Ware an fremdes Haus bestellen

Ausspähen, auflauern, zuschlagen: So dreist ist die Paketräuber-Masche

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„Die Täter bestellen sich entweder Ware, die sich direkt in den Briefkasten stecken lässt, oder fangen den Postboten ab.“

Sie spähen Wohnungen aus, geben falsche Namen an und entreißen Postboten wertvolle Pakete. Paketräuber in Rhein-Main schrecken nicht mal mehr davor zurück, für ein paar Schuhe oder ein Handy Gewalt anzuwenden. 

Region Rhein-Main – Die Postkutschenräuber von heute haben es nicht auf Truhen mit Goldmünzen, sondern auf wertvolle Elektrogeräte abgesehen. Ihre Masche ist ausgeklügelt – und dreist. Die Täter spähen zunächst Häuser aus, in der Hoffnung, eine leer stehende Wohnung zu finden. Sobald die Räuber fündig geworden sind, kleben sie einen falschen Namen an den dazugehörigen Briefkasten und lassen sich an diese Adresse wertvolle Elektrogeräte oder teure Kleidung schicken.

„Die Täter bestellen sich entweder Ware, die sich direkt in den Briefkasten stecken lässt, oder fangen den Postboten ab“, sagt Manfred Füllhardt, Pressesprecher der Polizei Frankfurt. Denn meist ließe sich abschätzen, zu welcher Zeit der Austräger das Päckchen bringt. Weigert sich dieser jedoch, die Sendung zu übergeben, könne das für den Boten übel ausgehen, warnt Füllhardt.

Erst vergangenen Donnerstagnachmittag attackieren zwei Männer einen Postboten in Frankfurt-Seckbach am Atzelbergplatz. Dort soll er vier Päckchen ausliefern. Als niemand auf die Klingel reagiert, geht er durch die offene Tür ins Haus. Im Treppenhaus begegnet ihm ein Mann, der sich für den Adressaten ausgibt. Ausweisen kann er sich allerdings nicht. Der Zusteller beschließt, die Post wieder mitzunehmen. Auf dem Weg zum Lieferwagen passen ihn dann zwei Männer ab und greifen ihn mit Pfefferspray an. Die Täter fliehen ohne Beute.

Aufmerksame Nachbarn könnten eine Hilfe sein

„Wir bereiten unsere Mitarbeiter in der Ausbildung und im Dienstunterricht zwar auf solche Übergriffe vor“, sagt Stefan Heß, Pressesprecher der DHL. Gegen die Masche habe die Post jedoch nur wenig Handhabe. Denn solange der Briefkasten ordentlich beschriftet sei, spreche aus Sicht des Postboten nichts dagegen, die Pakete auszuliefern. „Das Einzige, was wir machen können, ist bei einem Verdacht den Personalausweis zu kontrollieren“, sagt Heß.

Laut Polizeisprecher Manfred Füllhardt könnten aufmerksame Nachbarn helfen, Paketdiebstähle zu verhindern. „Wir haben schon häufiger Hinweise bekommen, dass an einem Briefkasten ein Name steht, der dort nicht hingehört.“ Die Polizei passe dann die Täter vor Ort ab. Auf ähnliche Weise ist den Beamten auch schon im Taunus ein Kleinkrimineller ins Netz gegangen. „Der Täter hatte sich mehrere Päckchen an einen Kiosk schicken lassen“, sagt Johannes Neumann, Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen. Dazu habe er einen Empfänger angegeben, den der Besitzer gekannt hat. Dieser entlarvte den Schwindel und rief die Polizei. Was mit den erbeute Paketen geschieht, weiß Neumann: „Die Täter verkaufen die Ware und sichern sich so ihren Lebensunterhalt.“ Immerhin: Laut Neumann, sei die Aufklärungsquote bei solchen Verbrechen hoch.

Anna Scholze

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