Opfer steigen

Aufpassen! Mit dieser Masche gelangen Kriminelle an intime und pikante Fotos ihrer Opfer

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Erst wird geflirtet, dann erpresst: Die Polizei warnt davor, erotische Bilder oder Filmaufnahmen an flüchtige Internetbekanntschaften zu schicken.   

Die Polizei in Rhein-Main warnt vor einer neuen Form der Erpressung: Sextortion heißt die Masche, bei der Männer über soziale Netzwerke und Chats dazu gebracht werden, intime Bilder oder-Videos von sich zu schicken. Mit fatalen Folgen. 

Region Rhein-Main – Eine neue Form der Internetkriminalität sorgt derzeit für Schlagzeilen: Sextortion, nennen Experten das Phänomen, bei dem arglose Nutzer in eine Falle gelockt werden. Die Masche ist fast immer gleich: Die Opfer, häufig Männer, werden auf sozialen Netzwerken oder Dating-Portalen von vermeintlich attraktiven Frauen angeschrieben. Auf den Flirt folgt der Vorschlag, einen Videochat zu starten. Doch beim Flirt bleibt es nicht: Die Damen animieren den Mann, sich auszuziehen und Nacktfotos oder -Videos von sich zu schicken, in denen sie sich selbst befriedigen. Mit fatalen Folgen: Denn hinter den Frauen stecken Kriminelle, die anschließend drohen, die Aufnahmen an Arbeitgeber, Partner und Freunde zu schicken, sollte das Opfer nicht die gewünschte Summe zahlen.

Immer mehr Fälle werden angezeigt

Auch in der Region ist die Schmuddel-Erpressung angekommen. „Seit Jahresbeginn werden vermehrt Fälle von Sextortion angezeigt“, erklärt Sebastian Trapmann vom Polizeipräsidium Südhessen. Auch im Taunus ist das Phänomen bereits bekannt. „Wir hatten 2017 vier Fälle, die angezeigt wurden, in diesem Jahr sind es bereits fünf. Das ist eine deutliche Steigerung“, sagt Johannes Neumann vom Polizeipräsidium Westhessen.

Mehrere Arten der Erpressung

Bei der Frankfurter Polizei wurden im vergangenen Jahr zehn Strafanzeigen wegen der Erpressung gestellt, im laufenden Jahr 2018 sind es bereits genauso viele. Bei weiteren vier Anzeigen ging es ebenfalls um eine Erpressung, allerdings gingen die Täter nach einem anderen Muster vor: In einigen Fällen bekamen die Opfer eine Spam-Mail, in der behauptet wurde, dass die Webcam des Opfers mittels Fernsteuerung eingeschaltet worden sei. Die Erpresser drohen damit, Bilder an Freunde und Bekannte des Opfers zu versenden, auf denen sie beim Anschauen von Schmuddel-Videos zu sehen sind. Auch hier sollen die Opfer zahlen, um eine Veröffentlichung zu verhindern. Bei einer dritten Variante werden Frauen über Facebook von vermeintlichen US-Soldaten angeschrieben, die im Ausland stationiert sind. „Nachdem sie ihren Opfern die große Liebe vorgespielt haben, bringen sie sie ebenfalls dazu, ihnen Nacktbilder oder -Videos zu schicken, die später zur Erpressung genutzt werden“, sagt Chantal Emch, Sprecherin Polizeipräsidium Frankfurt.

Dunkelziffer wird hoch geschätzt

Wie viele Menschen in Rhein-Main tatsächlich in die Cybersex-Falle getappt sind, kann die Polizei nur mutmaßen. „Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer relativ hoch ist. Oftmals bringen Personen solche Sachverhalte aus Schamgefühl nicht zur Anzeige“, sagt Emch. Das bestätigt auch Markus Wortmann, Fachberater Cybercrime im Polizeipräsidium Südosthessen. Er berät immer wieder Opfer von dieser Art der Erpressung anonym am Telefon – Männer, aber auch Frauen und Jugendliche. „Die Betroffenen sind extrem eingeschüchtert. Die Angst vor einem Imageschaden ist enorm.“

So sollten sich Opfer verhalten

Allen Opfern rät Wortmann, auf keinen Fall zu zahlen. Stattdessen sollen sie schnellstmöglich Anzeige erstatten, und Beweismaterial sichern, etwa durch Screenshots der Chatprotokolle. Die Hintermänner zu ermitteln, die meist aus dem Ausland operieren, sei schwer, sagt Wortmann. Mindestens genauso schwierig sei es allerdings, die Internetnutzer davon zu überzeugen, ihre Daten ausreichend zu schützen und beispielsweise die Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook hochzusetzen. „Nur weil hier geschlampt wird, haben solche Cyberkriminellen überhaupt erst eine Chance.“

Kristina Bräutigam

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