„Achtsamkeit hilft uns, mit Ängsten und Druck besser umzugehen“

Kurz vor dem Frankfurt-Marathon: Tipps vom Sportpsychologen, wenn plötzlich nichts mehr geht

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Region Rhein-Main – Im Jetzt verweilen – das ist das Grundprinzip der Achtsamkeitslehre. Uni-Professor Darko Jekauc lehrt auf diesem Fachgebiet. Er sprach mit dem EXTRA TIPP darüber, wie vor allem Hobbysportler davon profitieren können und warum Achtsamkeit auch für andere Lebensbereiche gut ist. Von Oliver Haas

 „Achtsamkeit bedeutet im ursprünglichen Sinn des Wortes, dass man im Hier und Jetzt verweilt, ohne die Situation zu bewerten,“ sagt Professor Darko Jekauc. Er leitete bis vor Kurzem am Frankfurter Institut für Sportwissenschaft die Abteilung für Sportpsychologie. „Achtsamkeit ist wie eine Art Lebensphilosophie, die sich aber nicht so leicht umsetzen lässt. Das muss man über Monate oder Jahre trainieren, um das zu erreichen“, sagt Jekauc. Denn oft kämen nach drei Sekunden wieder andere Gedanken in den Sinn. „Was war gestern, was muss ich noch erledigen und so weiter.“

Für die Hobbyläufer, die etwa in der kommenden Woche beim Frankfurter Marathon teilnehmen, hat er dennoch Tipps, wie sie Achtsamkeit sofort für ihren Sport nutzen können, wenn innerhalb der 42,195 Meter plötzlich Probleme auftauchen. „Wichtig ist während eines Marathons, dass man sich darauf konzentriert, was gerade passiert. Also, dass man sich auf den eigenen Atem, auf die eigenen Schritte oder andere körperliche Prozesse fokussiert.“ Man solle also nicht in Zeiten denken oder eben Bewertungen vornehmen, wer vor einem ist, oder wer hinter einem läuft. „Und wenn es irgendwann weh tut, dann sollte man sich einfach diesen Empfindungen stellen und nicht versuchen, sie zu vermeiden. Im Gegenteil stelle ich mich dem und konzentriere mich vielleicht sogar auf die Stelle, die mir weh tut.“

Wer den Schmerz dann beobachtet, der stellt fest, dass diese negativen Empfindungen plötzlich nicht mehr ganz so bedrohlich wirken. „Falsch wäre es also, das Schmerzempfinden unter allen Umständen vermeiden zu wollen. Konzentriere ich mich darauf, dann merke ich: Vielleicht ist es doch nicht so schlimm.“ Wenn der Schmerz natürlich eine gewisse Schwelle überschreitet, sei es freilich klüger, das Ganze abzubrechen, bevor eine schwerwiegende Verletzung passiere. „Aber diese kleinen Unannehmlichkeiten, die mit dem Marathon zwangsläufig verbunden sind, kann man mit der Konzentration auf die körperlichen Vorgänge etwas leichter überwinden und es erträglicher gestalten“, sagt Jekauc.

Eigentlich ist Achtsamkeit laut dem Experten in allen Lebenbereichen anwendbar. Vor allem im Sport habe sie aber eine besondere Anwendung. „Sie ermöglicht uns, mit eigenen Ängsten und Bewertungen und dem Druck, den wir dort haben, umzugehen. Achtsamkeit ist aus der Sicht der Sportpsychologie ein Mittel, um ausgeglichener zu werden und mehr mentale Stärke zu bekommen. Es zielt darauf ab, die eigenen Emotionen zu regulieren und die eigene Konzentrationsleistung zu verbessern.“ Sie sei eine wichtige Säule der Gesundheitsförderung, weil Menschen dadurch lernen, mit sich selbst umzugehen. „Es ist eine Methode, die man im gesamten Leben anwenden kann. Und zwar überall dort, wo es emotional werden kann, man unter Druck gerät und einen klaren Kopf haben will.“

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