Wildkatzen fast ausgerottet: So steht"s um die scheuen Taunus-Bewohner

Vor rund 100 Jahren wurde sie fast ausgerottet: Die Europäische Wildkatze. Mittlerweile hat sich ihr Bestand wieder etwas erholt. Im Taunus fühlt sich der scheue Waldbewohner besonders wohl. Von hier ziehen die Tiere inzwischen auch Richtung Norden. Von Julia Oppenländer

Region Rhein-Main – Die Europäische Wildkatze liebt die Laubmischwälder im Taunus! Hier gibt’s dank jeder Menge Totholz zahlreiche Verstecke; auf Lichtungen, Wildwiesen und an Waldrändern können die Tiere auf die Jagd gehen. Doch vor knapp 100 Jahren stand es schlecht um die scheuen Waldbewohner: Sie wurden gejagt und fast ausgerottet. Seit 1934 ist das zwar verboten, doch noch immer gelten die Wildkatzen als bedroht. Viele Bestände haben sich bis heute nicht erholt. „Wie viele Tiere also genau durch die Wälder im Taunus streifen, ist unklar“, sagt Susanne Schneider, Managerin Naturschutzprojekte BUND Hessen. „Offizielle Schätzungen gehen hessenweit von etwa 650 Exemplaren aus.“

Ab und zu lässt sich eine Wild- zwar auch mit einer Hauskatze ein, doch diese hybriden Tiere sind selten. Drei bis fünf Prozent der in den Wäldern lebenden Katzen sind genetisch gesehen keine reinen Wildkatzen.

Doch noch immer macht der Mensch den dämmerungsaktiven Jägern zu schaffen. „Wildkatzen kommen vor allem im Straßenverkehr zu Tode“, so Schneider. „In Hessen sind das etwa 50 Tieren jährlich, aber die Dunkelziffer ist viel höher.“

Das liegt auch daran, dass viele Menschen Wildkatzen – sollten sie überhaupt gesichtet werden – nicht von der normalen Hauskatze unterscheiden können. Die Waldbewohner haben ein verwascheneres, bräunliches Fell und einen markanten, schwarzen Aalstrich auf dem Rücken bis zur Schwanzwurzel. Der Schwanz selbst hat schwarze, voneinander abgetrennte Ringe.

„Weil sie so leicht verwechselt werden können, kommt es ab und zu vor, dass ein Jungtier mit nach Hause genommen wird, da es für ein Waise gehalten wird. Dabei ist die Mutter oft nur jagen“, sagt Susanna Schneider vom BUND Hessen. Anfangs noch süß und verspielt, ist das Fundtier dann häufig nicht mehr zu bändigen. Spätestens jetzt kommt raus: Das ist eine Wildkatze. Auch im Tierheim haben die kleinen Raubkatzen nichts verloren. Katzenfutter und Impfungen sowie die Nähe zu anderen Katzen können tödlich für die Waldbewohner sein. Schneider: „Scheinbar verlassene Jungtiere also lieber mit Abstand beobachten und notfalls melden.“

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