Boxer-Mischling erstochen: „Unser Theo war keine Bestie“

Tragödie um Familienhund Theo. Vergangene Woche wird der Boxer-Mischling von einem anderen Hundebesitzer mit drei Messerstichen getötet, als Theo dessen Chihuahua angreift. Vicky Lerner und ihr Mann Tim fühlen sich zu Unrecht verurteilt. Von Kristina Bräutigam

Kelsterbach – Immer wieder guckt sich Vicky Lerner die Fotos ihres Hundes auf dem Smartphone an. „Hier waren wir an der Nordsee. Theo hatte so viel Spaß am Meer“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Im vergangenen Frühjahr hatten die 44-Jährige und ihr Mann Tim den Boxer-Mischling zu sich geholt. In Kelsterbach sollte der Rüde, der aus einem Tierheim in Andalusien stammt, ein besseres Leben haben. Jetzt ist er tot. „Wir können es nicht fassen“, sagt Vicky Lerner.

Die Tragödie passiert am Freitag vor einer Woche. Die 44-Jährige hält sich mit Theo und ihren anderen beiden Hunden auf dem eingezäunten Gartengrundstück einer Freundin auf. Zwei Stunden später soll Theo zum Wesenstest, vorher lässt Vicky Lerner ihn noch einmal toben. „Außerhalb eines geschlossenen Geländes habe ich Theo nie ohne Leine und Maulkorb laufen lassen“, betont die Kelsterbacherin. Doch dann passiert es: Als Vicky Lerner gerade Leckerlis zuschneidet, kommt ein Mann mit seinem Chihuahua am Zaun vorbei und bleibt stehen. Lerners drei Hunde beginnen zu bellen. Die 44-Jährige sagt, sie habe dem Mann sofort per Handzeichen signalisiert, weiterzugehen. Doch der habe lediglich auf ihre „Drecksköter“ geschimpft. Dann nimmt das Drama seinen Lauf: Theo findet irgendwo ein Loch im Zaun, schnappt sich den Chihuahua und verbeißt sich. „Der Mann hat seinen Hund weder hochgenommen, noch hat er versucht, die beiden zu trennen. Dabei habe ich ihn angefleht, mir zu helfen“, sagt die 44-Jährige. Was dann folgt, kann die Hundebesitzerin bis heute kaum fassen: „Er sagte, er helfe mir jetzt, hat ein Taschenmesser gezogen und dreimal auf Theo eingestochen.“ Obwohl Ehemann Tim nach ein paar Minuten vor Ort ist und den Hund in die Tierklinik Kalbach bringt, kommt jede Hilfe zu spät: Theo stirbt. „Es war alles voller Blut. Bei jedem Atemzug lief es schwallartig aus ihm heraus“, sagt Vicky Lerner und schluchzt.

Das Ehepaar ist mit den Nerven am Ende, nur mit Beruhigungsmittel konnte es die ersten Tage schlafen. Nicht nur der Verlust ihres Hundes, auch die Anfeindungen setzen den Lerners zu. „Ja, Theo hatte Probleme mit anderen Hunden. Aber wir haben uns beim Gassigehen immer an die Maulkorb- und Leinenpflicht gehalten. Und wir sind das Problem angegangen“, sagt Vicky Lerner. Nachdem der junge Rüde schon einmal einen fremden Hund gebissen hat, sei sie mit Theo regelmäßig zur Hundeschule gegangen. Die Trainerin bestätigt das auf EXTRA TIPP-Anfrage.

Nach Theos qualvollem Tod haben Vicky und Tim Lerner nur einen Wunsch. Sie wollen, dass der andere Hundebesitzer bestraft wird. Wie Bernd Hochstädter, Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen, auf Anfrage mitteilt, werde wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Sachbeschädigung ermittelt. Der Chihuahua habe sich laut ersten Erkenntnissen von dem Angriff erholt.

Vicky Lerner und ihrem Mann Tim bleibt nur die Erinnerung. „Theo war ein junger Hund, der uns ganz viel Freude gemacht hat. Er war keine Bestie.“

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