Kapuziner-Mönch Bruder Paulus aus Frankfurt über die guten Taten in der Adventszeit

„Essen ist das, was Obdachlose wirklich am wenigsten brauchen!“

Bruder Paulus im Gespräch mit einem Obdachlosen auf der Zeil. Foto: Sven Moschitz/nh

Ob gratis Pizza an Nikolaus, Gänsebraten im Römer oder ein kostenloser Haarschnitt: In der Adventszeit wird für Obdachlose viel getan. „Das ist schön, aber nicht nachhaltig“, sagt Kapuziner-Bruder Paulus Terwitte. Auch im Restjahr ist Hilfe nötig. Von Oliver Haas

Region Rhein Main – In der Adventszeit wird mit viel Herz und gutem Willen reichlich für Obdachlose getan. Eine Pizzeria aus dem Kreis Offenbach spendiert zu Nikolaus Pizza. Schon traditionell ist das große Weihnachtsessen für Obdachlose im Römer, wo allerlei Promis sich für die gute Sache engagieren, eifrig Gänse und Klöße servieren. Und eine ganze Reihe von Frisören spendiert Obdachlosen einen Gratis-Haarschnitt.

Kapuziner-Mönch Bruder Paulus kümmert sich im Franziskustreff nahe der Hauptwache das ganze Jahr über um Obdachlose. Er weiß, warum aktuell viel geholfen wird: „Die Weihnachtszeit aktiviert zu Taten der Nächstenliebe. Diese Zeit ist ja auch eine Trainingszeit dafür. Darum finde ich das natürlich gut.“ Allerdings sagt er auch: „Essen zu geben ist sehr praktisch, aber obdachlose Menschen brauchen mehr. Darum könnten Firmen und Vereine nachhaltiger helfen.“ Daher bieten er und seine karitative Organisation Privatleuten, Firmen oder Vereinen an, einen obdachlosen Menschen das ganze Jahr über zu begleiten. „Helft uns, eine Wohnung zu finden, oder stellt uns eine zur Verfügung. Wir werden die Mieter, der Obdachlose wird Untermieter und der Verein, die Firma oder mehrere finanzieren sie. Die Franziskus-Stiftung sorgt dafür, dass ein Obdachloser wieder anfängt, in der Gesellschaft Fuß zu fassen.“ Für Bruder Paulus sei nachhaltige Hilfe für Obdachlose entscheidend – weniger die geballte Hilfe in der Vorweihnachtszeit. Dabei hofft er, dass Firmen kreativ handeln und ungewöhnliche Wege gehen. „Eine Firma könnte mal ausdrücklich einem Obdachlosen ein Arbeitsangebot machen und auch einkalkulieren, dass er nicht sofort jeden Tag oder die ganzen acht Stunden kommt“, sagt der Ordensmann. „Sie sind nicht nur bedauernswert, man kann auch viel von ihnen lernen. Firmen könnten so jemanden etwa als einen Experten für die Notlagen des Lebens annehmen.“ Er weiß, dass viele Firmen sich scheuen: „Natürlich erscheint es erstmal nicht so einfach, einen Obdachlosen einzustellen. Wir oder die Caritas bieten an, den Kontakt herzustellen und beim Prozess zu helfen.“ Helfen müsse eben kreativ sein, damit es nachhaltig etwas bringe. Paulus: „Essen ist das, was Obdachlose wirklich am wenigsten brauchen!“ Sie benötigten vielmehr eine sichere Bleibe. Das könne bei einer Gartenlaube anfangen bis zu einer offenen Garage. „Sie brauchen auch Bekleidung. Und mal ein Schließfach für ihre Sachen. Vielleicht könnte jemand auf seinem Grundstück fünf Schließfächer hinstellen und das für Obdachlose anbieten“, regt er an. Obdachlose Menschen hätten oft das Gefühl, dass man ihnen etwas aufdrücken will, was man sich selbst als gute Tat vorgestellt hat. „Deshalb bleibt es meistens beim Essen. Da glaubt man, nicht viel verkehrt machen zu können“, sagt Paulus. „Aber da haben schon Spender ihr blaues Wunder erlebt, wenn Obdachlose das Essen gar nicht wollten.“

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