Diskussionen um Luxussanierung und Mietverdrängung: Anwohner sorgen sich vor Gentrifizierung

Bockenheim fürchtet um Vielfalt

Lange Zeit schien es, als bliebe Bockenheim von der Gentrifizierung verschont. Doch Luxussanierungen und steigende Mieten sorgen auch dort für Diskussionen. Anwohner fürchten Verdrängung und dass Bockenheim zum Schickimicki-Stadtteil wird. Von Rebekka Farnbacher

Frankfurt – „Seit Jahren wird es immer schlimmer“, sagt Anneliese Werner und deutet auf die Baustelle eines Neubaus an der Leipziger Straße in Bockenheim. „Sämtliche Häuser werden aufgekauft, abgerissen und die neu gebauten Wohnungen teuer vermietet“, beschreibt die Rentnerin die Situation des Stadtteils, in dem sie seit 32 Jahren lebt. Vor allem ältere Menschen fürchten, aus ihren Wohnungen verdrängt zu werden und auf dem teuren Markt in Frankfurt nichts Neues zu finden.

Eines der Neubau-Projekte, das die Sorge der Anwohner verstärkt, istjener Neubau in der Leipziger Straße, direkt neben dem linken Zentrum Café Exzess. Eigentumswohnungen sollen hier bis zu 749.900 Euro kosten, für 116 Quadratmeter.

Für Anette Mönich von der Stadtteilinitiative „Zukunft Bockenheim“ ein Unding. „Es geht hier weniger um Wohnen, sondern um Vergoldung von Investitionen.“ Der Prozess sei nicht neu, aber in den vergangenen zwei Jahren sei der Immobilien-Hype extremer geworden, sämtliche Häuser würden aufgekauft. „Es findet immer mehr Verdrängung statt, zu Ungunsten der Menschen mit niedrigem Einkommen.“ Hinzu kommt, dass die Bockenheimer fürchten, durch den schicken Neubau werde das Café Exzess schließen müssen. Die Stadt hatte den Betreibern jüngst in einem Schreiben angedroht, den Mietvertrag zu kündigen, wenn der an der Fassade angebrachte Spruch „Ganz Frankfurt hasst die AfD“ nicht entfernt werde. Für die Betreiber ein Vorwand, das Exzess loszuwerden.

Auch Ortsvorsteher Axel Kaufmannkennt die Sorgen der Bckenheimer. Für ihn ist die Entwicklung aber nicht verwunderlich. „Wo neu gebaut oder modernisiert wird, werden die Mieten höher. Das ist in ganz Frankfurt so.“ Allerdings räumt der Ortsvorsteher ein, dass die Stadt in Sachen Milieuschutz, der Verdrängung verhindern soll, zu wenig macht.

Das kritisiert auch Anette Mönich: „Es muss mehr getan werden, damit Mieter in ihren Wohnungen bleiben können. Ich bin empört darüber, wie leichtfertig die Stadt Abrissgenehmigungen erteilt, obwohl sie mit dem Vorkaufsrecht die Häuser sichern und damit der Spekulation entziehen könnte.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare