen eine Diskussion um das Feuerwerk zum Ebbelwoifest. „Sinnlose Böllerei“, sagen die einen, „unverzichtbare Tradition“ die anderen.

Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). hat dazu eine klare Meinung: „Wir fordern schon lange ein Umdenken in Deutschland, was den Umgang mit Feuerwerken angeht. In Zeiten, in denen insbesondere deutsche Großstädte über die Belastung durch Luftschadstoffe diskutieren, muss man auch über den Sinn dieses Brauchtums reden.“ Insbesondere die Knallerei an Silvester ist der DUH ein Dorn im Auge, da vor allem Billig-Böller und mit Schwarzpulver getriebene Raketen abgefeuert werden. „Sie erzeugen nicht nur viele zehntausend Tonnen Müll, sondern auch bis zu 5000 Tonnen Feinstaub. Insbesondere für Menschen, die an Atemwegserkrankungen leiden, ist das eine extreme gesundheitliche Belastung“, sagt Resch. Bei öffentliche Feuerwerken seien die negativen Effekte dagegen geringer, da hier meist Profi-Pyrotechnik zum Einsatz kommt. „Aber die Luftbelastung ist da und die Partikel regnen auf den Boden.“, sagt der DUH-Chef. Städte und Großveranstalter sollten stattdessen auf umweltfreundliche Alternativen umsteigen, beispielsweise tanzende Drohnen, Laser- und Lichtshows. „Alles andere ist und bleibt ein Vergiften der Luft, das nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt Resch.

Ein Blick auf den Veranstaltungskalender in Rhein-Main zeigt jedoch: Die Veranstalter setzen noch immer auf das Himmelsspektakel. „Feuerwerke sind nach wie vor der Publikumsmagnet. Es gibt dazu keine Alternative“, sagt Kurt Stroscher, Chefplaner der Tourismus und Congress GmbH, Vermarktungsgesellschaft der Stadt Frankfurt. Ob Dippemess, Mainfest oder Museumsuferfest: Das  traditionelle Abschlussfeuerwerk abzuschaffen, steht für Frankfurts Veranstalter Nummer eins nicht zur Debatte. „Dann müssen wir drüber sprechen, ob solche Feste grundsätzlich noch zeitgemäß sind. Oder ob man noch in den Urlaub fliegen darf“, sagt Stroscher. Zwar habe es schon Überlegungen gegeben, das Feuerwerk durch eine Drohnenshow zu ersetzen. Diese sei aber erstens viel zu teuer und zweitens kein wirklicher Ersatz. Den Vorwurf, dass die Stadt Frankfurt sinnlos Geld verpulvere, lässt Stroscher ebenfalls nicht auf sich sitzen. Die Kosten für das Profi-Feuerwerk – inklusive Aufbau und Absperrungen etwa 50.000 Euro beim Museumsuferfest – werden über die Standmieten refinanziert. „Ohne das Feuerwerk hätten schließlich auch die Standbetreiber viel weniger Einnahmen“, sagt Stroscher. Der beste Beweis dafür sei das vergangene Jahr, als das große Feuerwerk im Rahmen des Museumsuferfests wegen der Trockenheit abgesagt werden musste. „Trotz besten Wetters hatten wir massiv weniger Besucher.“

Ähnliches hat auch der Vereinsring Oberursel erlebt, als er beim traditionellen Brunnenfest vor ein paar Jahren das Abschlussfeuerwerk aussetzt. „Wir bekamen daraufhin zahlreiche Beschwerden von Bürgern, die uns vorwarfen, das Brunnenfest sei nicht dasselbe“, sagt Roland Jung, Vorsitzender des Vereinsrings Oberursel. Mittlerweile sei das Feuerwerk aus Sicherheitsgründen deutlich reduzierter und werde von den Schaustellern verantwortet und finanziert. Es komplett zu streichen, komme jedoch nicht infrage. „Wir brauchen diese Attraktion, um überhaupt noch Besucher in die Innenstadt zu ziehen. Sonst können wir das Brunnenfest irgendwann komplett streichen“, sagt Jung.

Die Stadt Dreieich will ebenfalls nicht auf das Feuerwerk im Rahmen der Haaner Kerb verzichten. „Das Höhenfeuerwerk gehört schon seit mehreren Jahrzehnten zur Tradition der Kerb. Es gab und gibt daher keine Überlegung, auf das Feuerwerk zu verzichten“, erklärt Sprecherin Britta Graf. Insgesamt koste das Feuerwerk rund 3.500 Euro brutto, die von der Stadt Dreieich bezahlt werden.

Auch beim Bürgerfest in Hanau will die Stadt nicht auf das Himmelsspektakel verzichten. „Es ist das einzige städtische Feuerwerk jedes Jahr, auf das sich viele tausend Menschen freuen“, sagt Sprecher Joachim Haas-Feldmann. Die Stadt Hanau gibt dafür rund 10.000 Euro aus, wobei die Kosten über den Fest-Eintritt refinanziert werden.

Die Deutsche Umwelthilfe will Feuerwerke ohnehin nicht grundsätzlich verbieten, sondern lediglich aus den Innenstädten hin zum Stadtrand verlagern, betont Jürgen Resch. Trotzdem sei er überrascht, dass in Rhein-Main kaum ein Traditionsfest ohne Feuerwerk auskommt. „Die Frage ist, ob die Veranstalter auf professionelle Technik setzen. Aber so oder so: Das ganze Jahr über, an jedem Fest, das muss nicht sein.“

Von Kristina Bräutigam

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