Clan-Gangster: Zu lange keinen Plan

Von Axel Grysczyk

Der Clan-Krieg hat Berlin und andere Großstädte anscheinend fest im Griff. Es geht um Drogen, Prostitution, Geldwäsche, Waffenhandel und Raubüberfälle. Einige Bürger haben das Gefühl, der Staat ist machtlos.

In Nordrhein-Westfalen zieht die Landesregierung ein personalintensives Null-Toleranz-Vorgehen gegen Clan-Mitglieder durch. Es verfestigt sich der Eindruck, die kriminellen Banden sind einfach über uns gekommen. Das ist falsch.

Die Vorfahren der heutigen Clans sind meistens in Folge des libanesischen Bürgerkriegs in den 80ern nach Deutschland geflohen. Eine Integration fand nicht statt. Die Behörden haben diese Menschen allein gelassen und gehofft, dass sie entweder wieder gehen oder selbst schauen, wie sie in Deutschland zurechtkommen.

Wer heute Aussagen von Clan-Mitgliedern studiert, stößt auf eine wiederkehrende Aussage: Wir haben keinen oder nur einen schlechten Schulabschluss, aber wir wollen auch das neueste Handy oder tolle Klamotten. Um auch eine Chance auf den Reichtum zu haben, der meist nur ein paar S-Bahn-Stationen weiter erlebbar ist, sind die Clan-Angehörigen bereit, Verbotenes zu tun. Denn auf legale Weise werden sie nicht zu Reichtum kommen, da sind sie sicher. Und dann folgt meist die zweite zentrale, wiederkehrende Aussage: „Wir gehören schließlich nicht dazu.“

Die kriminellen Clans sind eine Folge unterlassener Integrationsarbeit. Eins ist sicher: Es ist eine Milchmädchenrechnung zu glauben, man können an der Integration sparen. Denn wer hier spart, muss damit rechnen, dass die Konsequenzen viel höhere Kosten produzieren.

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