Expertin der Uni Frankfurt:

Das sind die besten Tipps gegen „Aufschieberitis“

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Steuererklärung, Anrufe und andere unangenehme Dinge: Oft wird Wichtiges aufgeschoben.
  • Oliver Haas
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Region Rhein-Main – „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“, so heißt´s im Kinderlied von 1766. Auch heute ist die „Prokrastination“, sprich das Aufschieben wichtiger Dinge, in aller Munde. Was dagegen hilft, erklärt Diplom-Psychologin Hanna Platzeck von der Uni Frankfurt. Von Oliver Haas 

„Aufschieberitis“ ist eine Krankheit, die vielen sehr vertraut ist. Experten sprechen dabei von Prokrastination. Und jeder weiß: Wer etwa die Steuererklärung, dringende Anrufe oder allgemein wichtige Aufgaben ständig verschiebt, setzt sich unnötigem Stress aus. Denn: Irgendwann muss es sowieso erledigt werden.

Warum wir ständig in die „Aufschieberitis-Falle“ tappen, weiß Diplom-Psychologin Hanna Platzeck von der Uni Frankfurt: „In der Regel liegt es daran, dass die Vermeidung sich mit der eigentlichen Aufgabe auseinanderzusetzen, zu einer kurzfristigen Erleichterung führt und wir uns besser fühlen. Oder aber die alternativ ausgeführte Tätigkeit ist angenehmer, und hat somit einen kurzen belohnenden Effekt.“ Da Menschen dazu neigen würden, sich gerne an den kurzfristigen Konsequenzen zu orientieren, zeige sich daran sehr gut, wie die Aufschieberitis-Falle zuschnappt. „Es gibt aber auch das sogenannte ,self-handicapping´. Das bedeutet, wenn in einer bestimmten Situation ein mögliches Versagen angenommen wird, dann werden Behinderungen bei der Zielerreichung teilweise aktiv gesucht. Somit können diese bei Misserfolg als Erklärung und Entschuldigung benutzt werden“, erklärt Platzeck. Das sei hilfreich für unseren Selbstwert, da wir schlechte Leistung somit nicht als Folge mangelnder Kompetenzen, sondern als Folge ungünstiger Umstände ansehen können. Doch wie umschifft man nun diese Falle? Die Diplom-Psychologin, die in der Uni auch Workshops zum Thema Prokrastination anbietet, zeigt hier die wichtigsten fünf Tipps:

1. Zielsetzung:

Was ist mein Ziel? Dieses sollte möglichst konkret formuliert werden. Bei größeren Zielen, beispielsweise Projekten, ist es hilfreich, diese in kleinere Etappenziele herunterzubrechen.

2. Belohnungen zur Motivation:

Vor Beginn der Planung ist es hilfreich, sich zu überlegen: Wie und mit was möchte ich mich für mein Arbeiten belohnen?

3. Realistisch planen:

Wenn wir die Zeit, die wir zur Verfügung haben, überschätzen, dann sind wir immer wieder frustriert, weil wir nicht das schaffen können, was wir uns vorgenommen haben.

4. Umgang mit Ablenkungen:

Hierzu gehört etwa eine arbeitsförderliche Arbeitsplatzgestaltung. Ebenso ist es hilfreich, dass wir das, womit wir uns üblicherweise ablenken, bewusst als Belohnung für getane Arbeit einsetzen.

5. Nicht auf Perfektion warten:

Viele denken, dass sie erst den perfekten Zustand erreichen müssen, um mit einer Aufgabe endlich loszulegen. Also ausgeschlafen zu sein, aufgeräumt zu haben, sich motiviert zu fühlen, mehr zu einem Thema zu wissen. Aber das ist unnötig. Schon vorher sollte man sich ans Werk machen.

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