Betrug mit Teppich-Wäsche: Händler bangt um seinen Ruf

Teppich-Händler Hassan Esfahani mit einer Werbeanzeige der Betrüger. Immer wieder missbrauchen Kriminelle seinen Namen, um Kunden abzuzocken. Foto: kb

Mit einer miesen Masche machen Betrüger zur Zeit im Taunus Kasse: Sie schwatzen Senioren eine Teppich-Reinigung auf – und verlangen für den Pfusch später tausende Euro. Leidtragender ist auch Hassan Esfahani. Von Kristina Bräutigam

Denn die Betrüger werben mit dem Namen seines Ladens, um Opfer zu ködern.

Region Rhein-Main – Am Donnerstag vor einer Woche, gegen 12.15 Uhr klingelt das Telefon bei einer Frau in Königstein. Der Mann stellt sich als Mitarbeiter eines Teppichgeschäfts vor. Er will wissen, ob sich die Frau an ihren Teppichkauf vor ein paar Jahren erinnert. Die Frau legt auf und informiert die Polizei. Zum Glück. Denn die Beamten sind sich sicher: Der Anrufer war ein Betrüger, der der Frau eine Teppich-Reinigung aufschwatzen und abkassieren wollte. Seit mehreren Wochen sind die Täter mit der Masche im Hochtaunuskreis aktiv – und das mit Erfolg: Mindestens ein halbes Dutzend Opfer habe sich bei der Kriminalpolizei in Bad Homburg gemeldet. Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher, sagt Volker Hammann, Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen. „Viele Betroffene erstatten aus Scham keine Anzeige. Oder sie merken erst viel später, dass sie getäuscht wurden.“ Dabei ist die Masche, die Ende 2017, Anfang 2018 auch die Polizei in Südosthessen beschäftigt, immer gleich: Die Täter mieten in einem Ort für mehrere Monate ein leer stehendes Geschäft an, hängen an den Schaufenstern entsprechende Werbetexte auf, schalten Anzeigen und verteilen Flyer mit professionellen Fotos. „So täuschen sie vor, ein alteingesessenes Traditionsgeschäft zu sein“, sagt Kriminalhauptkommissar Volker Hammann. Melden sich potenzielle Kunden, wird ein Termin zu Hause vereinbart. „Dort erzählen die Täter den Opfern, ihr Teppich sei im Wiederverkauf mehrere tausend Euro wert, empfehlen eine hochwertige Reinigung und nehmen den Teppich mit.“ Was die Opfer nicht wissen: Eine professionelle Reinigung findet nicht statt. Stattdessen werden die Teppiche nur kurz gewässert, an einer Ecke parfümiert oder die Fransen gekürzt. „Die Kunden sollen dafür horrende Summen zahlen, die oft um ein Zehnfaches höher sind als die Reinigung in einem Fachgeschäft“, sagt Hammann. Die Senioren, die sich bei der Kripo in Bad Homburg gemeldet haben, hätten zwischen 1000 und 3000 Euro gezahlt. Für eine Pfusch-Behandlung, die den Teppich sogar oft ruiniert.

Für Hassan Esfahani, Inhaber der Teppich-Galerie Esfahani, ist die Betrugsmasche eine Katastrophe. Seit mehr als 40 Jahren betreibt der gebürtige Perser das Fachgeschäft in der Bad Homburger Innenstadt. Er hat viele Stammkunden und einen guten Ruf – doch genau das nutzen die Kriminellen aus. „Sie missbrauchen das Vertrauen unserer Kunden, um dann abzukassieren“, sagt Hassan Esfahani und zeigt eine Werbeanzeige, die die Täter in einer lokalen Zeitung geschaltet hatten. Unter dem Fake-Namen „Galerie Esfehani“ wirbt das angebliche Geschäft in Kronberg für eine Bio-Wäsche zum Schnäppchenpreis. Und die Kriminellen haben Erfolg: So meldet sich vor ein paar Wochen ein Kunde bei Hassan Esfahani, weil die Fransen seines Teppichs ausfallen. 2800 Euro habe er für Reinigung und Reparatur bezahlt und will reklamieren. „Da musste ich ihm mitteilen, dass meine Mitarbeiter nie bei ihm waren. Und dass sein Teppich nur 50 Euro wert ist“, sagt Esfahani.

Noch krasser ist ein Fall aus Neu-Ans- pach: Auch hier geben sich die Betrüger als Mitarbeiter des Traditionsgeschäftes aus, erschleichen sich das Vertrauen eines Mannes und nehmen sämtliche Teppiche mit. Der vermeintliche Sonderpreis für Reinigung und Reparatur der alten Läufer: 16.000 Euro! „Glücklicherweise kamen dem Kunden Zweifel und er rief mich an, bevor es zur Geldübergabe kam“, erzählt Hassan Esfahani. Er hofft, dass die Betrüger gefasst werden. Allen Teppichbesitzern rät er, Reinigungen und Reparaturen immer im Geschäft zu besprechen. „Wir würden nie Kunden anrufen, um ihnen eine Leistung zu verkaufen.“ Auch bei den Preisen lohnt sich der Gang ins Fachgeschäft. „Wir verlangen durchschnittlich 30 Euro pro Quadratmeter. Alles andere ist Unsinn.“

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