Der EXTRA TIPP-E-Rollercheck: Spielzeug oder Alternative?

Das Fortbewegungsmittel der Zukunft? EXTRA TIPP-Redakteur Oliver Haas testete den E-Scooter Moover von Metz. Foto: rz

Elektro-Tretroller sind seit Juni 2019 offiziell in deutschen Verkehr erlaubt. Die einen sind davon genervt, für andere ist´s eine tolle Alternative, um mobiler zu sein.

Elektrorad-Spezialist „Lautlos durch Rhein– Main“ hat EXTRA TIPP einen dieser Flitzer zum Testen ausgeliehen.

Region Rhein-Main – „Stehend zu stürzen sollte man nicht unterschätzen. Auch wenn ich nur 20 Stundenkilometer damit fahre“, warnt Guido Engel, Geschäftsführer von Engel Elektromobile „Lautlos durch Rhein-Main“ in Dreieich, als er mir den roten E-Tretroller der Firma Metz Moovers zum Testen aushändigt. Dieser kostet rund 2000 Euro und gilt als einer der derzeit besten in Deutschland. Ende September sollen auch noch ähnliche Modelle anderer Anbieter auf den Markt kommen. Engel hofft, dass diese dann für 700 Euro zu haben sind. Der EXTRA TIPP will das Fahrgefühl mit dem E-Tretroller testen. Ist es eine echte Alternative, um mobiler zu sein oder doch nur ein Spielzeug?

Die Reifen sind dicker als bei Leihrollern, die seit Juni etwa in Frankfurt überall bereitstehen. So fährt sich dieser über unebene Stellen angenehmer. Bevor ich mich ins Verkehrgetümmel wage, soll ich üben. Damit der Gashebel an der rechten Griffseite den Roller auf bis zu den erlaubten 20 Stundenkilometer beschleunigt, ist Muskelkraft angesagt. Denn: Mindestens vier Stundenkilometer muss der Roller Tempo aufnehmen, erst dann schaltet sich der Elektromotor an. Wie von Engel empfohlen, fahre ich zunächst „Achter“ in einer ruhigen Nebenstraße, die klassische Motorrad-Übung. Und ich merke: Das ist gewöhnungsbedürftig. Die Kurven kann ich nicht so eng fahren, wie ich eigentlich will. Ich muss mich immer wieder in Kurven mit einem Bein von der Trittfläche am Boden abstützen. Meine erste Erkenntnis deshalb: Einsteiger sollten erst gut üben, bevor es in den Verkehr geht. Auch das Bremsen, das immer mit Vorder- und Rückbremse gleichzeitig erfolgt, benötigt Übung. Stehend wippe ich bei starker Bremsung leicht nach vorne, stütze mich auf dem Lenker ab. Eine gute Körperspannung ist hier vorteilhaft.

Dann probiere ich die Falttechnik aus. Kleinen Hebel nach oben klappen, Lenkstange runterklappen, einziehen und einrasten lassen. Dann Schnalle drum. Dauert 30 Sekunden. Mit handlichen 100 mal 26 mal 64 Zentimetern lässt sich der gefaltete Roller tragen. 16 Kilo ist er schwer und passt in den Kofferraum. Aber lässt sich so auch problemlos im Linien-Bus mitnehmen.

In Offenbach angekommen, klappe ich ihn wieder auseinander und fahre den Radweg an der Waldstraße entlang. Nach einem Kilometer merke ich, wie angenehm es ist, mich mit durchgestrecktem Rücken bei Sonnenschein und 30 Grad fortzubewegen. Das Bremsen klappt auch immer besser. Und der Bremsweg ist angenehm kurz. Ich stelle aber auch fest: 20 Stundenkilometer sind relativ. Auf dem Roller wirken diese wesentlich schneller, als auf Fahrrädern. Von denen mich auch einige überholen. Mitten in der Offenbacher Innenstadt am Marktplatz wird der Verkehr immer dichter. Autos fahren knapp an mir vorbei. Der Gedanke zu stürzen schießt mit in den Kopf. Und noch etwas: Ich trage keinen Helm. Spätesten jetzt merke ich: Das war ziemlich dumm! Überraschend gut funktionierte die Anfahrt am Berg. Der Elektromotor hat genügend Power, hält die 20 Stundenkilometer problemlos. Und der Akku selbst wird in gut zweieinhalb Stunden an jeder normalen Steckdose wieder aufgeladen. Großer Minuspunkt sind die fehlenden Blinklichter. Denn „Handzeichen“ geben, wie beim Fahrradfahren, ist quasi unmöglich. Das Fazit: E-Tretrollerfahren macht Spaß. Strecken bis zu fünf Kilometer lassen sich gut bewältigen. Dennoch sollte das Gerät nicht unterschätzt und Fahren damit gut geübt werden. Und klar ist: Wer das Ganze als Spielzeug sieht, könnte dies, stehend gestürzt, bitter bereuen.

Von Oliver Haas

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