EU plant Mikroplastik-Verbot: Vereine bangen um Kunstrasenflächen

Droht Sportplätzen in Rhein-Main jetzt das Aus?

Auch der neue Kunstrasenplatz in Dietzenbach hat Gummigranulat verbaut. Foto: jo

Die EU plant ab 2022 Stoffe, die besonders viel Mikroplastik abgeben, zu verbieten. Das hätte auch Auswirkungen auf Fußballvereine in Rhein-Main. Grund ist das Gummigranulat auf den meisten Kunstrasenplätzen. Die Folgen des Verbots wären fatal. Von Julia Oppenländer

Region Rhein-Main – Der neue Kunstrasenplatz in Dietzenbach ist gerade erst eröffnet worden – aber schon jetzt blickt man in der Kreisstadt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Denn wie auf einem Großteil der laut DFB mehr als 6000 Plätzen bundesweit liegt auch hier Gummigranulat. Genau das aber plant die EU ab 2022 zu verbieten. Das Granulat sei eine der größten Quellen für Mikroplastik und damit höchst umweltschädigend, wenn es über die Luft oder Regen in die Meere gelangt. Das teilte die Europäische Chemikalienagentur in einem Bericht mit.

„Kein Beteiligter hat zum Zeitpunkt der Planungen für den Kunstrasenplatz diese Entwicklung vorhergesehen“, sagt Michael Würz, Technischer Leiter der Städtischen Betriebe Dietzenbach mit Blick auf ein mögliches Granulat-Verbot. Viele Jahre hatten Vereine der Kreisstadt um den Bau des Kunstrasenfelds gekämpft, um zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter einen bespielbaren Platz zu haben. Rund 830.000 Euro hat der Bau verschlungen. Normalerweise halten Kunstrasen etwa zwölf bis 15 Jahre.

Auch in anderen Städten setzt man sich inzwischen mit der Problematik auseinander. In Offenbach wären sechs Kunstrasenplätze betroffen. „Eine Sperrung der teuer angelegten Plätze wäre auch für die Sportvereine, die diese Plätze nutzen, völlig unverhältnismäßig“, sagt Regina Preis, Sprecherin der Stadtwerke Offenbach. In Frankfurt wiederum wären sogar 39 Groß- und 38 Kleinspielfelder betroffen. Auf allen liegt eine Sand- Gummigranulatmischung. „Wir gehen aber davon aus, dass der Trainings- und Spielbetrieb der rund 100 Fußballvereine in der Stadt durchgehend aufrecht erhalten werden kann“, sagt Marcus Benthien vom Sportamt Frankfurt. Sechs aktuell im Bau befindliche Kunstrasenplätze werden trotzdem nur mit einer Sandverfüllung errichtet. Liegt das Granulat erstmal, wird’s teuer: „Ein Wechsel auf eine Alternative kann bis zu 300.000 Euro kosten.“

Darauf würde man aber auch in Dietzenbach notfalls zurückgreifen, wie Michael Würz sagt: „Der Platz im Waldstadion ist so neu, dass es im Ernstfall reichen würde, das Granulat auszutauschen und eventuell durch Quarzsand und Kork zu ersetzen. Das bedeutet Aufwand, arbeitsmäßig und finanziell, ist aber machbar.“

Auch Dreieich hat gerade erst einen neuen Kunstrasenplatz in Dreieichenhain eröffnet. Hier setzte man aber bereits auf die Gummigranulat-Alternativen Quarzsand und Kork. Auf zwei weiteren Plätzen allerdings laufen die Sportler noch auf Granulat. Die Kosten einer Sanierung würden sich hier zwischen 180.000 und 350.000 Euro bewegen, wie der Magistrat Ende Juni auf eine Anfrage der Grüne-Fraktion zu diesem Thema mitteilte. Allerdings käme der Stadt hier wiederum eine mögliche Übergangszeit von sechs Jahren für die Umsetzung des Mikoplastik-Verbots zugute. Die fordern der für den Sport zuständige Innenminister Horst Seehofer und der Deutsche Fußballbund und der Deutsche Olympische Sportbund. Zwischen 2021 und 2025 würden in Dreieich sowieso die Sanierungen der Kunstrasenplätze in Sprendlingen und Offenthal anstehen. Auch hier wäre Quarzsand dann eine mögliche Alternative zum Gummigranulat.

Um zumindest kurze Sportplatz-Sperrungen kämen die Städte bei diesem Verbot aber vermutlich nicht herum. „Die würden immer alle Vereine treffen, die den Kunstrasenplatz nutzen“, sagt Lukas Hohmann, Sprecher des TV Dreieichenhain. „Der Kunstrasen wird gerade im Sommer zu den Vorbereitungen fast durchgehend bespielt. Und auch an Spieltagen während der Saison findet oft ein Spiel nach dem nächsten statt. Fällt dieser Austragungsort weg, hätten wir Vereine ein Platzproblem.“

Trotzdem will man in Rhein-Main nicht in Panik verfallen. Michael Würz: „Wir müssen erstmal abwarten, was tatsächlich für die Zukunft beschlossen wird.“ Und auch Regina Preis von den Stadtwerken Offenbach sagt: „Wann ein solches Verbot eintreten soll und ob es für bestehende Plätze einen Bestandsschutz geben wird, ist noch völlig unklar.“ Denn noch führt die Europäische Chemiekalienagentur weitere Untersuchungen durch, im kommenden Jahr sollen Stellungnahmen von Experten vorliegen. Die werden im Anschluss überprüft. Dann erst macht die EU-Kommission einen Vorschlag, der von den Mitgliedsstaaten beraten wird.

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