Tag der Jogginghose: Stil-Experte Andreas Rose über den Wandel der Schlabberhose

„Ein Fashion-Statement der Hipster-Generation“

Andreas Rose Foto: Weise Kommunikation/nh

Früher wurde sie nur beim Sport oder auf der Couch angezogen: Am 21. Januar wird beim zehnten internationalen Tag der Jogginghose dazu aufgerufen, das bequeme Beinkleid überall in der Öffentlichkeit zu tragen. Von Dirk Beutel

Der Frankfurter Stilcoach Andreas Rose erklärt, wie salonfähig die Jogginghose mittlerweile ist und wie sehr die Grenzen zwischen Mode und Sport verwischt sind.

Herr Rose, bei welchen Gelegenheiten tragen Sie eine Jogginghose?

Wenn ich mit meinem Hund im Wald unterwegs bin und als Sporthose.

Wenn Kleider Leute machen, was macht dann eine Jogginghose aus mir?

Eine These ist, dass die Bereitschaft des modernen Menschen wächst, sich den Sport buchstäblich anzuziehen, je weniger er tatsächlich körperlich aktiv ist oder Sport treibt.

Modezar Karl Lagerfeld sprach über Jogginghosen als modischen Kontrollverlust. Aber laut einer Umfrage könnten sich junge Menschen sogar vorstellen, mit ihr ins Büro zu gehen.

Die Jogginghose war einst gleichbedeutend mit der Kapitulation des guten Stils. Neben den bekannten Sweathosen, deren Optik genauso bequem ist wie ihr Material, gibt es inzwischen Jogginghosen, die man nicht nur zum Sport oder zuhause tragen kann. Diese nennen sich Track-Pants oder Tracksuit-Hosen und passen in den Alltag genauso wie in die Abendgarderobe oder ins Büro. Sie sind eine modische Weiterentwicklung und zeichnen sich durch eine sportiv-elegante Optik aus.

Das gängige Image der Jogginghose rangierte bisher zwischen prollig und phlegmatisch.

Wurde die Jogginghose einst nur auf der heimischen Couch oder beim Sport getragen, erobert sie heute die Laufstege vieler Haute-Couture-Designer. Die Kombination aus Jogginghose und Kapuzenpulli kann wie eine Haushose „prollig-faul“ wirken. Aber sind diese Trend-Hosen überhaupt noch Jogginghosen? Übereinstimmung besteht wegen ihrer typischen Merkmale: Wohlfühlfaktor, bequeme Passform, Seitentaschen, Dehnbund. Dagegen unterscheiden sie sich grundlegend bei den Kriterien Optik und Material. Auch der gesellschaftliche Kontext, in dem ein Kleidungsstück getragen wird, verändert es.

Kann auch ein Senior in einer Jogginghose cool daherkommen?

Jogginghosen sind etwas für jedermann. Doch nur Fashion-Profis nimmt man diesen Look tatsächlich ab. Kräftige und untersetzte Figuren sollten die Finger davon lassen, denn der Look kann schnell kippen.

Gibt es denn eine Gelegenheit oder eine Veranstaltung, bei der man eine Jogginghose guten Gewissens anziehen kann, ohne verächtliche Blicke zu ernten?

Schöner Stilbruch oder Fashion Fauxpas? Die Übergänge zwischen Jogginghosen, Track-Pants und eleganten Stoffhosen können mitunter fließend sein, das Angebot ist enorm. Das Design moderner Track-Pants ist in der Regel eleganter als das klassischer Jogginghosen. Auch das Material ähnelt oft eher schicken Business- als gemütlichen Sweathosen.

In welchen Stil-Kombinationen kann man mit einer Jogginghose richtig Eindruck machen?

Die moderne Jogginghose verlangt bei Frauen nach schmalen Kombi-Partnern, also keine weiten Blusen und Oversize-Tops anziehen, sondern figurbetonte Oberteile, viel Schmuck dazu und ein kurzgeschnittenes Sakko wählen. High Heels verlängern das Bein und machen den Look auch am Arbeitsplatz salonfähig. Bei Männern im Sinne von lässigem Streetstyle geht es eher sportlich zu. Ein schöner Stilkontrast für sportliche Alltags-Looks: Man kombiniert Lederjacke und Boots zur Joggpants. Der Rockstar-Look komplettiert eine schwarze Lederhose im Sweatpants-Stil mit schmalem Hemd und klassischem Schuhwerk sowie ausgefallenen Accessoires. Die lässige Hip-Hop-Version sorgt im Mix mit Bomberjacke und Metallic-Sneakers für ein Fashion-Update.

Wie salonfähig ist der Athleisure-Trend und was genau verbirgt sich dahinter?

Sportliche Outfits sind in den vergangenen Jahren zu einem echten Fashion-Statement avanciert, die Grenzen von Sport und Mode verwischen. Hinter dem Modebegriff Athleisure verbirgt sich eine Kombination aus den englischen Worten „athletic“, also sportlich, und „leisure wear“, was soviel bedeutet wie Freizeitkleidung. Und das bedeutet es auch: Funktionale Sportkleidung alltagstauglich stylen.

In welchen beruflichen Branchen kann sich dieser Trend durchsetzen?

Athleisure wird nicht nur in der Freizeit getragen. Allerdings ist der elegante Sportschick als Business-Look in Banken, Versicherungen oder Kanzleien eher verpönt. Auf jeden Fall jobtauglich ist er in kreativen Berufen oder Agenturen. Modische Stilsicherheit und ein gewisses Fingerspitzengefühl sind Voraussetzung.

Können Sie sich vorstellen, dass die Jogginghose eines Tages eine nachhaltige Wirkung auf die Modewelt haben wird?

Die Jogginghose gilt als Fashion-Statement der Hipster-Generation. In den vergangenen Jahrzehnten rückte die Jogginghose schon oft in den modischen Fokus. Als die Jogginghose in den 1920er-Jahren erfunden wurde, war sie Sportlern vorbehalten. Bereits Kultfaktor erreichte der taubenblaue Sportanzug des früheren Fußballtrainers Helmut Schön. Jane Fonda machte Sweatpants in den 1980er Jahren mithilfe ihrer TV-Fitness-Programme populär. In den 1990er Jahren wurde die Jogginghose durch verschiedene Musikstile zum Alltagskleidungsstück. Die Spice Girls und Eminem trugen Sporthosen auf ihren Konzerten. Besonders im Hip-Hop-Bereich wurde ganz bewusst ein proletarischer Touch und das sogenannte Pimping bis hin zum Kult zelebriert. Die dabei getragenen Sportanzüge sind meist Baggystyle getragen: Tief sitzend und oversized. Heute sind von Jogginghosen inspirierte Styles in Verbindung mit anspruchsvoller Freizeitkleidung und sportlichen Akzenten gesellschaftsfähig geworden.

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