Vorfälle vor allem im Frühjahr

Bienendiebstahl: Dieser Stich tut Imkern besonders weh

Dieser Stachel sitzt besonders tief: Immer wieder müssen Imker im Frühjahr den Diebstahl einiger ihrer Bienenvölker hinnehmen.

Aufrüsten gegen die Kollegen: Gerade jetzt im Frühjahr müssen Imker im Rhein-Main-Gebiet um ihre Bienenvölker fürchten. In den meisten Fällen sind es andere Imker, die auf Diebestour gehen, weil deren Völker den Winter nicht überlebt haben.

Region Rhein-Main – Dieser Stachel sitzt besonders tief: Immer wieder müssen Imker im Frühjahr den Diebstahl einiger ihrer Bienenvölker hinnehmen. Geklaut werden meist ganze Beuten, so nennen Imker die Behausungen der Bienen. Das Kuriose: Meist stecken Imker-Kollegen dahinter, deren eigene Völker den Winter nicht überlebt haben. Für die etwa 10.000 Imker in Hessen betrug der Ausfall vergangenen Winter zwischen 15 und 17 Prozent, sagt Manfred Ritz, Vorsitzender des Landesverbandes hessischer Imker. Etwa genauso hoch sei der Ausfall im Winter davor gewesen.

Die Folge: Um ihre Ausfälle zu kompensieren, gehen manche Imker tatsächlich auf Diebestour. „Nur im Grunde wissen nur Fachleute, wo andere ihre Beuten aufgestellt haben und wie man die Bienen gefahrlos abtransportiert“, sagt Matthias Ullmann. Seit 1985 ist der 56-Jährige Imkermeister aus Erlensee und Vorsitzende des Imkervereins Hanau-Stadt. Er hat regelmäßig mit solchen Diebstählen zu tun. Etwa 1000 Völker besitzt er. An den schwersten Diebstahl kann er sich noch immer gut erinnern, als ihm vor acht Jahren 20 seiner Völker gestohlen wurden. Der Schaden betrug stattliche 5000 Euro. Das letzte Mal geriet Ullmann vor zwei Jahren ins Visier der Bienen-Diebe. Fragt man bei den Imkervereinen in Frankfurt und Offenbach nach, scheinen sich die meisten bereits gut gerüstet zu haben. „Unsere Mitglieder haben ihre Beuten ohnehin an schlecht zugänglichen Orten aufgestellt“, sagt die Vorsitzende des Frankfurter Imkervereins, Lotte Jüling-Pohlit. Zudem seien die Beuten entweder mit einem Brandzeichen versehen oder mit GPS-Sendern ausgestattet, mit denen eine Handy-Ortung möglich ist. Manche investierten sogar in Wildkameras.

Vorfälle gehören für Imker bereits zum Alltag

Claudia Leiß von der Imkerversicherung Gaede & Glauerdt spricht von etwa 250 bis 350 Diebstählen bundesweit unter den etwa 110.000 versicherten Imkern. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr. Je nachdem wie stark die Population eines Volkes und wie ertragreich die Honigernte ist, desto größer sei der finanzielle Verlust. Zu dieser Jahreszeit betrage die Populationsstärke eines Volkes um die 20.000 Bienen. Ende Mai könne sie bis auf 50.000 anwachsen. Laut Manfred Ritz schafft es das Volk eines Hobby-Imkers in Hessen im Schnitt etwa bis zu 37 Kilo Honig herzustellen.

Wer aber tatsächlich hinter den Diebstählen steckt, kann auch Claudia Leiß nur mutmaßen. Denn die Aufklärungsquote liegt unter einem Prozent. Für Manfred Ritz gehören solche Vorfälle längst zum Imker-Alltag. „Das ist nichts außergewöhnliches mehr.“ Neben den Imkern gebe es jedoch schlichtweg Diebe, die die Standorte der Imker ausgekundschaftet haben, die Bienenkästen abtransportieren und dreist in Kleinanzeigen an andere Imker verkaufen, sagt Ritz: „Denn ein normaler Bürger kann mit den Beuten und den Bienen gar nichts anfangen.“

Dirk Beutel

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