Studie: Deshalb haben‘s Sprachassistentinnen schwerer

Böse Klischees: Siri wird nicht ernst genommen!

Sprachassistenten sind eine feine, moderne Hilfe. Interessant ist, wie unterschiedlich die männliche und weibliche Stimme bewertet werden. Foto: Tommaso1979/ panthermedia.net

Zwei hessische Forscher wollten wissen: Hat das Geschlecht der Stimme von Sprachassistenten wie Siri, Alexa und Co. einen Einfluss darauf, wie dessen Kompetenz wahrgenommen wird? Ihr Experiment brachte ein klares Ergebnis. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Siri, Alexa oder auch der „Ok-Google-Sprachassistent“ haben in ihren Werkseinstellungen alle weibliche Stimmen. Die beiden Wissenschaftler Claus-Peter H. Ernst, Professor für allgemeine BWL, mit Fachgebiet Technologiemanagement und Digitalisierung an der CBS International Business School, und Nils Herm-Stapelberg, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und BWL an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, haben hierzu Interessantes herausgefunden. „Zahlreiche Forscher haben schon lange festgestellt, dass Frauen sogar kulturübergreifend weniger kompetent wahrgenommen werden als Männer. Und das nicht nur von Männern, sondern von Frauen selbst“, sagt Ernst. Er forschte bis vor Kurzem in vielen digitalen Themen an der Frankfurt University of Applied Sciences.

Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben bereits, dass Menschen anderen Technologien, wie etwa Robotern, ähnliche Charakterzüge zuweisen wie Menschen. „Wenn ich also beispielsweise mit einem Pflegeroboter interagiere, kann ich ihm durchaus menschliche Züge zuschreiben. Dann habe ich also diese beiden Sachen verknüpft und überspringe eine Mensch-Technik-Grenze“, erklärt Ernst. Das sei der Ausgangspunkt des neuen Experimentes von Ernst und Herm-Stapelberg gewesen. Die beiden haben 23 Probanden (wovon mehr als die Hälfte Frauen waren) acht Fragen gegeben, die sie jeweils einem „männlichen“ und „weiblichen“ Sprachassistenten stellen sollten. Die Antworten auf die verschiedenen Fragen waren dabei immer gleich. Lediglich die Stimme wechselte zwischen weiblich und männlich. „Dabei hatten wir ein paar richtige, ungenaue und völlig falsch beantwortete Fragen eingestreut“, sagt Ernst. Beispielsweise sollten die Sprach-Assistenten beantworten, welcher Tag heute ist. Darauf folgte eine korrekte und genaue Antwort. Auf die Frage: „Wann ist Weihnachten“ ließen die Forscher damals nur ungenau mit „In sechs Monaten“ antworten. Und beim Problem „Wie weit ist Mainz von Berlin entfernt?“, wurden die Computer so programmiert, dass jeweils als Antwort kam: „Das tut mir leid, da kann ich dir leider nicht weiterhelfen.“

Damit die Teilnehmer nicht bereits durch den Namen des virtuellen Assistenten beeinflusst wurden, haben die Wissenschaftler das geschlechtsneutrale Aufweck-Wort „Computer“ sowohl für die männliche als auch für die weibliche Version festgelegt.

Nach den acht Fragen sollten die Teilnehmer des Experimentes die Kompetenz der Sprachassistenten beurteilen. „Unabhängig davon, ob die Bewertung von einer Frau oder einem Mann kam: Der männliche Sprachassistent wurde kompetenter wahrgenommen als der weibliche. Geschlechterklischees haben somit auch eine Auswirkung auf die Wahrnehmung von Technologien. Da niemand einen vermeintlich inkompetenten Assistenten haben möchte, haben unsere Ergebnisse weitreichende praktische Implikationen für die entsprechenden Anbieter“, sagt Ernst als Fazit der Studie.

Doch hat es auch gute Gründe, warum von Beginn an die sprechenden Computerhilfen standardmäßig immer mit weiblichen Stimmen antworten. Professor Ernst: „Beim Thema Liebenswürdigkeit haben die Frauen die Nase vorn.“ Wenn jemand also die weibliche Siri unbewusst als weniger kompetent empfindet, so wirkt sie für viele liebenswürdiger und vertrauenserweckender als eine Männerstimme.“ Und auch dieser Eindruck basiert vermutlich nur auf einem bösen Klischee ...

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