Seit zehn Jahren gehen die Bad Homburger „Einradblitze“ auf Torejagd

Einradhockey: 100 Stunden Übung reichen nicht aus

Fast wie Hockey, aber mit noch mehr Bewegung in Hüfte und Oberkörper: Die artistische Sportart „Einradhockey“. Foto: oh

Der Sport ist blitzschnell und ein Musterbeispiel für Team- und Sozialverhalten: Seit zehn Jahren schießen die „Einradblitze“ Tore für Bad Homburg. Der EXTRA TIPP hat beim Training vorbeigeschaut und sich die Sportart erklären lassen. Von Oliver Haas

Bad Homburg – Dirk Piatkowski trainiert die Bad Homburger Einradhockeygruppe „Einradblitze“. Vor allem aus Sicht eines Pädagogen schwärmt er von diesem Sport: „Hier spielen Selbst- und Teamorganisation, das Testen eigener Grenzen, Sozialverhalten und das Entdecken eigener Stärke eine große Rolle.“ Gerade bei der Arbeit mit Jugendlichen sei dies wertvoll. Der Spaß stehe allerdings im Vordergrund: „Es ist ein Sport, der aus der Artistik entstanden ist und aus der Jonglier- und Zirkusszene kommt“, sagt Piatkowski.

Die Sportart sei mit normalem Hockey zu vergleichen. „Es stehen sich immer fünf gegen fünf Spieler gegenüber. In der Hand hat jeder einen normalen Hockeyschläger. Allerdings ist der Ball ein nicht mehr ganz so frischer Tennisball. Deshalb dürfen auch hohe Bälle gespielt werden.“ Die Tore stehen wie beim Eishockey eingerückt im Feld, das Spielfeld hat meist Turnhallengröße, also zirka 25 mal 45 Meter. Dazu sind bei Turnieren Banden aufgestellt. „Einradhockey ist ein sehr körperloses Spiel. Es gibt ein strenges Regelwerk, das die Sicherheit der Spieler im Blick behält“, erklärt Piatkowski. Heißt: Jeglicher Kontakt am Rad oder am Schläger der Spieler ist untersagt. Wer es doch tut, kann von den beiden Schiedsrichtern mit Strafecken, Penaltys oder einem 6,50-Meter-Schuss bestraft werden.

Größte Herausforderdung dieses Sportes ist das Einradfahren selbst. „Als Faustregel gilt, dass ein Erwachsener etwa 100 Stunden braucht, um Einradfahren zu beherrschen. Wenn er dann allerdings einen Schläger in die Hand bekommt, dann geht es wieder von vorne los“, sagt der Trainer und lacht. Denn: Der Einradfahrer muss neben der Balancegeschicklichkeit und Mikrobewegungen in Hüfte und Oberkörper den Schläger unabhängig davon bewegen. „Das meiste davon ist rational nicht erlernbar, sondern braucht sehr viel Übung.“ Kinder lernen die Sportart viel schneller als Erwachsene. „Ältere denken oft viel zu viel nach, anstatt es einfach zu machen.“ Und es ist laut Piatkowski ein relativ sicherer Sport. „Bei einem Sturz landen die Spieler meistens auf den Füßen. Es ist sehr selten, dass sich jemand verletzt.“

Etwa 80 offizielle Teams gibt es derzeit in Deutschland. Das Besondere ist, dass alle Mannschaften sowohl alters- als auch geschlechtergemischt spielen. „Auch darüber hinaus sind die Spieler sehr unterschiedlich. Wir haben drahtige-sportliche und pummelige Spieler. Da ist alles dabei.“ Pro Jahr werden fünf Turniere gewertet, die von den Teams jeweils selbstständig organisiert und in einer Tabelle festgehalten werden. „Dabei wird das Ranking durch ein bestimmtes Punktesystem ermittelt. Für einen Sieg gegen stärke Teams gibt es mehr Punkte“, erklärt Trainer Piatkowski.

Und dass die Bad Homburger Einradblitze ihren Sport beherrschen, zeigt die Tatsache, dass einige Spieler sogar zur Einrad-Europameisterschaft Ende Juli in die Niederlande fahren.

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