Blumen zertreten, Gebetsketten gestohlen: Familie des Opfers ist fassungslos

Burak (24) stirbt bei S-Bahn-Unfall: Wer schändet die Gedenkstätte?

+
Mutter Dürdane Borazan (Mitte) mit Lucia Barone und Fatih Öczay, den besten Freunden ihres verstorbenen Sohnes Burak, an der liebevoll gestalteten Gedenkstätte. 

Am 5. März wird Burak Borazan in Mühlheim von einer S-Bahn erfasst und getötet. Um an den 24-Jährigen zu erinnern, errichten Familie und Freunde an der Unfallstelle eine Gedenkstätte. Doch der Ort der Trauer wird immer wieder zerstört! Die Angehörigen sind ratlos. Von Kristina Bräutigam

Mühlheim – Im Minutentakt rauschen die Züge vorbei. Ein Anblick, der für Dürdane Borazan schwer zu ertragen ist. „Ich kann immer noch nicht begreifen, dass dieses Unglück passieren musste“, sagt die Mühlheimerin, während ihr die Tränen übers Gesicht laufen. Hier, auf den Gleisen kurz vor der Spessartbrücke, stirbt ihr Sohn Burak. Am Morgen des 5. März will er offenbar eine Abkürzung nehmen, als ihn eine durchfahrende S-Bahn erfasst und tödlich verletzt. „Er hatte es fast auf die andere Seite geschafft. Aber vermutlich hat ihn der Sog erfasst und der zweite Waggon traf ihn am Kopf“, sagt seine Mutter. Laut Polizeiaussagen ist Burak sofort tot. „Das ist ein kleiner Trost. Zumindest musste er nicht leiden“, sagt sie schluchzend. Für die Mühlheimerin und die vielen Freunde ist das Unglück auch fast sieben Monate später kaum zu begreifen. Viele Fragen sind offen, etwa, warum der 24-Jährige nicht die Unterführung am Bahnhof nahm. „Er ist nie über die Gleise gelaufen. Ich weiß nicht, warum er das getan hat“, sagt Kumpel Fatih Öczay. Noch Stunden vor dem Unglück feiern sie gemeinsam mit anderen Freunden Rosenmontag. Um kurz nach sieben verabschieden sie sich. Zehn Minuten später ist Burak tot. „Ich habe die Sirenen gehört und sofort versucht ihn anzurufen. Aber er ging nicht dran“, sagt der 26-Jährige unter Tränen.

Drei Tage nach dem Unfall wird Burak in der Türkei beerdigt. Damit Familie und Freunde in seinem Heimatort Mühlheim trotzdem einen Ort zum Trauern haben, errichten sie auf dem Rasen gegenüber der Fundstelle eine Gedenkstätte. „Dieser Ort ist für uns sehr wichtig. Hier fühlen wir uns Burak nahe“, sagt seine beste Freundin Lucia Barone. 

Burak Borazan starb, als er über die Gleise lief.

Umso schlimmer ist für die Hinterbliebenen, was seit zwei Monaten passiert: Unbekannte schänden die Gedenkstätte, verwüsten die Dekoration, reißen Blumen raus, klauen Grablichter, treten Engelsfiguren und sogar das Foto des Verstorbenen um. Erst am Samstag vor einer Woche reißen die Täter die Gebetsketten ab, die Freunde an den Zaun gehängt haben. „Wer tut so etwas?“, fragt Mutter Dürdane Borazan. Burak habe keine Feinde gehabt, sei beliebt gewesen. „Und selbst wenn. Wie kann man einem Verstorbenen und seiner Familie gegenüber so respektlos sein?“ Die Familie überlegt, Anzeige zu erstatten, auch wenn die Erfolgsaussichten, die Täter zu fassen, gering sind. Fest steht: Bei der Verwüstung der Grabstätte handelt es sich um Sachbeschädigung. „Wer anderer Leute Eigentum zerstört, begeht eine Straftat, auch wenn sich die Gegenstände wie in diesem Fall auf öffentlichem Gelände befinden“, sagt Rudi Neu, Sprecher vom Polizeipräsidium Südosthessen.

Buraks Familie und Freunde hoffen, dass die Gedenkstätten-Schänder endlich aufhören. Und sie haben noch einen Wunsch: Die Deutsche Bahn soll den Weg entlang der Gleise zwischen Bahnhof und Spessartbrücke endlich abzäunen. „Hier laufen so viele Schulkinder lang und es gibt keinerlei Begrenzung. Nicht mal Büsche. Es muss endlich gehandelt werden. Dann war Buraks Tod vielleicht nicht umsonst“, sagt seine Mutter.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare