Bad Homburg

„Drauf geschissen!“: In dieser Ausstellung geht’s ums Klo

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Ein Möbelstück mit Tiefgang: Carsten Amrhein, Direktor des Römerkastells Saalburg, mit einem Klo, versteckt in einer Kommode, um 1900.

Im Römerkastell Saalburg in Bad Homburg dreht sich seit Freitag alles ums Klo: „Drauf geschissen!“ heißt die neue Sonderausstellung, die sich der Geschichte des stillen Örtchens widmet. Von Kristina Bräutigam

Bad Homburg – In den altehrwürdigen Mauern des Römerkastells Saalburg in Bad Homburg geht es ab sofort um die Wurst. „Drauf geschissen!“ lautet der Titel der Sonderausstellung, die sich der Geschichte des stillen Örtchens und des Stuhlgangs widmet – vom gemauerten Sitzklosett der Antike über die derben Donnerbalken bis zum modernen Klo mit Massagefunktion und Sitzheizung. „Wir sind uns bewusst, dass der Titel provokant ist. Trotzdem wollen wir das Thema mit Seriosität darstellen“, sagt Carsten Amrhein, Direktor des Römerkastells Saalburg.

Auch Giacomo Casanova, venezianischer Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, findet sich in der Ausstellung wieder.

Geschmunzelt werden darf trotzdem, etwa über den Miniatur-Nachttopf mit der Aufschrift „Warme Würstchen“ aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, einen Stahlhelm aus dem Ersten Weltkrieg, der zum Gülleschöpfer umgearbeitet wurde, oder die sogenannten Scheißnasen. Diese Aborterker mit Sitzvorrichtung an der Außenmauer ermöglichten es den Menschen im Mittelalter, ihre Fäkalien in die Tiefe fallen zu lassen.  Zu den rund 150 Exponaten gehören auch die „Kackstühle“ in Gestalt wertvoller hölzerner Kommoden, die der Adel im 18. und 19. Jahrhundert für die Verrichtung der großen und kleinen Geschäfte anfertigen ließ. Das beeindruckendste Objekt dieser Reihe gibt es allerdings nur auf Fotos zu sehen: Einen gewaltigen Holzschrank im Homburger Schloss, in den sich Kaiser Wilhelm II. einen kleinen Raum mit Wasserklosett einrichten ließ. 

Neben der Gestaltung des stillen Örtchens zeigt die Ausstellung auch die unterschiedlichen Arten der Benutzung. Eine davon: Die antike römische Methode, bei der ein Schwamm auf einen Stock gesteckt und so das Hinterteil gereinigt wurde. Dass die Ausstellung, die eine Kooperation mit der „Staatlichen Schlösser Burgen und Sachsen GmbH“ ist, auch in Bad Homburg kein Griff ins Klo wird, davon ist der Saalburg-Direktor überzeugt. „Der Mensch verbringt im Schnitt vier Jahre auf dem stillen Örtchen. Das Thema betrifft und interessiert einfach jeden.“

Die fortschrittliche Infrastruktur zur Abwasserbeseitigung der römischen Großstädte hätten ihn am meisten beeindruckt, sagt Carsten Amrhein. Trotzdem: „Bei allem Respekt vor diesem ausgeklügelten Kanalsystem bin ich doch froh, dass wir heute ein modernes Wasserklosett haben und einfach alles wegspülen können.“

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