Erfolge und Sponsoren

Black Knights ERHC Dreieich: Mit dem E-Rolli auf Titeljagd

Raphael Knobloch hat sich das Logo der Black Knights tätowieren lassen. Fotos: kb

Der ERHC Dreieich ist der einzige Verein in Hessen, der Elektro-Rollstuhl-Hockey als Wettkampfsport anbietet. Viermal in Folge hat das Bundesliga-Team die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Trotzdem hat der Verein zu kämpfen.

Region Rhein-Main – Wie oft seine Knochen schon gebrochen sind, Nasim Afrah weiß es nicht. Der 22-Jährige hat Osteogenesis Imperfecta, genannt Glasknochenkrankheit. Weil die Knochen brechen wie Glas, durch einen leichten Stoß oder heftiges Husten. Nasim Afrah kommt schon mit zwei gebrochenen Beinen zur Welt. Einmal brechen die Knochen, als sein Vater ihn hochhebt. Es folgen Gips, lange Heilungsphasen, neue Brüche. Auf dem Papier ist Nasim Afrah schwerbehindert. Auf dem Feld ist er der vielleicht beste Elektro-Rollstuhl-Spieler Europas. 126 Tore hat der Torjäger des 1. ERHC Dreieich in der vergangenen Saison geschossen, allein am letzten Spieltag der 1. Power-Chair-Hockey-Bundesliga erzielte er 38 Treffer. „Klar muss ich aufpassen. Aber wenn ich auf dem Platz bin, vergesse ich meine Krankheit. Dann spiele ich und bin frei“, sagt Nasim Afrah.

Der 22-Jährige ist einer von aktuell 19 aktiven Spielern des ERHC, dem derzeit einzigen Verein in Hessen, der Power-Chair-Hockey als Wettkampfsport anbietet. Alle Spieler sind geistig oder körperlich behindert, die einen schwerer, die anderen weniger. Trainiert wird gemeinsam, mindestens alle 14 Tage in der Sporthalle der Heinrich-Heine-Schule in Dreieich. Und das mit Erfolg: Das Bundesliga-Team der Black Knights holte erst kürzlich zum vierten Mal in Folge den Deutschen Meistertitel, Team zwei gewann in der zweiten Bundesliga ebenfalls schon zwei Mal die Meisterschaft.

Die Siege machen stolz, sagt Günter Keller, Vorsitzender und gute Seele des Vereins. Das Hauptziel aber ist ein anderes. „Wir möchten schwerstkörperbehinderten Menschen die Möglichkeit geben, Rollstuhlsport zu treiben. Die Spieler bekommen ein besseres Körpergefühl, ihr Selbstvertrauen wird gestärkt und sie kommen raus aus ihrer kleinen Welt.“ Keller weiß, wovon er spricht: Seine beiden Zwillingssöhne Gregor und Florian kommen 1977 mit Spinaler Muskelatrophie zur Welt, Muskelschwund, unheilbar. Der Vater will, dass Gregor und Florian nach der Schule nicht zu Hause hocken. Doch in der Region gibt es damals keinen Reha-Sport-Verein. „Also haben wir 1994 eben einen eigenen gegründet“, sagt Keller. Florian stirbt 2014 an den Folgen der Krankheit. Gregor spielt bis heute bei den Black Knights. Den Schläger kann er nicht selbst halten, er ist deshalb fest am Rollstuhl montiert. „Ich versuche eigentlich immer zum Training zu kommen, auch wenn ich mal Schmerzen habe“, sagt der 41-Jährige. Auf dem Feld spielt die Behinderung für ihn und die anderen keine Rolle. „Da geht es auch mal härter zur Sache und es wird mal geschrien“, sagt Raphael Knobloch. Der 28-Jährige aus Langen kam mit Spina Bifida zur Welt, einer angeborenen Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Gehen kann er nur kurze Strecken, in seinem Sportrollstuhl jagt er dem Ball mit bis zu 15 Stundenkilometern hinterher. „Dieses Leuchten in den Augen zu sehen, ist bis heute das Wichtigste für mich“, sagt Günter Keller. Doch die Vereinsarbeit ist anstrengend – logistisch und finanziell. Bis zu 20.000 Euro kostet ein Spezialrolli je nach Modell, auch die Reparaturen sind teuer. „Ohne Sponsoren können wir das nicht stemmen“, sagt Keller.

Die zu überzeugen, überlässt Günter Keller am liebsten seinen Jungs und Mädels – durch Tempo, Technik und spektakuläre Torschüsse. Ihr nächstes Ziel haben die Black Knights schon vor Augen. Das Bundesligateam will die fünfte Meisterschaft einfahren, dann erst gibt es den ersehnten Stern auf dem Trikot. „Torpedo Ladenburg hat acht Meisterschaften gewonnen. Irgendwann wollen wir die einholen“, sagt Raphael Knobloch.

Von Kristina Bräutigam

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