Frankfurterin will Ebay-Ware übergeben und wird übel belästigt

„Dann sagte er, dass er untenrum frisch rasiert ist“

Eine Frankfurterin will auf dem Internetportal „Ebay-Kleinanzeigen“ ein Paar gebrauchte Sandaletten verkaufen. Als der Käufer die Ware abholen will, wird’s plötzlich schlüpfrig. Denn der Mann wird aufdringlich. Für die Polizei ist der Fall alles andere als harmlos. Von Oliver Haas

Frankfurt – Internet-Verkaufsportale erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Wer seinen Krempel früher auf den Flohmarkt schleppen musste, verkauft heute Klamotten und anderes Gebrauchtes bequem online. Auch eine Frankfurterin hat das vor – doch sie erlebt bei der geplanten Warenübergabe eine unangenehme Überraschung. Die Verkäuferin, die anonym bleiben will, stellt ihre goldenen Sandaletten auf dem Internet-Flohmarktportal Ebay-Kleinanzeigen ein. Diese sollen nur drei Euro kosten. Es dauert nicht lange, bis sich ein Käufer meldet. Wie es bei derartigen Privatverkäufen üblich ist, vereinbaren die beiden im Ebay-Chat, den Handel per Übergabe an der Wohnungstür abzuschließen. Als die 50-Jährige die Tür öffnet, wird es gleich seltsam. Sie sagt: „Er war sehr aufgedreht, zirka 30 Jahre alt und begrüßte mich mit: Boah, Hammer-Frau. Halloooo!“ Sehr irritiert davon will die Frankfurterin nur schnell die Schuhe rausgeben und das Geld in Empfang nehmen. Doch der Mann an der Türschwelle hat Anderes im Sinn. Er will reinkommen. Frech glotzt er an ihr vorbei ins Wohnzimmer. „Das ist eine schöne Wohnung! Darf ich mal gucken?“ Das will die Verkäuferin nicht. Sie hält ihm stattdessen die Tüte mit den bezahlten Sandaletten hin und versucht, ihn mit Smalltalk abzulenken. Sie kommen auf das Thema Bärte zu sprechen. Eine Steilvorlage. Denn: „Plötzlich wies er mit einer Geste darauf hin, dass er auch untenrum frisch rasiert ist.“ Die Frankfurterin übergeht seinen Kommentar und hofft, dass der Unbekannte endlich die Schuhe nimmt und verschwindet. Doch der lässt nicht locker. Im Gegenteil: Er zwängt sich im Flur an ihr vorbei und bewundert die Dekoration im Wohnzimmer. „Zum Glück kam er gleich zurück, bevor ich mich aufregen musste.“

Doch damit nicht genug: Zum Schluss des skurrilen Gesprächs erzählt der Unbekannte, dass er gerne in Swingerclubs geht und fragt, ob sie vielleicht mal mitkommen wolle. „Zu viel wurde es dann, als er mich allen Ernstes fragte, ob er in meiner Wohnung bleiben oder später wiederkommen kann.“ Zum Glück sei er dann gegangen. Im Ebay-Chat kommen später noch einige anzügliche Nachrichten. Etwa, dass er wieder vorbeikommen könne. Die Frankfurterin schildert den Fall später in einer lokalen Internetgruppe, um andere Frauen zu warnen. „Auf eine Anzeige habe ich verzichtet. Vielleicht weil ich mich nicht bedroht gefühlt habe und nur davon genervt war.“

Laut Isabell Neumann, Sprecherin bei der Polizei Frankfurt, ein Fehler. „Es müsste natürlich ermittelt werden, welcher Tatbestand da genau greift, aber sexuelle Belästigung könnte es durchaus sein. Auch wenn nichts weiter passiert ist, darf so was nicht verharmlost werden. Sie kennt den Ebay-Namen des Mannes, kann ihn beschreiben und sollte damit zur Polizei gehen!“ Von einer neuen Masche will Neumann nicht sprechen. Ähnliche angezeigte Fälle gebe es in Frankfurt derzeit nicht. Dennoch rät Neumann, wenn statt Versenden der Ware eine Direkt-Übergabe bei Ebay und Co. vereinbart wird: „Wer allein ist, der sollte immer vorsichtig sein, wenn jemand Fremdes zum Abholen kommt.

Grundsätzlich sollte man Niemanden in die Wohnung lassen und an der Tür stehen bleiben“, rät Neumann. Zur Not sollte man einen Nachbarn bitten, dabei zu sein. Sollte der Käufer aufdringlich werden, solle man direkt die Polizei rufen. Falls dies keine Wirkung zeigt: Ganz laut in den Hausflur rufen!

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare