Flüchtling findet bei Fechenheimer Fußballverein eine neue Familie

23 Tage auf der Flucht: Jetzt lebt Iraner Amin in Frankfurt

Gefährliche Überfahrt: Seyed Amin Seidani während der Flucht aus dem Iran auf einem überfüllten Boot.
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Gefährliche Überfahrt: Seyed Amin Seidani während der Flucht aus dem Iran auf einem überfüllten Boot.
  • Janine Drusche
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Frankfurt - Weil er Christ ist, wurde er in seiner Heimat Iran verfolgt und verraten. Nach Deutschland geflohen, hat Seyed Amin Seidani nach seiner Flucht neue Freunde bei der Sportvereinigung Fechenheim 03 gefunden. Von Janine Drusche

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Seit rund zwei Jahren ist Seyed Amin Seidani bekennender Christ. Die Eltern des 24-Jährigen, beide Moslems, haben kein Problem mit dem Konfessionswechsel ihres Sohnes. Doch die Entscheidung, Christ zu sein, ändert das ganze Leben des jungen Mannes aus dem islamischen Iran.

Seidani arbeitet seit fünf Jahren als Friseur. Doch dann bekommt jemand Wind davon, dass er Christ ist. Die Behörden beginnen unangenehme Fragen zu stellen. Seidani merkt schnell, dass er bespitzelt und verraten wurde. Weil es im Iran als Sünde gilt, den Islam zu verraten und einen anderen Glauben anzunehmen, muss es schließlich schnell gehen: „Bei uns gibt es keine Religionsfreiheit. Wenn die Behörden einmal an einem Nicht-Moslem dran sind, muss man Angst haben. Und zwar um sein Leben.“ Er wird beschattet, Sittenwächter lauern an jeder Ecke: Der junge Christ muss in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus seiner Heimat fliehen, um nicht hingerichtet zu werden. Er verlässt seine Familie und gibt sein Geschäft auf.

23 Tage auf der Flucht

„Ich habe nie geglaubt zum Christ zu werden. Aber irgendwann wollte ich den Glauben nicht mehr aufgeben“, sagt Seidani. Ohne Ziel reist er los, hat zum Glück etwas Geld gespart: „Ich hatte kein bestimmtes Ziel, ich musste einfach nur weg“. 23 Tage ist er unterwegs, quer durch die Türkei, Griechenland, über die Balkan-Route, nach Österreich und schließlich nach Deutschland. Er reist mit Schlepper-Bussen, per Boot, mit der Bahn, läuft lange Strecken ohne Essen oder sauberes Wasser – immer nur die Ungewissheit vor sich. 

Bei seinem Frankfurter Fußballverein hat der Sportler einen neuen Freundeskreis gefunden. Präsident Reinhold Schmidt (von links), Sportlicher Leiter und selbst Iraner, Asghar Ali-Jaali, und der zweite Vorsitzende Yasser Bassal sind stolz auf ihren Spieler.

In Serbien wird er wahrhaftig im Regen stehen gelassen: „Sie haben die Grenze zu gemacht. Wir haben gefroren und durften kein Feuer machen“, erinnert sich Seidani. 4000 Euro kostet ihn die Flucht am Ende. Doch dann landet der junge Perser schließlich in Deutschland, seit einem Jahr lebt er in Frankfurt. In der Flüchtlingsunterkunft in Praunheim findet er wenig Schlaf: „Jeden Abend ist die Polizei hier, weil es Schlägereien gibt.“ Dafür hat der Flüchtling in der Sportvereinigung Fechenheim 03 eine neue Familie gefunden, die ihn tatkräftig unterstützt. Hier kann der 24-Jährige endlich wieder seinem Hobby, dem Fußballspielen, nachgehen.

„Ich bin froh in Deutschland zu sein“

„Er hat großes Talent“, lobt Präsident Reinhold Schmidt den Innenverteidiger. Und der fühlt sich wohl in Fechenheim: „Ich weiß, dass es für mich keinen Weg zurück gibt. Ich bin froh, in Deutschland zu sein.“ Er habe früher immer nur gehört, die Leute in Deutschland seien kalt: „Doch ich erlebe hier genau das Gegenteil“, freut sich der Frisör. Für drei Jahre hat er nun eine Aufenthaltsgenehmigung. 

Seine Familie kann er in der Duldungsphase nicht sehen. Deshalb braucht er dringend eine Ausbildung, denn seine wird hier nicht anerkannt. Auch eine Wohnung wünscht sich der Iraner. „Ich bewerbe mich, aber keiner will mich haben“, sagt Seidani. „Der klassische Vermieter möchte eben nicht an einen Asylanten vermieten“, ärgert sich Yasser Bassal, zweiter Vorsitzender des Fußballvereins. „Dabei ist Amin keiner, der die Füße hochlegt, sondern einer der Menschen, die Deutschland bereichern“, so Schmidt: „Er hat eine Chance verdient!“

Nicht alle Flüchtlinge können in Deutschland bleiben. Eine Demo gegen eine Sammelabschiebung fand jetzt in Frankfurt statt.

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