Heute Beat-Night in Oberursel: Mitorganisator Peter Neidhardt über die Liebe zur Musik

„Der Beat muss weiterleben“

Heute Abend steigt die 9. Beat-Night in der Stadthalle Oberursel. Bis zu 1000 Besucher aus ganz Deutschland erwarten Peter Neidhardt und sein Mitstreiter Dave Obst von der Initiative Beatmacher. Ihr großes Ziel: Die Musik der 60er am Leben zu erhalten. Von Kristina Bräutigam

Kronberg/Oberursel – Peter Neidhardts ganzer Stolz steckt in einem karierten Album: 16 Original-Singles der „Petards“, der vielleicht legendärsten Beatband Nordhessens. „Für einige habe ich ganz schön tief in die Tasche gegriffen“, sagt Neidhardt. Der 64-Jährige aus Kronberg ist bekennender Beatmusik-Fan. Und er hat ein Ziel: Die Erinnerung an die Ära lebendig zu halten. Gemeinsam mit Dave Obst gründet Neidhardt deshalb vor zehn Jahren die Musikinitiative „Beatmacher“. Ihr Herzensprojekt: Die Beat-Night in Oberursel, die am heutigen Samstag zum neunten Mal stattfindet. Zwischen 800 und 1000 Besucher aus ganz Deutschland erwarten die Beatmacher in der Stadthalle, ein Fan reist sogar aus Dänemark an. Neben „The 2nd Generation“ aus Gießen, die fast schon zum Inventar gehören, stehen in diesem Jahr „The Rattles“ auf der Bühne. Die Karriere der Band begann 1963 im legendären Hamburger Star-Club, in der Beat-Hauptstadt Liverpool wurden die Musiker zeitweise als „deutsche Beatles“ gefeiert. „Man braucht eine Original-Band als Zugpferd, selbst wenn keine mehr in Originalbesetzung auf der Bühne steht“, sagt der 64-Jährige, der gemeinsam mit Dave Obst schon Beat-Größen wie die „Lords“, „Searchers“ oder „Herman’s Hermits“ nach Oberursel geholt hat.

Fast so wie Anfang der 60er, als die Beat-Welle von England nach Deutschland schwappt und die Stadt im Hochtaunuskreis als Hochburg der Beatmusik im Rhein-Main-Gebiet gilt. „In jedem Ortsteil gab es einen Schuppen“, erinnert sich Peter Neidhardt. In Bad Homburg tanzt die Jugend im Gewerkschaftshaus, dem Saalbau oder im Obererlenbacher Marmelade, in Friedrichsdorf-Köppern stehen die Musik-Fans vor dem Gasthof Richter Schlange. Die größten Namen spielen jedoch im Star-Club Oberursel. Von 1964 bis 1968 holt Betreiber Jürgen Brandenstein internationale Stars der Szene in die Turnhalle der TSG Oberursel, darunter die „Searchers“, „The Smoke“ oder Casey Jones. Neidhardts Pech: Er ist zu jung, um Einlass zu bekommen. „Das ärgert mich bis heute“, sagt der Kinks-Fan. Die Musik hört er am liebsten auf dem Fahrrad, mit dem Transistorradio am Lenker, aus dem bevorzugt die Schlagerbörse von Hanns Verres dudelt. Das Radio ist ein Geschenk der Eltern. Mit ihnen kämpft Peter Neidhardt – anfangs um die Länge der Haare, die er nach dem Waschen mithilfe eines Haarnetzes glättet, später um das Tragen des grünen Parkas mit aufgenähtem Peace-Zeichen. „Da knallten zwei Generationen aufeinander. Für die Älteren war man eben ein Gammler“, sagt Neidhardt. Heute ist die Jugend, die damals langhaarigen Musikern mit Beatstiefeln zujubelte, jenseits der 60. Getanzt wird auf der Beat-Night trotzdem, auch wenn der Saal der Oberurseler Stadthalle größtenteils bestuhlt ist. „Wir können die Uhr nicht zurückdrehen, aber wir können durch die Musik in die Zeit unserer Jugend eintauchen. Der Beat muss weiterleben“, sagt der Kronberger.

Für die 10. Beat-Night 2020 haben die beiden Veranstalter bereits einen Hauptact verpflichtet: Die schottische Band „Middle of the Road“ wird zwar erst Anfang der 70er gegründet, als die Discowelle den örtlichen Beatschuppen nach und nach den Garaus macht. Doch es fehlt an Alternativen. „Wir haben mittlerweile die gesamte Szene abgegrast“, sagt Peter Neidhart. In ein paar Jahren werde es ohnehin keine Beatbands mit Original-Mitgliedern mehr geben. „Die sterben einfach weg. Alle, bis auf die Stones.“ Die Chance, Mick Jagger und Co. nach Oberursel zu holen, sei dann allerdings doch eher gering.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare