Schwere Sturmschäden

Dietzenbach: Friedwald-Bäume umgeknickt - jetzt wird auf dem Natur-Friedhof aufgeräumt

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Martin Glaser steht in dem Teil des Friedwalds Dietzenbach, der besonders stark vom Sturm getroffen wurde.

Im Friedwald in Dietzenbach werden Tote an den Wurzeln von Bäumen bestattet. Diese werden so zum Erinnerungsort für Angehörige. Doch der August-Sturm hat diese tröstende Vorstellung brutal zerstört: Mehr als 50 Bäume sind umgeknickt!

Region Rhein-Main – Der heftige Sturm am 18. August hat das Bild des Friedwalds in Dietzenbach für immer verändert. Vor allem der Bereich am Parkplatz wird schwer getroffen: 52 Bestattungsbäume sind so stark zerstört, dass sie entfernt werden müssen. An 32 von ihnen wurden schon Menschen beerdigt, an den restlichen waren Beisetzungen geplant.

„Als wir am Montagmorgen nach dem Sturm hier ankamen und die Zerstörungen gesehen haben, war das ein emotionaler Moment“, sagt Martin Glaser, während er auf abgeknickte und schiefe Bäume und riesige Asthaufen blickt. Glaser ist zuständiger Betreuer für den Friedwald. Als Förster sind solche Naturereignisse für ihn erstmal nichts Ungewöhnliches – doch er kennt die besondere Bedeutung des Friedwalds für seine Besucher. „Menschen können sich hier naturnah unter Bäumen bestatten lassen. Für die Angehörigen werden diese dadurch zu einem Trauerbezugspunkt, mit dem sie zum Beispiel durch Berührungen Kontakt aufnehmen.“ Diese Bezugspunkte sind nun für immer zerstört.

„Die Schäden waren so schwer, dass wir den Betrieb des Friedwalds für knapp zwei Wochen eingestellt haben“, sagt Martin Glaser. Seine Gedanken sind in dieser Zeit oft bei den Angehörigen. „Ich dachte mir, dass die Leute sehr betroffen sein werden.“ Aber er wird überrascht: „Viele sahen die Schäden und sagten dann ,Schade um den Baum, aber das ist eben Natur’.“

Auch auf den Andachtsplatz stürzte ein Baum. Dieser wurde aber schnell zersägt und entfernt, die Bänke blieben heil.

Inzwischen hat die Friedwald-Verwaltung auch alle Betroffenen persönlich kontaktiert. „Wir planen mit ihnen individuelle Lösungen“, sagt Friedwald-Sprecherin Carola Wacker-Meister. Bedeutet: Falls noch niemand beigesetzt wurde, können Betroffene an einem anderen Baum bestattet werden. Ansonsten ist eine Zuordnung der Verstorbenen zu einem intakten, daneben stehenden Baum vorgesehen, oder aber es wird ein bis zu drei Meter hoher, neuer Baum gepflanzt. Wo es möglich ist, bleibt aber auch ein Teil des zerstörten Baumes stehen. „Hier entsteht dann millionenfach neues Leben“, erklärt Martin Glaser. „Vögel brüten darin und Insekten nisten sich ein – ein Kreislauf ganz im Sinne der Friedwald-Idee.“

Doch erst mal gilt es, weiter für Ordnung zu sorgen. „Im Gegensatz zu normalen Wäldern, soll hier möglichst schnell wieder Normalität herrschen“, sagt der Förster.

Bis Ende des Jahres dauern die Aufräumarbeiten aber noch, dann sei der Friedwald wieder einigermaßen hergestellt. Glaser: „Im Januar laden wir alle Betroffenen noch mal hierher ein, da ist auch ein Seelsorger vor Ort. Der Sturm muss ja nicht nur im Wald, sondern auch bei den Menschen aufgearbeitet werden.“

Von Julia Oppenländer

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