Susanne Hippauf kennt tausende Nachkommastellen der Zahl Pi auswendig

Diese Offenbacherin ist Rhein-Mains Superhirn

Susanne Hippauf war auch schon in einer Show von Kai Pflaume zu Gast. Foto: privat/nh Gedächtniskünstlerin Susanne Hippauf hat schon jede Menge Pokale gewonnen. Foto: jo

Susanne Hippauf kann sich (fast) alles merken. Die Polizistin aus Offenbach ist Gedächtniskünstlerin und nimmt regelmäßig an Wettbewerben teil. Ihre größte Stärke: Sie kann tausende Nachkommastellen der Zahl Pi auswendig – so gut wie keine andere Frau weltweit. Von Julia Oppenländer

Region Rhein-Main – Einkaufszettel schreibt sie schon lange nicht mehr – aus Prinzip. Susanne Hippauf nutzt jede Gelegenheit, um ihr Gehirn zu trainieren. Die Offenbacherin ist Gedächtniskünstlerin. Regelmäßig nimmt sie an Wettbewerben teil. Und das ziemlich erfolgreich. Ein Zufall ist es, der Ende 2015 das Leben der 38-Jährigen ganz schön durcheinander wirbelt. Sie liest ein Buch über Gedächtnistraining – und probiert ein paar der Techniken aus. „Da habe ich plötzlich gemerkt, dass ich ein bisschen Talent habe und mir gut Dinge merken kann.“ Ein paar Monate später nimmt Susanne Hippauf an ihrem ersten regionalen Gedächtnis-Wettbewerb teil. Es folgen die Deutsche und Europäische Meisterschaft. Doch im Laufe der Zeit stellt die Offenbacherin fest, dass sie eine Leidenschaft hat: Die Kreiszahl Pi und ihre unendliche Anzahl an Nachkommastellen. Sogar spezielle Wettbewerbe gibt es, bei denen Teilnehmer die Zahl mit so vielen Nachkommastellen wie möglich aufsagen müssen. Im vergangenen Jahr geht auch die 38-Jährige bei einer Pi-Meisterschaft an den Start. Hier bricht sie mit 11.104 Nachkommastellen auf Anhieb den deutschen Rekord – und wird gleichzeitig beste Frau der Welt im Pi-Memorieren. „Das war bislang mein schönster Sieg“, sagt sie heute. „An der Kreiszahl hängt einfach mein Herz.“ Der deutsche Rekord wurde im vergangenen September mit 15.320 Stellen zwar gebrochen, doch den Titel als Weltrekordhalterin der Frauen hat ihr bislang keiner streitig machen können.

Ihre Merk-Technik kann übrigens jeder anwenden und hat relativ wenig mit Mathe zu tun. „Der einfachste Tipp ist, eine bekannte Route im Kopf abzugehen, zum Beispiel in der Wohnung. An dieser legt man dann Begriffe ab, wie vom Einkaufszettel.“

Auch in Beruf hilft der Oberkommissarin der Polizei Frankfurt ihr hervorragendes Gedächtnis. „Es ist schon praktisch, dass ich mir Gesichter, Namen, Ereignisse oder Kennzeichen gut merken kann, weil ich sie gleich nach meinem System codiere“, sagt sie. „Manchmal merke ich mir auch unbewusst Details, die mir dann Monate später wieder einfallen.“ Aber auch Infrastrukturen, Straßen und RMV-Verbindungen hat die 38-Jährige abgespeichert. „Das hat schon Vorteile als Polizistin.“

Aktuell bereitet sich Susanne Hippauf auf die Deutschen Gedächtnismeisterschaften Ende Juli in Tuttlingen vor. Hier tritt die Offenbacherin in allen zehn Disziplinen an, zum Beispiel dem Spielkartenmarathon, bei dem sich die Teilnehmer möglichst viele gemischte Spielkarten in der richtigen Reihenfolge einprägen müssen. Hilfe beim Lernen bekommt sie von ihrem Freund. Auch er ist Gedächtnissportler und kommt aus Kopenhagen, tritt für Dänemark bei Wettbewerben an. Bei einem dieser haben sich die zwei auch kennengelernt. Gemeinsam lernen sie, trotz der Entfernung, abends für die nächsten Gedächtniswettkämpfe. Allerdings will sich das 38-jährige Superhirn selbst nicht zu sehr unter Druck setzen: „Der Gedächtnissport ist immer noch ein Hobby. Auch wenn ich da sehr ehrgeizig bin, will ich vor allem weiterhin Spaß daran haben.“ Mitte Juni erst war sie bei Kai Pflaume in der Fernseh-Show „Kaum zu glauben“ zu Gast. „Mein Vater ist ziemlich stolz auf mich und auch meine Freunde finden das super.“ Doch die Offenbacherin gibt lachend zu: „Manchmal vergesse ich natürlich auch was. Dann darf ich mir von Kollegen und Freunden schon ein paar blöde Sprüche anhören.“

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