Erst verkauft die Stadt Abdullah Özdemir einen Pavillon, jetzt fordert sie den Händler auf, ihn abzubauen

Amts-Wahnsinn: Blumenhändler sauer!

Der Pavillon (links), den Abdullah Özdemir auf Vorschlag der Stadt hinter seinem Verkaufsstand aufbaute, soll wieder weg. Fotos: rf

Blumenhändler Özdemir versteht die Welt nicht mehr. Die Stadt bietet ihm einen Holzpavillon zum Kauf an, er nimmt an und stellt ihn – wie verabredet – hinter seinen Straßenverkauf. Doch jetzt soll der Pavillon weg. Denn er steht im Landschaftsschutzgebiet. Von Rebekka Farnbacher

Frankfurt – Es klingt wie Hohn: Die Stadt verkauft dem Niederräder Blumenhändler-Urgestein Abdullah Özdemir einen Holzpavillon, damit er seine Verkaufsfläche erweitern kann. Doch nun fordert sie den Floristen auf, das Gebäude wieder abzubauen. Der Grund: Der Pavillon steht im Landschaftsschutzgebiet. Für den Frankfurter Blumenhändler eine Katastrophe. „Das Liegenschaftsamt hat uns den Pavillon angeboten“, erzählt Özdemir, der bereits seit 19 Jahren direkt am Grundstück der ehemaligen Galopprennbahn in Niederrad Blumen verkauft. „Wir haben alles mit der Stadt abgesprochen. Sowohl vom Liegenschafts- als auch vom Grünflächenamt wurde uns zugesichert, dass wir den Pavillon hinter unserem Verkaufsstand aufbauen können.“ Da steht er nun seit etwa einem Jahr – und konnte nie genutzt werden.

Özdemir versteht die Welt nicht mehr. Dabei kam das Angebot dem Blumenhändler wie gerufen. Weil nämlich das Rennbahn-Gelände für den Bau von DFB-Akademie und angrenzendem Bürgerpark komplett geräumt werden muss, fallen auch Stallungen weg, die Özdemir als Arbeits- und Lagerraum nutzen durfte. „Dann bot uns die Stadt letztes Jahr den Pavillon an, der früher auf dem Rennbahn-Gelände zum Kuchenverkauf genutzt wurde. Der sollte nur wenig Geld kosten. Für mich war das wie ein Jackpot“, erinnert sich Özdemir. Der Pavillon wurde mit einem Kran an den neuen Standort gebracht und von Özdemir aufwendig renoviert. „Neues Dach, neuer Boden, die ganze Elektrik – ich habe bestimmt 7000 Euro reingesteckt“, sagt der Blumenhändler. Er habe sich schon gefreut, seinen kleinen Straßenverkauf endlich aufwerten zu können. Doch jetzt soll die ganze Arbeit umsonst gewesen sein.

„Von Seiten der Stadt hieß es, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Man kriege Druck von der Unteren Naturschutzbehörde“, erzählt Özdemir. Das Unverständliche für den Verkäufer jedoch: „Die Naturschutzbehörde hat sich das hier vor Ort nicht mal angeschaut. Ich habe auch keinen Ansprechpartner.“ Stattdessen habe er im Juli eine Mail erhalten. Mit der Aufforderung, den Pavillon bis zum Ende des Monats zu entfernen. Özdemir bat um Fristverlängerung. Eine Antwort erhielt er bis heute nicht. „Niemand hat Interesse daran, Herrn Özdemir seiner Existenzgrundlage zu berauben oder ihm Schaden zuzufügen“, sagt Simone Jacob, Sprecherin des Grünflächenamts. Es sei eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe gegründet worden, die sich mit der Planung des Kreuzungsbereiches beschäftigt. „Im Zuge dieser Planung wird auch ein neuer Standort für den Blumen-Pavillon gesucht. Wir gucken, dass wir eine gute Lösung finden“, beteuert Jacob. Näheres könne sie dazu noch nicht sagen.

Für Özdemir steht fest: Er braucht sein Geschäft, um seine fünfköpfige Familie zu ernähren und ein Umzug komme nicht in Frage. „Ich bin mit dem Standort sehr zufrieden. Ich bin auch gerne bereit, für die Fläche des Pavillons Miete zu zahlen!“ In seiner Not hat er sich mittlerweile an Peter Feldmann gewandt. „Der Oberbürgermeister ist meine letzte Hoffnung!“

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