„Bares für Rares“: So denken Händler über die Trödel-Show

Der Frankfurter Stephan Krupka handelt seit 30 Jahren mit Antiquitäten. „Bares für Rares“ guckt er gern. „Aber die Händlerpreise haben mit der Realität nichts zu tun. Foto: kb

Top-Quoten, riesige Fangemeinde: Die Sendung „Bares für Rares“ gehört zu den Erfolgsformaten im deutschen Fernsehen. Der Hype um die Trödel-Show beschert auch den Händlern in Rhein-Main mehr Zulauf. Von Kristina Bräutigam

Region Rhein-Main – Seit 2013 läuft die Trödel-Show „Bares für Rares“ im ZDF. Und das mit Riesenerfolg: Knapp drei Millionen Fernsehzuschauer sitzen nachmittags vorm Fernseher, wenn Experten mitgebrachte Fundstücke schätzen; selbst die Wiederholung am Abend schafft es auf 1,5 Millionen. Und auch jenseits der Mattscheibe hat die Sendung offenbar einen Trödel-Hype ausgelöst – und beschert auch Antik-Experten aus Rhein-Main mehr Zulauf. „Die Sendung animiert die Leute, auf dem Dachboden nachzusehen, in der Hoffnung, etwas Wertvolles zu finden“, sagt Anja Döbritz-Berti, Inhaberin des Auktionshauses Döbritz in Frankfurt. Bis zu 20 Menschen kommen täglich, um ihre Fundstücke mündlich von den Experten schätzen zu lassen, weitere 30 Anfragen trudeln per Mail ein. Tendenz: Steigend. „Das Interesse an Antiquitäten wächst insgesamt wieder. ‘Bares für Rares’ trifft also den Nerv der Zeit“, sagt Anja Döbritz-Berti. Die großen Erwartungen, die die Trödel-Show weckt, muss die Expertin allerdings fast immer enttäuschen. „Wenn für etwas früher viel Geld bezahlt wurde, die Nachfrage heute aber einfach nicht mehr da ist, wie bei Porzellan, Möbeln oder Zinn, ist das oft bitter für die Besitzer.“ Dass die Händler in der Sendung dennoch oft hohe Preise zahlen, hat für die Expertin einen einfachen Grund. „Da geht es dann um die Show.“

Andere Händler sehen den Erfolg der Sendung ebenfalls mit gemischten Gefühlen. „Die Experten sind sehr gut, die Preise allerdings absolut unrealistisch“, sagt Stephan Krupka, der im Frankfurter Nordend den Laden „Antikpeep“ betreibt. 230 Euro habe einer der „Bares für Rares“-Händler in dieser Woche für eine Space-Age-Lampe aus den späten 60er Jahren hingeblättert. „Dieselbe Lampe habe ich vor Jahren für 70 Euro gekauft. Sie steht für 150 Euro im Laden und trotzdem kauft sie niemand“, sagt Krupka. Dass Händler aus purer Sympathie einen höheren Ankaufspreis zahlen, sei jenseits der Kamera unwahrscheinlich. „Am Ende des Monats muss ich schließlich von dem, was übrig bleibt, auch noch Miete und Transporter zahlen“, sagt Stephan Krupka, der zusätzlich einen Online-Shop auf Ebay betreibt.

Auch Detlev Janß, Inhaber des Auktionshauses Königstein, muss Kunden regelmäßig auf den Boden der Tatsachen zurückholen. „Wenn jemand in den 70er Jahren 2500 DM für einen Kunstdruck von Dalí gezahlt hat, der heute nur noch 80 Euro bringt, das tut mir als Auktionator weh“, sagt Janß. Vom Hype um die ZDF-Sendung profitiert er trotzdem: Bei den letzten Expertentagen, die das Auktionshaus zweimal im Jahr im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntags der Stadt Königstein anbietet, standen fast 60 Interessenten Schlange. „Es sind viele Leute, die die Sendung gesehen haben, und auch mal ihr Glück versuchen wollen.“ Dem Goldhaus Obertshausen hat die Sendung ebenfalls einen kleinen Boom beschert. „Sehr viele Leute kommen wegen der Show“, sagt Anton Demmer, der das Geschäft mit seinen Kollegen Holger Honig und Volker Kaster betreibt. „Lächerlich“ seien die Preise, die die „Bares für Rares“-Händler zahlen. „Manchmal eindeutig zu niedrig, manchmal viel zu hoch“, sagt der Experte. Statt bis nach Puhlheim in Nordrhein-Westfalen zu fahren, wo die Sendung aufgezeichnet wird, empfiehlt Anton Demmer, einen seriösen Händler vor Ort aufzusuchen. Sollte es sich am Ende doch nur um wertlosen oder schwer verkäuflichen Trödel handeln, könne man immer noch zum Flohmarkt gehen. „Irgendeinen Abnehmer gibt es immer.“

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