Absurde Planung: Am Riedberg fehlen massenhaft Kitaplätze

Shulin Zhao (Elternbeirat Kita Sonnenwind) und Daniel Rentzsch (Elternbeirat Kita Schatzinsel) übergeben die Petition an Bildungsdezernentin Sylvia Weber (Mitte). Foto: nh

Seit Jahren schon fehlen Kinderbetreuungsplätze am Riedberg. Doch obwohl der Stadtteil immer weiter wächst, setzt die Stadt Frankfurt auf Umstrukturierungen statt Ausbau. In den Augen der betroffenen Eltern eine völlige Fehlplanung. Von Rebekka Farnbacher

Frankfurt – 903 Unterzeichner sprechen für sich: Die Riedberger Eltern sind sauer. Denn das Frankfurter Bildungsdezernat kündigte im März an, eine Kita und zwei Horte in dem Stadtteil zu schließen und die Betreuungsplätze auf andere Einrichtungen aufzuteilen. Für die Eltern eine Hiobsbotschaft. Sie fürchten, dass die Betreuungsqualität dabei auf der Strecke bleibt. Mit einer Petition an die Verantwortlichen der Stadt hoffen sie nun, dass die Einrichtungen in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben können.

„Die Planung der Stadt ist vollkommen absurd“, erklärt Christina Herzbach vom Elternbeirat der Kita Sonnenwind, die geschlossen werden soll. Hintergrund des geplanten Platztausches sei es, dass die Riedberger Grundschule erweitert wird und daher die Räume der Kita, die sich im Schulgebäude befindet, für die Nachmittagsbetreuung benötigt werden. „Mit dem Konstrukt, das vom Bildungsdezernat vorgeschlagen wird, werden die bestehenden – gut funktionierenden – Strukturen zerschlagen. Das geht zu Lasten der Grundschüler, die insgesamt nicht mehr sondern weniger Raum zur Verfügung haben, und zu Lasten der Kitakinder, denen ihr eigenständiger Bereich genommen wird und die über Jahre hinweg mit Veränderungen und Einschränkungen umgehen müssen.“ Dem gegenüber steht das Versprechen der Stadt, 20 neue Kindergartenplätze schaffen zu wollen. Für Christina Herzbach ein Tropfen auf den heißen Stein: „Das ist eine winzige Zahl angesichts des Schadens, der da angerichtet wird und auch angesichts des Bedarfs, der im Stadtteil herrscht.“

Schon jetzt fehlen nämlich bereits 60 Kindergartenplätze und der Stadtteil wächst immer weiter. „In unmittelbarer Nähe zur Grundschule entsteht derzeit das Neubaugebiet Berghöfe mit mehr als 300 Wohneinheiten“, sagt Herzbach. „Allein mit den Familien, die dort hinziehen, könnte man einen kompletten Kindergarten füllen.“ Ganz zu schweigen vom dramatisch steigenden Betreuungsbedarf in anderen Altersklassen. Ganze 14 Vorschläge hat der Elternbeirat deshalb der Stadt vorgelegt, um die Kita Sonnenwind an einem anderen Standort neu zu errichten. „Die beste Idee ist aber in meinen Augen, das Grundschulgebäude aufzustocken und dadurch neue Räume zu schaffen, ohne ein freies Grundstück zu benötigen“, sagt Herzbach. „Dann könnte die Kita Sonnenwind einfach bleiben, wo sie ist.“ Denn auch die 20 neuen, von der Stadt versprochenen Kita-Plätze entstehen nicht von jetzt auf gleich. Sie sollen erst im Jahr 2023 zur Verfügung stehen.

Im Bildungsdezernat hält man sich auf Anfrage des EXTRA TIPP bedeckt. „Wir nehmen die Sorgen der Eltern ernst und lassen aktuell alle, auch die von den Eltern vorgeschlagenen Standort-Optionen für einen Kita-Neubau, durch die jeweiligen kommunalen Fachabteilungen prüfen“, sagt Sprecherin Nicole Möhrmann. Noch sei aber unklar, ob ein Neubau realisierbar ist. Und auch im Hinblick auf die Zukunft gibt es keine Zusicherung. „Wir sind immer auf der Suche nach Flächen und Bestandsgebäuden, um weitere Kinderbetreuungseinrichtungen zu schaffen.“

Für Christina Herzbach, deren zwei Kinder auch von den Veränderungen betroffen sind, ist es zumindest eine gute Nachricht, dass das Bildungsdezernat sich auf die Vorschläge einlässt. Trotzdem bleibt sie skeptisch, ob die Pläne wirklich mit der nötigen Nachhaltigkeit umgesetzt werden. Man habe die Entwicklung des Stadtteils falsch eingeschätzt. „Es ziehen immer wieder junge Familien an den Riedberg. Wir werden daher auch noch in 20 Jahren großen Bedarf an Betreuungsplätzen haben.“

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