Wie lernt man, eine Tram zu steuern?

Der EXTRA TIPP in der Straßenbahn-Schule

Auch unser Redakteur Christian Reinartz durfte mal ran.
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Auch unser Redakteur Christian Reinartz durfte mal ran.
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Frankfurt – Wenige Jobs sind so nervenaufreibend wie dieser: Straßenbahnfahrer! Doch wie lernt man das eigentlich? Und kann jeder so eine Tram steuern? Der EXTRA TIPP hat das bei einer Fahrstunde der VGF ausprobiert. Von Christian Reinartz

Eins treibt Fahrlehrer Meiko Winkels seinen Schülern gleich aus: „Hier wird kein Gas gegeben, wir schalten ein!“ Ansonsten ist im Führerhaus des S-Wagens, der neuesten Version der Straßenbahnen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), die Zahl der Knöpfe und Schalter erst einmal überschaubar. Ein Steuer gibt es nicht, und auch keine Bremspedale. Stattdessen wird das 40-Tonnen-Fahrzeug mit Links gesteuert. Ein kleiner, schwarzer Hebel ist alles. Nach vorne bedeutet Beschleunigung, nach hinten Bremsen.

Fahrlehrer Meiko Winkels (Mitte) und seine Schüler vor einem S-Wagen (von links): Zen Jashari, Florian Schöttner, Susanne Kappel, Dragan Kuraja, und Fahrlehrer-Anwärter Daniel Beye

Computer legt die Strecke fest

Die Strecke wird per Computer festgelegt. Lenken nicht nötig. Hört sich einfach an, ist aber extrem knifflig. „Die Bahn reagiert verzögert“, sagt Meiko Winkels. Hat man erstmal selbst den Hebel in der Hand, merkt man, welches Gewicht sich da kraftvoll in Bewegung setzt. Ein bisschen zu viel und es ruckelt, ein bisschen zu wenig und der Zug kommt nicht rechtzeitig zum Stehen. Eine Fahrt als Fahranfänger durch die belebte Münchner Straße oder über die schwierigste Straßenbahn-Piste Frankfurts, die Mainzer Landstraße? Undenkbar! Hier unterscheiden sich Autofahrstunden von denen in der Straßenbahn.

„Da braucht man wirklich Nerven wie Drahtseile.“

„Wir müssen vorausschauender fahren, als alle anderen Verkehrsteilnehmer. Im Grunde sind wir permanente Unfallverhinderer, weil wir eine Situation schon vorher erkennen und reagieren“, sagt Winkels. Fahrschüler Dragan Kuraja bringt es auf den Punkt: „Da braucht man wirklich Nerven wie Drahtseile.“

Manchmal muss die Weiche auch per Hand bedient werden.

Und genau darin besteht die Schwierigkeit des Jobs. Vier Fahrschüler und einen zukünftigen Fahrlehrer bereitet Winkels gerade auf den harten Schienen-Alltag vor. „Einer hat schon von selbst erkannt, dass das nicht der richtige Job für ihn ist“, sagt Winkels. Insgesamt 35 Tage dauert die Ausbildung. Erst einmal kommt Theorie, danach Technik, dann geht’s direkt in den Verkehr. „Zuerst fahren wir mit unseren Schülern das ganze Straßenbahnnetz ab, damit sie sich richtig auskennen. Dann geht’s ins Führerhaus!

Am Ende der Ausbildung folgt ein zweiwöchiges Fahrtraining mit Prüfung. Nur die, die den Stress im Führerhaus auch aushalten und die Situation unter Kontrolle haben, kommen durch. „Erst danach entlassen wir sie in den regulären Dienst.“

Und warum für viele Autofahren der blanke Horror ist, hat der EXTRA TIPP vor einigen Wochen beschrieben.

Quiz: Wie gut kennen Sie sich im Straßenverkehr aus?

Klicken Sie sich durch die Bilderstrecke und testen Sie Ihr Wissen. © ra2 studio - fotolia.com
c.) ab 41 km/h zu viel
c.) ab 41 km/h zu viel © dpa
b.) Sackgasse für Kraftfahrzeuge, aber Fußgänger und Fahrradfahrer kommen weiter
b.) Sackgasse für Kraftfahrzeuge, aber Fußgänger und Fahrradfahrer kommen weiter © dpa
c.) 60 Meter. Es gilt die Faustformel: Abstand gleich halber Tacho
c.) 60 Meter. Es gilt die Faustformel: Abstand gleich halber Tacho © dpa
d.) Nein, bei Zuwiderhandlung drohen ein Bußgeld von 75 Euro und ein Punkt.
d.) Nein, bei Zuwiderhandlung drohen ein Bußgeld von 75 Euro und ein Punkt. © dpa
b.) 100 kmh/h
b.) 100 kmh/h © dpa
a.) Zwischen den beiden linken Spuren
a.) Zwischen den beiden linken Spuren © dpa
c.) 50 Meter
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a.) 8
a.) 8 © dpa
d.) Abbremsen und in Schrittgeschwindigkeit am Bus vorbei fahren
d.) Abbremsen und in Schrittgeschwindigkeit am Bus vorbei fahren © dpa
b.) 5 Meter
b.) 5 Meter © dpa
a.) Abschleppseil
a.) Abschleppseil © dpa
b.) nach 3 Minuten
b.) nach 3 Minuten © dpa
Na, wussten Sie alles?
Na, wussten Sie alles? © dpa

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