Fridays-for-Future-Protest: Schüler Luca Peters über die Ängste der jungen Generation

„Denke ich an die Zukunft, sehe ich eine sterbende Welt“

Zwischen den Bankentürmen demonstrieren Schüler in Frankfurt für eine bessere Zukunft: Beim „Fridays for Future“ wollen sie ein Zeichen für den Umweltschutz setzen. Foto: Faure

Seit die schwedische Schülerin Greta Thunberg zum Schulstreik aufrief, demonstrieren zehntausende Schüler in Deutschland gegen den Klimawandel. Der 18-jährige Schüler Luca Peters gehört zu den Organisatoren der Demo „Fridays for Future“ in Frankfurt. Von Dirk Beutel

Er kämpft für eine solidarischere Welt und einen besseren Schutz des Klimas.

Herr Peters, sehen Sie tatsächlich Ihre eigene, persönliche Zukunft in Gefahr und warum?

Meine eigene Zukunft in Gefahr zu sehen, ist auf keinen Fall spaßig. Wenn ich heute an die Zukunft denke, dann sehe ich eine sterbende Welt. Eine Welt, in der der Sommer, wie das Leben, kaum noch zu ertragen ist. Und das, weil Menschen so furchtbar selbstsüchtig und uneinsichtig sein können. Ich will nicht in einem Staat leben, in dem mein Leben, das Leben meiner und der folgenden Generation, weniger wert ist, als Geld – und das von wenigen. Ein Kohleausstieg im Jahr 2038 darf keine Option sein. Nicht in einem Staat, der fortschrittlich sein will und erst recht nicht in einem Staat, der ein Vorbild sein will.

Was könnten die Demos von „Fridays for Future“ daran ändern?

Wir können an Pflichten erinnern, die vernachlässigt werden. Wir können und werden Leute verantwortlich machen, wofür sie verantwortlich sind. Sei es in der Klima-Politik, in der ein neuer, radikaler Kurs eingeschlagen werden muss, oder in der Wirtschaft, wo Strafen für Betrug und rücksichtsloses Verhalten auferlegt werden müssen. Die Autoindustrie ist hier nur die Spitze des Eisbergs.

Wann soll es die nächsten Demos geben und wo?

Alle weiteren Demonstrationen werden, bis auf wenige Ausnahmen, umzehn Uhr an der Bockenheimer Warte beginnen und auf dem Römerberg enden.

Haben Sie keine Befürchtung, dass das Interesse bald wieder abflachen wird, die Probleme rund um den Klimaschutz aber weiter bestehen bleiben?

Das Interesse darf nicht abflachen. Sollte es so weit kommen, dann werden wir uns mit den nötigen Mitteln dagegen zur Wehr setzen.

Wie organisieren sich eigentlich die Schüler für die Fridays-Demos in Frankfurt?

Es gibt eine organisatorische Gruppe, die sich um die Planung, die Werbung und um Fragen von Presse und Politikern kümmert und alles Wichtige an alle Mitstreiter weiterleitet. Wir bemühen uns dabei, so transparent wie möglich zu bleiben und deshalb sind die Türen der Organisation nicht felsenfest verschlossen. Hilfe nehmen wir gerne an und Wünsche versuchen wir bestmöglich umzusetzen.

Wie viele waren bisher dabei?

Wir waren bis zu tausend Leute und können auf ein stetiges Wachstum setzen. Ich kann nur sagen, wie stolz es mich macht, ein Teil dieser Jugend zu sein, die weltweit jeden Freitag auf die Straße geht, um unsere Welt zu retten.

Seit Wochen demonstrieren in Hessen jeden Freitag Schüler für mehr Klimaschutz, auch zu Unterrichtszeiten. Schüler haben aber kein Streikrecht. Wie lange soll das noch so gehen?

Die Frage ist nicht, wie lange es weitergehen soll, sondern wie lange es so weitergehen muss. Und diese Frage kann ich leider nicht beantworten.

Wäre eine Demo nach der Schule oder am Wochenende nicht ebenso wirkungsvoll?

Keinesfalls. Wir wollen einen Zwang ausüben, denn unsere Meinungen haben wir lange genug gesagt. Es ist an der Zeit, dass die Politik handelt. Kohleausstieg spätestens 2025, Verkehrswende und Wachstumsbremse sind nur ein paar Stichworte, die bis jetzt ohne Protest nicht durchgesetzt wurden und es ohne auch nicht werden.

Wir leben in unserer Gesellschaft in einem Vertrag miteinander. Ein grundlegendes Konzept für uns alle. Politiker vertreten uns, solange wir es noch nicht können und wir zahlen in unserem weiteren Leben deren Rente, damit sie im Alter gut leben können. Doch dieser Vertrag wird gebrochen, denn niemand vertritt uns in irgendeiner Weise. Es ist schrecklich ironisch, Kinder zum Lernen zwingen zu wollen, für eine Zukunft, die vor ihrer Nase zerstört und ihnen verboten wird einzugreifen.

Was wünschen sich die streikenden Schüler speziell für Frankfurt in Sachen Klimaschutz?

Der Erhalt der grünen Lunge ist uns sehr wichtig. Der Versuch sie zu zerstören, vereint beinahe alle Punkte, an denen das Versagen von oben deutlich wird. Ob umweltpolitisch, oder auf der sozialen Ebene. Außerdem ist eine schnelle und sauber laufende Verkehrswende lebensrettend. Fahrverbote, mindestens in der Innenstadt, als auch die Verhinderung von weiterer Kohlestromnutzung in den öffentlichen Verkehrsmitteln sind essenziell.

Inwieweit ist Greta Thunberg ein Vorbild für Sie persönlich?

Insbesondere in ihrer Konsequenz.

Wie gehen Sie mit Mitschülern um, die freitags nicht mitstreiken, sondern in der Schule sind?

Gerade auch von Leuten, die ich gut kenne, von denen ich Anderes erwartet hätte, bin ich persönlich enttäuscht. Wenn man unvermeidlich verhindert ist, dann verstehe ich das natürlich, doch oft ist es einfach traurig mitanzusehen.

Was sagen Sie Menschen, die behaupten, die heutige Jugend sei so unpolitisch wie noch nie?

Ich betrachte mich selbst, sowie alle meine Mitstreiter, als lebendigen Gegenbeweis. Und selbst wenn es so wäre, dann wäre es ein Versagen, eben jener, die dies behaupten. Wenn, solange ich denken kann, eine große Koalition das Land regiert und damit jede Debatte konsequent vermieden wird, dann ist die Politik so unpolitisch, wie noch nie.

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